Zalando erneut massiv unter Kritik

Erfurt. Eine Reporterin aus dem Wallraff-Team arbeitete drei Monate unerkannt im Erfurter Auslieferungslager.

Die Geschäftsführer David Schröder und Rubin Ritter wehren sich gegen die Vorwürfe. Foto: Marco Kneise

Die Geschäftsführer David Schröder und Rubin Ritter wehren sich gegen die Vorwürfe. Foto: Marco Kneise

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Die Vorwürfe lauten: Bespitzelung, Gängelung und gleich reihenweise Verstöße ge-gen das Arbeitsrecht - und das in einem der erfolgreichsten Online-Vertriebsunternehmen.

Erneut gerät Zalando ins Zielfeuer harter Kritik.

Drei Monate lang hatte sich die Undercover-Reporterin Caro Lobig (21) für das RTL-Magazin "Extra" als Lagerarbeiterin bei Zalando am Standort Erfurt eingeschleust. Begleitet von ih-rem Mentor Günter Wallraff deckte die Reporterin aus ihrer Sicht erschreckende Missstände auf und kam selbst physisch an ihre Grenzen. "Wir standen ständig unter Kontrolle und Leistungsdruck", so Lobig.

Zudem führe die stressige Arbeit häufig zu Kreislaufzusammenbrüchen. Auch der Kreislauf der Reporterin sackte nach ihren Angaben nicht nur einmal zusammen. Statt einer medizinischen Versorgung, sei ihr eine Verzichtserklärung un-ter die Nase gehalten worden.

Mit ihrer Unterschrift hatte sie eingewilligt, dass sie auf die Versicherungspflicht des Arbeitgebers verzichtet. Ein Verstoß gegen die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, so Juristen.

Offiziell dementiert wurde von Zalando inzwischen, dass ein Mitarbeiter in einer Toilette von Zalando verstorben sei. Erwartungsgemäß kündigte man selbst juristische Schritte an.

Man habe zu keiner Zeit bei Zalando angefragt und im Kern nur "viele Gerüchte und Lügen aus vergangenen Monaten aufgewärmt", hieß es.

"Aus unserer Sicht entspricht diese Reportage in keiner Weise der Unternehmenskultur und der Mitarbeiterstimmung in der Logistik von Zalando. Ziel und Anspruch bei Zalando ist es, ein guter und verantwortungsvoller Arbeitgeber zu sein." Einmal im Jahr führe Zalando eine Umfrage durch, um die Zufriedenheit der Mitarbeiter sicherzustellen, erklärte Sprecher Boris Radke gegenüber unserer Zeitung. "Etwa 80 Prozent der Mitarbeiter sind stolz, bei Zalando zu arbeiten", so Radke.

Man sei ebenso stolz darauf. in Erfurt inzwischen 2000 Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Dass dabei hart gearbeitet wird und es es in Einzelfällen zu Problemen komme, sei normal. "Nach der Reportage sind wir von den eigenen Mitarbeitern aufgefordert worden, gegen diese Lügen juristisch vorzugehen", erklärte Radke.

Zalando müsse die erhobenen Vorwürfe schnell und umfassend aufklären, so Thüringens Wirtschaftsminister Uwe Höhn (SPD). Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müssten seitens des Unternehmens alle notwendigen Konsequenzen gezogen werden.Verstöße gegen Förderrecht seien derzeit nicht zu erkennen und nicht bekannt.

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