Wegen Bahn- und Busstreik kamen viele Schüler in Erfurt zu spät

Erfurt. 150 Mitarbeiter der Evag legten die Arbeit nieder. Das Schulamt wusste seit einer Woche vom Ausfall beim Schülertransport.

Vor dem Betriebsgelände der Evag am Urbicher Kreuz versammelten sich die meisten Streikenden, um auf ihre Forderungen in der laufenden Tarifrunde lautstark aufmerksam zu machen. Foto: Susann Fromm

Vor dem Betriebsgelände der Evag am Urbicher Kreuz versammelten sich die meisten Streikenden, um auf ihre Forderungen in der laufenden Tarifrunde lautstark aufmerksam zu machen. Foto: Susann Fromm

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Fast sieben Stunden lang rollte Mittwochmorgen keine Straßenbahn durch Erfurt. Selbst in entfernte Ortsteile fuhr im Berufsverkehr kein Bus. Hunderte von Schülern kamen zu spät zum Unterricht, weil 150 Mitarbeiter der Erfurter Verkehrsbetriebe ihre Arbeit niedergelegt hatten. Viele Pendler stiegen für den Weg zur Arbeit aufs Auto um, Taxis waren ständig ausgebucht. Nur mühsam quälten sich Blechlawinen über die Straßen durch Erfurt.

Auch die Tochter von Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) verpasste den Start für die Klassenarbeit in der ersten Schulstunde, obwohl der Papa sie und eine Freundin persönlich zum Ratsgymnasium chauffiert hatte. "Es war einfach kein Durchkommen", schilderte der Stadtchef den morgendlichen Stau in der Altstadt. "Zu streiken steht auch den Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe nach dem Gesetz zu. Zu verstehen aber ist nicht, warum die Aktion nicht schon ein paar Tage vorher angekündigt worden ist. Dann hätten sich die Erfurter darauf einstellen können." So aber sei der Arbeitskampf auf Kosten der Jüngsten ausgetragen worden. "Grundschüler können nicht einfach mal so auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen."

Der Ausstand sei bereits am 13. März beim Schulamt angekündigt worden, verteidigt Kirsten Eckert, die Bezirkssekretärin für Thüringen bei der Gewerkschaft Verdi die Streikvorbereitungen. "Wenn solche Informationen dann nicht an die Schulen und die Eltern weitergeleitet werden, ist das nicht unsere Schuld", will sie den Erfolg für die Gewerkschaft nicht schmälern lassen. "100 Prozent unserer Mitglieder sind dem Streikaufruf gefolgt. Jetzt erwarten wir von den Arbeitgebern vernünftige Angebote."

Versäumnisse bei den Bildungsbehörden sieht auch Hartmut Bentzien: "Wenn die Schulämter tatsächlich letzte Woche informiert wurden, frage ich mich, warum nicht auch die Presse rechtzeitig informiert wurde. Zudem ist die Meldung offensichtlich im Schulamt hängen geblieben, jedenfalls haben wir keine Information von der Schule erhalten", ärgert sich der vom Streik betroffene Vater aus Erfurt.

Streik brachte Taxifirmen Umsatzplus wie Silvester

Mit zwei Schulkindern an ihrer Seite irrte Mittwochmorgen eine Erfurterin über die sonst verwaisten Haltestellen für Stadtbahn und Bus im Bahnhofstunnel. "Ich bin weder blind noch taub, aber dass heute der Schulbus für meine Kinder nicht fährt, habe ich erst hier durch die Anzeige am Bussteig erfahren", fühlt sich die Mutter im Stich gelassen. Mit Umweg über die Eisenbahn würde ihre Tochter ihre Schule nur noch verspätet erreichen. Auch sie selbst konnte gestern nicht mehr pünktlich zu ihrem Arbeitsplatz in Weimar gelangen.

Trotz ihres Dauerlaufs vom Drosselberg zum Hauptbahnhof fand Sigrid Bechmann auch hier nicht den erhofften Busanschluss nach Bindersleben. Am Taxistand warteten Dutzende andere Reisende. Nur alle paar Minuten kam ein Taxi und fuhr sofort mit neuen Fahrgästen wieder ab. Erst die dritte Tour startete nach Bindersleben.

"Für uns waren die Streikstunden ein Geschäft wie sonst nur die Silvesternacht.", freut sich Reiner Weilert, Vorstand von der Erfurter Taxigenossenschaft. "Wir hatten alle verfügbaren Fahrzeuge, 95 Prozent des Bestandes, im Einsatz. Die Flotte war bis halb elf voll ausgelastet." Um 10 Uhr fuhren Bahnen und Busse aus den Depots.

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