Zu sich selbst finden: Neues Waldresort entsteht bis März am Hainich

Weberstedt  Zu sich selbst finden am Rande des Hainichs: Jürgen Dawo will jenen Menschen einen Anlaufpunkt bieten, die merken, dass sie bald am Ende ihrer Kräfte sein werden. Er selbst hat einen Burnout hinter sich.

Das Waldresort Hainich entsteht am Rande von Weberstedt im Unstrut-Hainich-Kreis. Der erfolgreiche Geschäftsmann Jürgen Dawo, der seit der Zeit kurz nach der Wende in Thüringen lebt und arbeitet, setzt damit einen Plan um, der ihm nach seinem Burnout kam Foto:

Das Waldresort Hainich entsteht am Rande von Weberstedt im Unstrut-Hainich-Kreis. Der erfolgreiche Geschäftsmann Jürgen Dawo, der seit der Zeit kurz nach der Wende in Thüringen lebt und arbeitet, setzt damit einen Plan um, der ihm nach seinem Burnout kam Foto:

Foto: zgt

Früher war dort die NVA stationiert. Jetzt entsteht am Rande von Weberstedt im Unstrut-Hainich-Kreis das Waldresort im Nationalpark. Wer ab März 2017 anreist, der sucht in der Anlage mit insgesamt 26 Gebäuden nicht nur Ruhe und Entspannung. Der sucht Lebenshilfe. Jürgen Dawo, bekannt als erfolgreicher Geschäftsmann der Firma "Town & Country" im nahegelegenen Behringen, will jenen Menschen einen Anlaufpunkt bieten, die merken, dass sie, wenn sie nichts ändern, bald am Ende ihrer Kräfte sein werden. Er selbst hat einen Burnout hinter sich. Erst hatte er Schlafstörungen, schließlich fand er wochenlang nicht mehr in den Schlaf. Vor­ausgegangen waren Jahrzehnte voller Arbeit – "immer auf der Überholspur", wie er sagt.

Ziel ist: Mit der Natur zu sich selber finden

1990 kam Dawo nach Thüringen, war schon zuvor seit 1982 in der Nähe von Stuttgart selbstständig gewesen. "Etwas bewegen" wollte er, baute gemeinsam mit seiner Frau "Town & Country" auf, machte das Herrenhaus in Hütscheroda (Wartburgkreis) zu einem Schmuckstück, kümmert sich um Denkmalprojekte in der Region ... Er ist vielseitig engagiert, sogar als Nationalparkführer unterwegs. Delegieren konnte er, aber die dauerhafte Anspannung wurde zu viel.

Rückblickend sagt er: "Entscheidend ist, sich verändern zu wollen." Als Kundschaft sieht er in seinem Resort etwa Führungskräfte, die neben der Ruhe auch "eine Werkzeugkoffer abholen, wie man zu sich findet, wie man sich wieder verwurzeln und wie man die Natur für sich arbeiten lassen kann." Das alles kostet. Im Netz wird ein Sieben-Tage-Programm zum Preis von fast 2000 Euro beworben. Es gibt aber auch Angebote für weniger Geld, so schon ab 690 Euro. Als schicke Reparaturwerkstatt für Hochleistungsträger des Turbokapitalismus, die wieder in die Spur gebracht werden sollen, will Dawo seine Einrichtung nicht verstanden wissen: "Ganz im Gegenteil: Körper, Geist und Seele sind unser Thema. Wichtig ist Balance. Wir sagen, dass die Arbeit deine ist, aber du nicht der Arbeit gehörst." Es werden Shinrin-Yoku (Waldbaden) und die Dr.-Becker-Methode als Burnout-Prophylaxe angeboten. Bei Matthias Becker war Dawo selbst in Behandlung.

Noch ist das Waldresort eine große Baustelle. Doch der Eröffnungstermin Anfang März steht. Den Besuchern wird vollwertige Kost aus der Region geboten. Sieben Festangestellte wird es geben. Die Reinigung übernehmen Mitarbeiter einer Tochtergesellschaft der Diakonie in Mühlhausen, sagt Dawo. "Das ist doch eine tolle Sache, wenn wir hier anständige Arbeitsplätze schaffen können für Benachteiligte", hebt er hervor.

An diesem Ort soll alles stimmen. Im Waldresort geht es um Fortbildung in eigener Sache: Das Angebot lautet, "in der Natur, mit der Natur zu sich selber finden, um so das Ausbrennen zu verhindern." Wer ins Wald­resort kommt, macht den ersten Schritt. Von der Natur lasse sich lernen, "dass man evolutionär nichts macht, wenn man Veränderungsprozesse nicht begrüßt und sie managt". Wer sich nicht bewege, bleibe auf der Strecke. "Man kann von den Bäumen lernen, dass Wachstum wichtig ist, aber dass es dafür Wurzelwerk braucht, dass sich die Baumkrone ausdehnen und dass es genügend Nährstoffe geben muss. Nur wenn der Baumstamm langsam wächst, knickt ihn der nächste Sturm nicht um. Schon am Tag der Anreise werde es um den Sinn gehen. "Wer dauernd im Hamsterrad ist, denkt nicht mehr über sich nach", gibt Dawo zu bedenken. In seinem Familienunternehmen "Town & Country" sorge er dafür, dass Mitarbeiter nicht gegen ihre Natur leben und arbeiten. "Wir sind sehr nachhaltig unterwegs." Das Prinzip des Geschehenlassens spiele dabei eine wichtige Rolle – und zudem Konzentration statt Verzettelung.

Dawo selbst hat schon das nächste Projekt im Blick: eine altengerechte Wohnanlage in Altengottern (Unstrut-Hainich-Kreis). Und er denkt weit darüber hinaus "an eine Zielgruppe, die wir bei ‚Town & Country‘ bisher nicht bedacht hatten: Wir wollen in jedem Dorf ab 1000 Einwohnern, in dem es im Umkreis von 15 Kilometern kein Pflegeheim gibt, sechs bis zwölf Häuschen ansiedeln, damit die Alten nicht mehr wegziehen müssen." 45 beziehungsweise 60 Quadratmeter groß sollen diese Häuser sein, weil das dem Raumbedarf entspreche, der Rentnern belassen wird, die auf staatliche Stütze angewiesen sind.

Wer in solchen Häusern auf dem Lande wohne, der soll, falls nötig, bis hin zur 24-Stunden-Pflege alles Notwendige erhalten. Einige Kooperationspartner gebe es bereits. Als Käufer sieht Dawo alte Menschen, die ihre bisherige Immobilie an die Kinder weitergeben oder verkaufen, aber auch die Kinder, die ihren Eltern so das Wohnen am Ort ermöglichen.

Schließlich könne der Erwerb solcher Häuser auch für Anleger interessant sein, die sich von älteren Mietern Rendite versprechen. Es sei davon auszugehen, dass das Interesse an solchen Häusern in den nächsten Jahrzehnten deutlich wachse.

Glückshäuser für den letzten Lebensabschnitt

Einen Ausgangspunkt für dieses Vorhaben gibt es bereits: die sogenannten Glückswelt-Häuser im Wildkatzendorf Hütscheroda. "Wir haben damals schon gesagt, es fehlt in den Dörfern an Immobilien, in denen die alten Menschen am Ort bleiben können."

Dass Dawo sich wieder zu viel zumutet, fürchtet er nicht. Über Jahre habe sich sein Burnout entwickelt. "Hätte mir vorher jemand die Chance gegeben, so eine Entspannung zu bekommen, wie es im Waldresort der Fall sein wird, wäre es gar nicht so weit gekommen", ist er sich sicher.

Weitere Infos gibt es unter www.waldresort-hainich.de und www.juergen-dawo.de

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