Zukunft vom Sprungschanzenhaus in Frauenwald bleibt ungewiss

Frauenwald (Ilmkreis). Gemeinde Frauenwald versucht seit zehn Jahren, das frühere NVA-Erholungsheim zu kaufen, um es abreißen zu können.

Das ehemalige Erholungsheim der NVA ist in Frauenwald nicht zu übersehen. Foto: Ralf Ehrlich

Das ehemalige Erholungsheim der NVA ist in Frauenwald nicht zu übersehen. Foto: Ralf Ehrlich

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Früher urlaubte hier die Offiziersriege der DDR und der sozialistischen und kommunistischen Bruderstaaten. Kampfjet-Piloten erholten sich von ihren Einsätzen. Offiziere und Unteroffiziere aus Kuba, Ungarn und Bulgarien fuhren Ski oder schwammen Bahnen im hauseigenen Pool. Für 65 DDR-Mark die Nacht.

Das NVA-Erholungsheim in Frauenwald, im Volksmund Sprungschanzenhaus genannt, steht seit Mitte der 70er-Jahre auf dem Sonnenberg. Heute ist es ein gefährlicher Abenteuerspielplatz. Für die Gemeinde, die es kaufen möchte, um es abreißen zu können, für Paintballspieler und Schnitzeljäger. Das Abenteuer: Keiner weiß, wem das Gebäude gehört.

Pläne für Jugendhotel waren ein Luftschloss

Inzwischen ist der Betonklotz, der früher Platz für über 400 Betten bot, eine Ruine. Mit dem Ende der DDR kam auch das Ende für das zweitgrößte NVA-Erholungsheim der DDR. Erst sollte das Hotel bestehen bleiben, sogar Flyer für ein "Jugendhotel in Frauenwald" gab es. Dort wurde mit hauseigener Kegelbahn, Sportzentrum und Sauna geworben. Zur Eröffnung kam es aber nie.

Stattdessen wurde das Gebäude weiterverkauft, an eine Firma aus Heiligenstadt, die das Haus einige Jahre lang als Asylantenheim betrieb.

Als auch dieses schloss, verfiel das ehemalige Erholungsheim vollends. Heizungen platzten, das Parkett brach auseinander. Das Gebäude gehörte nun einer Gesellschaft aus Mitteldeutschland, die im Umkreis weitere Objekte kaufte, darunter auch die "Schöne Aussicht" in Schmiedefeld am Rennsteig.

Alles Verwertbare wurde herausgerissen

"Das war eine Schleuderfirma", erinnert sich Klaus-Dieter Völker aus Schmiedefeld. Der Ortschronist hat die Geschichte der "Schönen Aussicht" in Schmiedefeld über die Jahre mitverfolgt. "Die Chefin und der Chef der Firma sprachen noch im Jargon der alten DDR."

Das Unternehmen ging bald insolvent, alles, was noch verwertbar war, wurde aus dem NVA-Erholungsheim und der "Schönen Aussicht" rausgerissen. Jedes Stück Kupfer, alles an Metall, was irgendwie zu bekommen war. Das meiste war ohnehin bereits geklaut.

Die Gemeinde Frauenwald hatte das Sprungschanzenhaus, das in seiner Bauweise dem Panorama-Hotel in Oberhof nachempfunden war, nie gemocht. Der Klotz passte einfach nicht in die Landschaft.

Jetzt, wo es zunehmend verfiel, wollten die Bürger den Schandfleck umso mehr loswerden. Das Problem war jedoch: Der Besitzer war insolvent, das Gebäude und das Grundstück waren aber auf mysteriöse Art und Weise nicht auf der Liste der Besitztümer der Firma aufgeführt. Also kam es nie auf den Tisch des Liquidators, der die Ländereien der Firma veräußerte. Das Gebäude blieb stehen, ist seitdem herrenlos.

Heute ist das Gebäude ein abenteuerliches Relikt aus der DDR-Zeit. Der Zutritt ist verboten, das stört allerdings Abenteurer, Jugendliche und Paintballspieler wenig. Die Wände starren vor bunten Farbflecken, die von verirrten Geschossen aus Paintballwaffen stammen. Neben den Kriegsspielern treibt sich auch die neueste Generation der Schnitzeljäger auf dem Gelände herum.

Im Internet findet sich mehr als ein halbes Dutzend Blogs, in denen sogenannte Geocacher ihre Erlebnisse im ehemaligen NVA-Heim schildern und Fotos davon zeigen, was daraus geworden ist; eine Ruine, ein Stillleben. Ein kaputtes Sofa vor einer beschmierten Wand, zerschlagene Möbel, der ehemals schicke Pool mit den herausgebrochenen Kacheln.

Polizeieinsätze auf dem Gelände der Ruine

Die Ruine ist aber nicht nur ein optischer Makel. Auch Jugendliche suchen den Ort immer wieder auf, um Bier zu trinken und auch Menschen, die auf der Suche nach verwertbaren Materialen sind, ignorieren immer wieder das "Zutritt verboten"-Schild am Bauzaun am Eingang. In den letzten vier Jahren kam die Polizei zu sieben Einsätzen. Immer wieder hatten Anwohner die Beamten gerufen.

In den Jahren gab es drei Anzeigen wegen Sachbeschädigung und zwei wegen Diebstahls. Anfang Juli hatte sich ein Jugendlicher auf dem Gelände verletzt. Der Junge war gestürzt und musste mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden.

Normalerweise wäre der Eigentümer in diesem Fall haftbar zu machen. Das Gebäude ist marode, Fußböden und Decken sind einsturzgefährdet. Nur gibt es keinen Eigentümer mehr, oder zumindest niemanden, der das sein möchte.

Seit Jahren versucht die Gemeinde Frauenwald das Gebäude zu kaufen, um es endlich abreißen zu können. Nach jetzigem Stand dürfen sie allerdings nicht einmal auf das Gelände, um sich ein Bild zu machen.

Bei einer Anfrage unserer Zeitung zum aktuellen Stand beim Bürgermeister von Frauenwald, Frank Amm (pl), wollte dieser sich zum Objekt nicht direkt äußern. Er ließ aber durchblicken, dass er Hoffnung habe, dass sich im nächsten Jahr doch noch etwas tut.

Firma steht weiterhin als Besitzer im Grundbuch

"Die Geschichte ist für uns ein rotes Tuch. Wir versuchen seit fast einem Jahrzehnt, diesen Klotz zu kaufen. Wir sind enttäuscht, welche Steine uns von oben in den Weg gelegt werden."

Um welche Steine es sich handelt, wollte Amm nicht konkretisieren. Er bestätigte aber, dass die betreffende Firma nach wie vor im Grundbuch als Eigentümer eingetragen sei. Die Zukunft des alten NVA-Heims bleibt vorerst ungewiss.

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