Unternehmen in Ostthüringen: Kampf gegen Verwertung kopierter E-Books

Jena.  Generation kostenlos: Der Jenaer Unternehmensinhaber Andreas Kaspar kämpft mit seiner Firma „Counterfights Anti-Piracy“ gegen Produkt-Piraten. Wie kommt er den Tätern auf die Schliche?

„Counterfights Anti-Piracy“ ist ein 2004 gegründetes inhabergeführtes Ermittlungsunternehmen, welches auf die Bekämpfung der physischen und digitalen Produktpiraterie über Vertriebswege im Internet spezialisiert ist. Inhaber des Unternehmens ist Andreas Kaspar. 

„Counterfights Anti-Piracy“ ist ein 2004 gegründetes inhabergeführtes Ermittlungsunternehmen, welches auf die Bekämpfung der physischen und digitalen Produktpiraterie über Vertriebswege im Internet spezialisiert ist. Inhaber des Unternehmens ist Andreas Kaspar. 

Foto: Thorsten Büker

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Auf etwa 50 Millionen Euro schätzt Andreas Kaspar den Schaden, der deutschen Verlagen bei der widerrechtlichen gewerblichen Verwertung von E-Books jährlich entsteht. Dass diese am Ende nicht konsequent genug gegen Produkt-Piraten vorgingen, sei unverständlich, sagt der Inhaber von „Counterfights Anti-Piracy“.

Generation kostenlos? Andreas Caspar nennt sie „Hardcoredownloader“. Menschen also, die in einer digitalen Welt der Freikultur leben und prinzipiell für Filme, Musik und Bücher kein beziehungsweise wenig Geld ausgeben wollen.

Und weil die Nachfrage gut für das Geschäft ist, gibt es unzählige Anbieter, die damit wiederum Geld verdienen: die Verbreitung von digitalen Schwarzkopien über das Netz ist längst zu einem Massenphänomen geworden.

Kaspar hat sich darauf konzentriert, digitale Kopien von Hörbüchern und E-Books zu bekämpfen beziehungsweise deren Anbieter zu ermitteln. Dabei beobachtet er nicht nur die sogenannten Filehoster, Sharehoster oder Cyberlocker, die gezielt für die Verbreitung von widerrechtlich erstellten Schwarzkopien von Musikstücken, Filmen, Videospielen, Computerprogrammen, E-Books und Hörbüchern genutzt werden, sondern auch den illegalen gewerblichen Handel bei den legalen Verkaufsplattformen wie zum Beispiel Ebay oder deren Kleinanzeigen-Plattform. Das geschieht manuell, angesichts der Masse an illegalen Kopien überwachen zudem spezielle IT-Systeme das Angebot.

Wie eine Detektei, ist die Jenaer Firma auf Aufträge angewiesen: Die letzten erfolgreichen Ermittlungen, die mit Strafanzeigen endeten, führte Kaspar für 70 betroffenen Rechteinhabern der Buchbranche durch. Bei den mutmaßlichen Tätern - die Verfahren liegen mittlerweile bei den zuständigen Staatsanwaltschaften in Hanau und Göttingen - handelte es sich um Schwerpunkttäter der gewerblichen E-Book-Piraterie.

Schlagzeilenträchtiger Fall aus dem Jahr 2015

Von den Beschuldigten wurden etwa 20.000 belletristische E-Book-Werke in Internetforen widerrechtlich verbreitet. Die Kopien sind mittels der sogenannten Filehoster uploaded.net, rapidgator.net und share-online.biz zum Herunterladen bereitgestellt worden. Vor allem Neuerscheinungen wurden von den Beschuldigten nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung als illegale Downloads verbreitet.

Die drei Tatverdächtigen hätten mittels der Vergütungen aus Partnerprogrammen mutmaßlich bis zu mehrere Tausend Euro monatlich verdient, sagt der Ermittler. Häufig bieten die Filehoster einen kostenlosen Gastzugriff an, der nur eine geringe Downloadgeschwindigkeit aufweist oder nur eine begrenzte Anzahl von täglichen Downloads erlaubt. Wer mehr will, zahlt Geld für ein Premiumkonto bei einem Filehoster. Und der „Uploader“ wird von dem Filehoster an diesem Geschäft direkt monetär beteiligt.

Andreas Kaspar ist ein Quereinsteiger. Der 41-Jährige, in Frankfurt an der Oder geboren, studierte nach dem Studium in Jena Geografie und Soziologie und programmierte nebenbei Internetseiten.

Irgendwann war das Interesse da, sich den dunklen Seiten der digitalen Welt zu widmen. Und was zunächst parallel zum Studium verlief, mündete 2006 in die Gründung einer eigenen Firma.

Wie den Tätern auf die Schliche kommen? Wenn diese nicht durch Anonymisierungsdienste wie Tor geschützt sind, können Verlage zivil- oder strafrechtliche Wege beschreiten. Unterstützer der digitalen Piraterie, wie die Betreiber von Piraterie-Portalen oder Filehostern, agieren vermeintlich außerhalb der europäischen Gerichtsbarkeit.

Viele Kunden scheuen sich, die Täter juristisch zu verfolgen

Dass häufig Rechenzentren in Europa genutzt werden, vereinfache die Sache etwas. Wird Kaspar fündig, schreibt er die Dienstleister (Filehoster) an und fordert sie auf, jene bei ihnen gespeicherten Raubkopien zu löschen. „Notice and Take down“ heißt dieses Verfahren, das eine rechtlich wirksame Bindung für den angeschriebenen Dienstleister sei. „Von 100 Filehostern reagieren vielleicht 95 auf meine Aufforderung.“ Das ist zwar ein guter Wert, allerdings tummelten sich immer mehr illegale Kopien auf den Servern der verbliebenen Dienstleister. Und genau hier beginnt das Problem für Kaspar, denn letztendlich scheute viele seiner Kunden, die Täter dann juristisch zu verfolgen. Das sei allerdings auch mit einem extrem hohen Ermittlungsaufwand verbunden. Dass ein Täter seine IP-Adresse hinterlasse und damit der Rechteinhaber eine direkte zivil- oder strafrechtliche Verfolgung anstreben könne, sei eher die Ausnahme. Über Jahre hat Andreas Kaspar gegen einen Mann ermittelt, der sich „Spiegelbest“ nannte und ein dreister Bücherdieb war, da er eine E-Book-Bibliothek mit Flatrate anbot, die zumindest zu Beginn auf den Titel der Bestsellerliste des Hamburger Nachrichtenmagazins basierte.

Als die Luft immer dünner wurde, zog sich der Unbekannte zurück. Angesichts der Dimension hat der Fall 2015 für Schlagzeilen gesorgt: Zuletzt umfasste die illegale Bibliothek annähernd 70.000 E-Books von mehr als 16.000 Autoren.

Kaspar erwägt, sich neu zu orientieren, vielleicht die Design-Piraterie ins Portfolio aufzunehmen. „Die Einsicht, dagegen vorzugehen, ist in dieser Branche etwas ausgeprägter.“

Das Unternehmen in Ostthüringen

  • Name: Counterfights Anti-Piracy
  • Standort: Im Wehrigt 1, 07747 Jena
  • Inhaber: Andreas Kaspar
  • Umsatz: 120.000 Euro
  • Leistungen: Bekämpfung der physischen und digitalen Produktpiraterie über Vertriebswege im Internet
  • Beschäftigte: zwei sowie Freelancer
  • Internetseite: counterfights.com
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