Unternehmen kündigt 100 neue Arbeitsplätze in Jena an

Mit einem dreistelligen Millionengewinn im Rücken erweitert die Schott AG ihr weltweites Engagement. In die deutschen Standorte wird weiter investiert.

Udo Ungeheuer, Vorsitzender des Vorstandes der Schott AG, präsentierte am Freitag in St. Gallen den Geschäftsbericht der Schott AG zum abgelaufenen Geschaeftsjahr 2009/2010. Foto: Jens Meyer/dapd

Udo Ungeheuer, Vorsitzender des Vorstandes der Schott AG, präsentierte am Freitag in St. Gallen den Geschäftsbericht der Schott AG zum abgelaufenen Geschaeftsjahr 2009/2010. Foto: Jens Meyer/dapd

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Erfurt. Für den Standort Jena hat der Vorstandsvorsitzende Udo Ungeheuer gute Nachrichten dabei. Bei der gestrigen Vorstellung der Geschäftszahlen im schweizerischen St. Gallen bekannte er sich zur Solarproduktion in Thüringen. "Wir verdoppeln gerade unsere Kapazität für die Produktion von Wafern, den Grundplatten für unsere Solarzellen." Die neuen Produktionslinien sollen bereits im zweiten Halbjahr ihre volle Leistung erreichen. Damit verbunden ist die Einstellung von 100 zusätzlichen Beschäftigten. Darüber hinaus wird Anfang März am Gründungsort des Technologiekonzerns eine zweite Schmelzwanne für Spezialglas in Betrieb genommen, die den in Jena erwirtschafteten Umsatzanteil für das gesamte Unternehmen deutlich erhöhen wird.

Für die nächsten Monate erwartet Ungeheuer ein Wachstum über alle Geschäftsfelder im hohen einstelligen Bereich. "Es wird eine leichte Abkühlung im Vergleich zur rasanten Zeit 2009/10 geben", so der Vorstandschef. Im vergangenen Geschäftsjahr, das bei Schott im Oktober 2010 endete, stieg der Umsatz um 26 Prozent auf 2,85 Milliarden Euro. Unterm Strich stand ein Gewinn von 108 Millionen Euro. Noch im Krisenjahr 2008/2009 summierten sich die Verluste auf 167 Millionen Euro.

Die geringe Arbeitslosigkeit und die gute Kauflaune haben dazu geführt, dass die Deutschen mehr Geld für ihre Haushaltstechnik ausgegeben haben. Ceran-Kochfelder und hitzebeständige Kamingläser gehören zum Kerngeschäft von Schott und waren 2010 viel stärker gefragt als in Krisenzeiten. Diese Entwicklung setzt sich auch 2011 fort.

Die gute Ertragslage ermöglicht, dass der Konzern in diesem Jahr 100 Millionen Euro in die deutschen Standorte investiert. Gleichzeitig wird das Auslandsgeschäft ausgebaut. Im Frühjahr wird nahe Schanghai ein Werk zur Herstellung von Solarmodulen anlaufen. "Das reine Zusammenbauen der Solarmodule ist in Europa zu teuer", begründete Ungeheuer diesen Schritt. Schott müsse auf dem größten Markt für Fotovoltaik präsent sein. Mit dieser Entscheidung möchte Schott die Abhängigkeit von Deutschland reduzieren. Der Solarboom war ein wesentlicher Geschäftstreiber, verlangsamt sich aber, weil die Einspeisevergütung für Solarstrom vom Dach sinkt. Der Plan, die Fotovoltaik-Sparte an die Börse zu bringen, ist vorerst vom Tisch. Zu unsicher scheint das Marktumfeld, weil keiner weiß, ob sich die deutschen Hersteller gegen die billigere asiatische Konkurrenz bewähren können.

Großes Potenzial sieht Schott auch im Markt für Medizinprodukte. Neue Werke in Argentinien und Russland sollen aufstrebende Schwellenländer mit Spritzen, Fläschchen und Ampullen versorgen. "In Südamerika und Asien werden die Regierungen die Gesundheitssysteme ausbauen", sagt Jürgen Sackhoff, Chef der Medizin-Sparte bei Schott. Weiter verbessert werden die speziellen Gläser, die einst am Stammort Jena erfunden wurden, in den Schweizer Fabriken des Unternehmens. Deshalb wurden die Geschäftszahlen in diesem Jahr auch in St. Gallen präsentiert.

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