Weimar-Porzellan: Was nach 228 Jahren bleibt

Weimar  Insolvenzverwalter von Weimar-Porzellan hat Formen und historische Stücke gesichert. Ausverkauf ab nächster Woche

Ein Blick in die Produktionshalle aus besseren Zeiten: Hier wurden im Februar 2017 Medaillen aus Porzellan zur 16. Bundesversammlung hergestellt.

Ein Blick in die Produktionshalle aus besseren Zeiten: Hier wurden im Februar 2017 Medaillen aus Porzellan zur 16. Bundesversammlung hergestellt.

Foto: Sascha Fromm

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Das nahende Jahresende steht bei Weimar-Porzellan für das Ende der Tradition, die die Porzelliner dort rund 220 Jahre gepflegt haben. Insolvenzverwalter Rolf Rombach geht davon aus, dass er im Februar oder März den Schlüssel für die 1790 gegründete Manufaktur umdrehen wird, nachdem den verbliebenen 64 Mitarbeitern zum Jahresende gekündigt und die Produktion bereits gestoppt worden ist. „Das ist alles sehr, sehr traurig“, resümierte Rolf Rombach nach seinen vergeblichen Versuchen, neue Aufträge zu akquirieren.

Weimar-Porzellan hatte im April Insolvenz anmelden müssen, nachdem der Umsatz zunehmend einbrach. Zur Höhe der Verbindlichkeiten konnte sich Rombach nicht äußern. Das unterliege der Schweigepflicht, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Die Immobilie an sich werde aber nicht dazu beitragen können, Gläubiger zu befriedigen, so der Insolvenzverwalter weiter. Das Werk befinde sich im Besitz des Alleingesellschafters der Mutterfirma Könitz Porzellan GmbH, Turpin Rosenthal. Dieses Unternehmen hatte wie die Firmen-Tochter Insolvenz angemeldet.

Im Rahmen des Verfahrens hatte Rolf Rombach nach eigenen Angaben die Traditions-Porzellanformen gesichert, von denen die Serie „Katharina“ vor allem von Kunden im osteuropäischen beziehungsweise russischen Raum bis zuletzt sehr geschätzt wurde. Rückblickend, so der Insolvenzverwalter, hätte Weimar-Porzellan bessere Überlebenschancen gehabt, wenn sich das Unternehmen schon vor längerer Zeit auf die „Katharina“ konzentriert hätte, dessen bekanntestes Dekor die „Rose von Weimar“ gewesen ist. Rombach hatte zuletzt dafür gesorgt, dass die unüberschaubar gewordene Produktpalette schnell drastisch reduziert wurde, um Kosten einzusparen.

Erhalten bleiben solle neben den traditionellen Formen auch das sogenannte Antiquitäten-Zimmer mit altem Porzellan, kündigte Rolf Rombach an. Um dafür einen angemessenen Platz zu finden, habe er auch Gespräche mit der Stadt Blankenhain geführt. Er könne sich eine Präsentation im Schloss aber auch in der Ausstellung Porzellanwelten auf der Leuchtenburg bei Kahla vorstellen

„Dass so ein Traditionsbetrieb einfach dem Auslauf preisgegeben wird, das tut weh“, sagte Rolf Rombach ausweichend auf die Frage, ob sich der Mutterbetrieb aus seiner Sicht genügend für den Erhalt von Weimar-Porzellan eingesetzt habe.

Einzig geöffnet ist derzeit noch bis Jahresende der Popup-Store in der Erfurter Schlösserstraße. Am Firmensitz in Blankenhain selbst beginnt am Donnerstag der kommenden Woche, dem 3. Januar, der Ausverkauf der restlichen Ware im Werksverkauf. Geplant ist dies bis Ende Februar.

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