Wie der MDR für einen Eklat sorgte

Alles soll wieder gut sein beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), nach den Skandalen der Vergangenheit. Und tatsächlich war die Stimmung bestens, als sich kürzlich der Rundfunkrat zur Klausur in Merseburg versammelte.

Der Blick ins Stadion kostet Millionen. Foto: Imago

Der Blick ins Stadion kostet Millionen. Foto: Imago

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Erfurt. Doch dies änderte sich, als der Sportkoordinator der ARD vor dem Kontrollgremium auftrat. Er erläuterte, wie hoch der Anteil des MDR an den 550 Millionen Euro ist, den das Erste für die Übertragung der Fußball-Bundesliga zahlt.

In der Summe sind dies 64 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre - vor allem bezahlt mit den monatlichen 17,98 Euro, die jeder Haushalt mit Fernseher zu überweisen hat. Hinzu kommen 10 Millionen Euro für die Fußball-WM 2018.

Viel Geld. Zu viel? Als der Rundfunkrat zur Abstimmung schreiten wollte, stoppte er plötzlich. Zwei Thüringer Ratsmitglieder hatten die Sitzung verlassen. Die Beschlussfähigkeit war nicht mehr gegeben.

Einer der Flüchtigen, Winfried Weinrich, will jedoch seine Abwesenheit "nicht als Junktim" interpretiert haben. Es sei ihm, sagt er, ein anderer Termin dazwischen gekommen. Auch das andere fehlende Ratsmitglied wehrt sich gegen Spekulationen, er habe sich aus Protest entfernt. Als "überzeugter Sportfan" wolle er zustimmen, auch wenn man die Kosten "im Blick behalten" sollte, sagte Walter Botschatzki.

So oder so - in der ARD gilt der Vorgang dennoch als Eklat. Am 18. Juli muss schließlich eine Sondersitzung des Rundfunkrates stattfinden. Auch gibt es eine Vorgeschichte: Schon im Mai, als es um die Rechte für die nächste Fußball-EM ging, hatte der Rundfunkrat "eine neue Programmstrategie" bei Sportrechten gefordert. Man sehe, so damals Ratsvorsitzender Saage, mit Sorge auf "die sich drehende Preisspirale".

Dieser Satz gelte, bestätigte er gestern unserer Zeitung. Es müsse darum gehen, dass ein höherer Anteil der TV-Einnahmen in den Breitensport fließe. Die Zahl der Kritiker steige. Trotzdem gehe er davon aus, dass der Rundfunkrat nächste Woche dafür stimmen werde.

So sieht es auch der Thüringer Regierungssprecher, Peter Zimmermann, der ebenfalls im Rat sitzt. So sehr auch die Bedenken berechtigt seien – am Ende, sagt er, müsse Mitteldeutschland "aus standortpolitischen Erwägungen zustimmen".

Die Zeit drängt: Ende Juli, so heißt es, müssen alle Sender den Verträgen zugestimmt haben. Der versprochene Rückruf des ARD-Sportkoordinators, der dies bestätigen sollte, blieb leider aus.