Urbacher Bauunternehmen will Wertstoffwende mit antreiben

Nordhausen/Urbach  Alte Pflastersteine türmen sich zwischen Pfützen zu mannshohen Pyramiden, die in ihren Ausmaßen mit den benachbarten Schutthaufen aus Beton wetteifern. Kurzum: Die Bauabfälle auf dem Recyclingplatz vom Bauunternehmen Henning in Urbach geben das traurige Bild einer Trümmerlandschaft ab.

Henning Bau in Urbach kooperiert nun mit der Hochschule Nordhausen. Geschäftsführerin Doris König führte am Dienstag Mitarbeiter der Forschungsgruppe Recyclingtechnik über den Recyclingplatz der Firma, von dem sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse erhoffen.

Henning Bau in Urbach kooperiert nun mit der Hochschule Nordhausen. Geschäftsführerin Doris König führte am Dienstag Mitarbeiter der Forschungsgruppe Recyclingtechnik über den Recyclingplatz der Firma, von dem sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse erhoffen.

Foto: Peter Cott

Auf den Regenschirm gestützt, entfährt Jürgen Poerschke ein zufriedenes Grinsen. „Alles Goldstaub“, sagt der Leiter der Forschungsgruppe Recyclingtechnik an der Hochschule zu den steinernen Halden.

Nirgendwo fallen so viele Abfälle an wie auf Baustellen. Alter Beton, Ziegel, Gips – das alles muss irgendwo hin. Große Teile landen in Deutschland derzeit noch auf Deponien. Vieles jedoch wird schon jetzt zu Ersatzbaustoffen weiterverarbeitet.

Henning Bau geht dabei voran, trennt bereits auf der Baustelle Plastik, Metall, Beton, um es bei guter Qualität zu recyceln. „Es wäre schade drum“, findet Doris König, Geschäftsführerin des Unternehmens, denn oft sei das Material besser als jenes aus Steinbrüchen und günstiger noch dazu. Es ist eine Einstellung, die den Wissenschaftlern um Jürgen Poerschke erneut ein zufriedenes Lächeln beschert, habe man doch mit Henning-Bau einen „spannenden Partner“ entdeckt, wie er sagt. Fortan wollen die Hochschule und das Urbacher Unternehmen deshalb kooperieren. In gut zwei Wochen soll eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet werden.

Von hier aus wollen die Nordhäuser Wissenschaftler den nächsten Impuls zur „Wertstoffwende“ in Gang setzen – ein Wort, das sich die Hochschule Nordhausen übrigens hat schützen lassen. Anliegen sei es, soJürgen Poerschke, Müll zum Wertstoff zu machen. Im Haushalt, auf der Baustelle, vor allem aber in den Köpfen, für die der Hochschul-Professor ein Umdenken in Richtung nachhaltige Zukunft fordert. Derzeit sei Recycling meist noch teurer als der Abbau von Rohstoffen, erläutert er. Durch die Zusammenarbeit wolle er das nun ändern. Durch Untersuchungen auf Baustellen und Einblicke in das praktische Vorgehen der Baufirma soll die Recycling-Technik und Abrisskonzepte in den kommenden Jahren optimiert werden, erläutert Poerschke.

Doris König indes erhofft sich durch die Zusammenarbeit ebenfalls neue Erkenntnisse. Gerade die Entsorgung bestimmter Materialien sei für sie noch immer recht kostspielig. Hier brauche es ebenso Ratschläge wie etwa, um Plastik noch besser sortieren und reparieren zu ­können. Gerade hierbei könnte die Forschungsgruppe den Urbachern ein guter Partner sein. Mit ihrer Beteiligung am Verbundprogramm „Masterplan Thüringen – Ressourceneffizientes Bauen der Zukunft“ sei die Hochschule bereits ein „Leuchtturm“ mit „Vorreiterrolle auf diesem Gebiet“, wie Poerschke sagt. Darüber hinaus vernetzt die Hochschule innerhalb des Projektes „Recyclingregion Harz“ rund 50 Partner. Ein Wissensvorsprung, den nun auch Henning-Bau für sich nutzen könnte.

Bereits für kommendes Jahr planen Hochschule und Bauunternehmen nun ein gemeinsames Projekt: eine Sammlung von alten Elektrogeräten nebst Untersuchung, wie Wissensvermittlung im Unternehmen solche Aktionen beeinflusst.

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