Vorwurf der Tierquälerei - Thüringer Bauern sehen sich kriminalisiert

Erfurt  Einen Grund für den starken Rückgang der Nutztierbestände in Thüringen sieht Landesbauernpräsident Klaus Wagner auch bei einer oft pauschalen Kriminalisierung des Berufsstandes.

In Thüringen halten die Landwirte aktuell noch etwa 322.000 Rinder.

In Thüringen halten die Landwirte aktuell noch etwa 322.000 Rinder.

Foto: Jens Wolf/dpa

Der starke Rückgang der Nutztierbestände in Thüringen hat nach Einschätzung von Landesbauernpräsident Klaus Wagner auch mit einer oft pauschalen Kriminalisierung des Berufsstands zu tun. Auf undifferenzierte öffentliche Kritik an Tierhaltungsbedingungen reagierten Halter von Rindern, Schweinen und Geflügel häufig nach dem Motto „Das tue ich mir nicht mehr an“, sagte Wagner bei der 28. Landesvertreterversammlung des Thüringer Bauernverbandes gestern im Erfurter Ortsteil Alach.

Mit den 322.000 Rindern, die es in Thüringen noch gebe, seien die Landwirte in einigen Regionen schon nicht mehr in der Lage, das Grünland mit Rindern zu pflegen, skizzierte Wagner die Lage. Während in Thüringen lediglich 44 Großvieheinheiten je hundert Hektar Landwirtschaftsfläche gezählt würden, kämen in Deutschland 78 Tiere auf diese Fläche.

Es dürfe nicht sein, dass Kinder vom Bauerhof in der Schule mit dem Hinweis angegiftet würden, ihr Vater sei ein Tierquäler, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).

Der Regierungschef gab zugleich zu bedenken: Wenn hundert Ferkel in einem Stall verendeten, und dies sogar zweimal, müsse der Frage nachgegangen werden, wie so etwas geschehen könne. „Dann interessiert es keinen, ob die entsprechende Verordnung befolgt wurde. Wenn man einen Fehler gemacht hat, muss man dazu stehen.“

Ramelow machte sich, wie er dies regelmäßig tut, für eine bessere Qualität von Lebensmitteln stark, die dann durchaus einen etwas höheren Preis haben dürften. „Die Wertschöpfung der Bauern müsste höher sein“, forderte der gelernte Lebensmittelkaufmann Ramelow und erntete großen Applaus. Der Ministerpräsident kritisierte die Geschäftspolitik von Großhandelsketten, die hohe Qualität verlangten, aber – ebenso wie viele Kunden – für gute Ware wenig zahlen wollten.

Diese Entwicklung schreitet immer noch voran. Der Erlös der Landwirte bei Nahrungsmitteln sinke weiter, beklagte Bauernpräsident Wagner.

Das Dürre-Jahr 2018 hat darüber hinaus zahlreiche Landwirte an den Rand der Existenznot geführt. Etwa 170 Thüringer Landwirte würden noch in diesem Jahr sogenannte Dürrehilfen erhalten, kündigte Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Linke) gestern an. Insgesamt würden 13,3 Millionen Euro ausgezahlten, die zu gleichen Teilen von Bund und Land finanziert werden. Die von 185 Antragstellern gemeldete Schadenshöhe liegt jedoch weit höher: bei insgesamt 30,7 Millionen Euro.

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