Ultraleichte Tragflieger sollen in Obermehler gebaut werden

Obermehler (Unstrut-Hainich-Kreis). Ronald Schoppe aus Görmar und seine Mannschaft arbeiten derzeit am Prototypen. Im Herbst will man ihn vorstellen.

Ronald Schoppe hat im Nachbau des Gyrocopter-Cockpits, einem 1-1-Modell, bereits einmal Platz genommen. Foto: Daniel Volkmann

Ronald Schoppe hat im Nachbau des Gyrocopter-Cockpits, einem 1-1-Modell, bereits einmal Platz genommen. Foto: Daniel Volkmann

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Im Inneren erinnert wenig an die originäre Aufgabe, die dieser Halle einmal zugeschrieben wurde. Von den Piktogrammen an der Wand der Halle einmal abgesehen. Die Firma GGC GmbH hat die Turnhalle der einstigen Schule von Obermehler für sich entdeckt.

Dort wird derzeit entwickelt, montiert und überarbeitet. Ronald Schoppe (42) aus Görmar hat sich das Gebäude in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes dafür ausgesucht, um Gyrocopter der Marke Rotorvox zu entwickeln und - demnächst - auch zu produzieren. Ein Prototyp steht bereits in der Halle. An ihm, dem Erlkönig, wird in diesen Tagen getestet, wird der Carbon-Flieger perfektioniert.

Im Herbst will man soweit sein, dass der Gyrocopter in Serienproduktion geht.

Mit etwa 30 Stück rechnet Schoppe, die im ersten Jahr in Handarbeit hergestellt und verkauft werden. Dass es dafür einen Markt gibt, davon ist der gelernte Kfz-Mechaniker überzeugt. Der Gyrocopter-Markt sei ein boomender, einer mit einem überdurchschnittlichen Wachstum. Die ersten Interessenten hätten sich bereits bei diesem jungen Unternehmen gemeldet, sind begeistert vom Prototyp und willens, sich das Flugvergnügen im sechsstelligen Euro-Bereich zu leisten.

Mit sechs fest angestellten Mitarbeitern arbeitet Schoppe am Gyrocopter, kooperiert mit einem anderen Start-up-Unternehmen aus Ilmenau und scheint selbst ein wenig überrascht von der Geschwindigkeit, mit der sich sein Unternehmen entwickelt. Schon jetzt, sagt er, könnte seine Entwicklungsabteilung mehr Platz gebrauchen.

Die Fachkräfte fand er auf seinem vormaligen beruflichen Betätigungsfeld, in der Automobil-Industrie, aber auch unter den Luftfahrttechnikern, so den gebürtigen Mühlhäuser René Pilz.

Mehr Platz wird das Unternehmen auch bekommen, wenngleich erst mittelfristig. In den nächsten Wochen wolle er den Bauantrag abgeben, um mit den Umbauten in der einstigen Schule, die erst Ende der 1980er errichtet wurde, zu beginnen.

2800 Quadratmeter ist das Gebäude groß, ab März des kommenden Jahres wolle er es nutzen, sagt Schoppe. Lager und Maschinenwerkstatt sollen aus der Turnhalle ausziehen, damit dort ausreichend Platz für die Endmontage ist. Platz, der auch notwendig ist, schließlich soll die Zahl der Mitarbeiter in den nächsten vier Jahren von sechs auf fünfzig wachsen.

Auch Werkzeugmechaniker und Mechatroniker will der Geschäftsführer ausbilden. "Allein ist das aber nicht zu leisten, deshalb strebe ich eine Zusammenarbeit mit der traditionellen Schlotheimer Firma Wiegand an", sagt er und weiß: Eine Ausbildung, bei der an solch einem ausgefallenen Flugobjekt wie einem Gyrocopter gearbeitet werden kann, ist dabei für die jungen Leute überaus attraktiv.

Trotz aller Weitsicht: "Die nächsten drei bis vier Monate werden für uns als junges Unternehmen wegweisend sein. Wir arbeiten am Re-Design des Gyrocopters und werden den Gyrocopter dem Markt präsentieren", erklärt der 42-Jährige.

Seine Begeisterung für dieses Flugobjekt wurde übrigens während seiner Zeit im Motorsport geweckt. Als er für Volkswagen bei der Rallye Dakar im Einsatz war, erkannte er das Potenzial. Damals, so gibt er zu, wusste er nicht, "warum denn die Dinger überhaupt fliegen."

Das freilich änderte sich schnell. Auch wenn ein Gyrocopter aussieht wie ein Hubschrauber, trennt beide doch Entscheidendes: Die Rotorblätter der ultraleichten Flieger werden allein vom Fahrtwind angetrieben. Bis zu 600 Kilometer können sie zurücklegen. "Zwei Tage Einführung bei uns, dann können unsere Kunden nach Hause fliegen. Und wenn's zu weit ist: Vier Stück lassen sich mit wenig Demontage zerlegen und in einem 40-Fuß-Container verstauen", wagt Ronald Schoppe einen Blick voraus.

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