Thüringer Aufbaubank arbeitet in Corona-Krise am Limit

Erfurt.  Fast die Hälfte der rund 400-köpfigen Belegschaft ist derzeit ausschließlich damit befasst, Anträge auf Corona-Soforthilfe zu bearbeiten oder an der Hotline Auskunft zu erteilen.

Das Foto zeigt einen Bewilligungsbescheid der Corona-Soforthilfe.

Das Foto zeigt einen Bewilligungsbescheid der Corona-Soforthilfe.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Zu denen, die in der Corona-Krise am Limit arbeiten, gehören die Beschäftigten der Thüringer Aufbaubank (TAB): Fast die Hälfte der rund 400-köpfigen Belegschaft ist derzeit ausschließlich damit befasst, Anträge auf Corona-Soforthilfe zu bearbeiten oder an der Hotline Auskunft zu erteilen. Selbst am Karfreitag und -samstag waren 120 Mitarbeiter an Bord, „damit die Antragsteller schnell ihr Geld kriegen“, sagt Sprecherin Maret Montavon. Dabei sei der Feiertagsdienst freiwillig gewesen, keine Pflicht. „Doch uns alle eint der Wunsch, die Anträge so schnell wie möglich abzuarbeiten.“ Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Etwa jeder zweite der bislang rund 33.000 Anträge sei bereits bearbeitet worden. „Pro Tag schaffen wir im Schnitt 2500“, sagt die Sprecherin. Ziel sei es, in spätestens einer Woche alle handschriftlichen Anträge erfasst zu haben. Inzwischen seien handschriftliche Anträge zwar nicht mehr möglich, nachdem vor zwei Wochen auf ein Online-Formular umgestellt wurde. Doch da seit dem 9. April auch Soforthilfen für Landwirte, Gärtner und Fischer und seit dem gestrigen Mittwoch für gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen gewährt werden, erreichen die TAB täglich neue Anträge.

Die Erfassung der handschriftlich eingereichten Anträge, die etwa die Hälfte des Gesamtaufkommens ausmachen, bezeichnet Maret Montavon als „Nadelöhr“: Viele Anträge seien schwer zu entziffern oder unvollständig, so dass es telefonischer Nachfragen bedarf. Ein Problem seien aber auch Mehrfachanträge vieler Unternehmer: „Dahinter darf aber man nicht gleich Betrug wittern“, sagt die TAB-Sprecherin. Vielmehr hätten viele aus reiner Existenznot bei mehreren Anlaufstellen ihr Glück nach dem Motto versucht: Mal sehen, wo der Antrag zuerst bearbeitet wird.

Ein anderes Problem sei, dass die TAB wie alle Banken in Thüringen nicht zur kritischen Infrastruktur zähle. Dadurch hätten die Mitarbeiter auch keinen Anspruch auf eine Notbetreuung ihrer Kinder: „Wir haben 123 Fälle, in denen Beschäftigte eine solche Betreuung bräuchten.“ Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) stehe zwar voll und ganz hinter diesem Ansinnen, zumal die TAB für vier Ministerien die Soforthilfe-Anträge bearbeite. Doch eine Entscheidung des Bildungsministeriums stehe noch aus. „Deshalb gehen wir manchmal auf der Augenbraue", sagt Maret Montavon. „Wir bewältigen den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Soforthilfe-Bescheiden.“ Dabei sei in Bundesländern wie Sachsen, Hessen oder Bayern der Finanzsektor ebenfalls als systemrelevant eingestuft worden, „weil die Unternehmer nicht weiterkommen, wenn auch die Bank, die die Finanzierung und Beratung macht, nicht vorankommt“.

An der eigens eingerichteten TAB-Hotline gehen pro Tag bis zu 1000 Anrufe ein. Maret Montavon ist froh, dass sich dafür viele Mitarbeiter gemeldet haben, die sonst in anderen Bereichen wie der Revision arbeiten. „Aber andere Dinge müssen jetzt zurückstehen“, sagt die Sprecherin. Schließlich erreichten die TAB auch noch Anträge zu den mehr als 50 Förderprogrammen, die ihr Portfolio abseits von Corona ausmachen.

Soforthilfen: Bislang kein Betrugsversuch bekannt – Tiefensee warnt vor Fahrlässigkeit

Unternehmer aus Apolda warten noch immer auf Corona-Soforthilfen