Verfahren für Groß-Möbelmarkt auf dem AWE-Gelände in Eisenach läuft

Eisenach. Kommt ein großer Möbelmarkt in das Gebäude O1 des ehemaligen Automobilwerks oder nicht? Der Stadtrat entscheidet am 17. Juli darüber, den entsprechenden Bebauungsplan voranzubringen und damit auch die Öffentlichkeit an dieser Frage zu beteiligen.

In dem früheren Fertigungsgebäude O1 auf dem AWE-Gelände - neben dem Automuseum - will ein Investor einen Möbelmarkt einrichten. Zuvor gibt es ein Bebauungsplanverfahren, dem der Bauausschuss zugestimmt hat. Es sieht auch die Beteiligung der Bürger vor. Foto: Sven-Uwe Völker

In dem früheren Fertigungsgebäude O1 auf dem AWE-Gelände - neben dem Automuseum - will ein Investor einen Möbelmarkt einrichten. Zuvor gibt es ein Bebauungsplanverfahren, dem der Bauausschuss zugestimmt hat. Es sieht auch die Beteiligung der Bürger vor. Foto: Sven-Uwe Völker

Foto: zgt

Rückblick: Bereits vor Jahren zeichnete sich ab, dass das denkmalgeschützte Gebäude, das direkt ans AWE-Museum grenzt, saniert werden könnte. Ein Möbelmarkt-Betreiber, der im Einkaufszentrum Hötzelsroda sitzt, erwarb den Bau und wollte ihn für seine Zwecke nutzen. Im Gegenzug wolle er gegenüber des O1 eine weitere Möbel-Mitnahmehalle bauen, damit sich die Sache für ihn rechnet. 2011 brachte die Bauverwaltung im Rathaus dann ein Planverfahren auf den Weg, denn bisher ist auf dem AWE-Gelände kein sogenanntes Sondergebiet mit großflächigen Verkaufseinrichtungen vorgesehen.

Andere Möbelanbieter haben eben erst investiert

Ein Vorentwurf wurde erstellt, Bürger und Träger öffentlicher Belange erstmals angehört. Die Ergebnisse flossen in einen Entwurf ein, der nun dem Bauausschuss vorlag. Der stimmte ihm zu, ebenso der Hauptausschuss am Dienstag.

Wenn der Stadtrat ebenso denkt, wird der Plan dann einen Monat lang öffentlich ausgelegt. Was ist vorgesehen? Im O1 sollen gut 14"000 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen. In dem Neubau direkt gegenüber kämen weitere 7000 Quadratmeter dazu. Der Entwurf enthält als Kernpunkt die Verpflichtung für den Investor, erst das O1 zu sanieren, bevor er den Neubau beginnen darf.

Zudem habe man das mögliche Sortiment eng beschränkt auf Waren, die nicht innenstadtrelevant seien, erläuterte Stadtplanerin Uta Stietz. So sei der Verkauf von Möbeln, Büromaschinen, Bettwaren , Fußbodenbelägen, Gartenmöbeln und Campingartikeln zulässig; ausdrücklich ausgeschlossen sind Sortimente wie zum Beispiel Nahrungsmittel, Bekleidung, Spielwaren, Bücher, Foto, Schmuck, Haushaltswaren und Unterhaltungselektronik. Auch gibt es im Entwurf Hinweise zum Hochwasserschutz vor der nahen Hörsel und zu möglichen Altlasten.

Dennoch werde es zu dem Vorhaben wohl eine öffentliche Debatte geben, hieß es im Bauausschuss: "Ich gehe davon aus, dass im Verfahren auch Bedenken angemeldet werden", sagte der Stadtplaner Andreas Died­rich. Das liegt nahe, denn ein so großer neuer Möbelhandel nahe dem Stadtzentrum hat Auswirkungen auf konkurrierende Möbelhändler in Eisenach, die teilweise erst kürzlich kräftig investiert haben.

"Aber die wussten ja schon, was hier geplant ist", sagte Dieter Suck (CDU). Er verwies auch darauf, dass der Investor dann, wenn er auf dem AWE-Gelände angesiedelt sei, sein Geschäft in Hötzelsroda räumen werde und damit dort Leerstand entsteht. Nicht zuletzt weiß man seit dem "Tor zur Stadt", dass neuer großflächiger Handel in Eisenach generell für Debatten sorgt.

Nichtsdestotrotz ist das Verfahren auf dem Weg - mit offenem Ergebnis: "Der Stadtrat ist Herr des Verfahrens, hat die Planungshoheit und kann es jederzeit stoppen", sagte Bürgermeister Andreas Ludwig. Denn nach der öffentlichen Auslegung gibt es erneut eine Abwägung aller eingegangenen Hinweise und Bedenken.

Erst danach entscheidet der Stadtrat, ob der geänderte Bebauungsplan "Nr. 12.1 Automobilwerk Eisenach - Stammwerk" zur Satzung wird und damit Gesetzeskraft erlangt.