Wohlfahrtsverbände fordern: Thüringen soll Teil des Pflegebonus tragen

Jena.  Sozialmanager sehen ihre Altenpflegeheime mit dem Eigenanteil an den versprochenen 1500 Euro wirtschaftlich überfordert und fordern das Land um Hilfe.

In vielen Seniorenheimen gelten derzeit Besuchverbote.

In vielen Seniorenheimen gelten derzeit Besuchverbote.

Foto: Peter Riecke

Thüringer Sozialmanager schlagen Alarm wegen des von der Politik versprochenen steuerfreien Bonus von 1500 Euro für Pflegekräfte. Sie sehen Schwierigkeiten, den Eigenanteil von 500 Euro zu finanzieren, ohne diese Summe auf die Pflegebedürftigen umzulegen. Sie fordern: Das Land soll helfen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

„Grundsätzlich ist dieser Bonus für alle im Pflegebereich Beschäftigten eine gute Sache“, sagt Vorstandsvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Mitte-West-Thüringen, Frank Albrecht. Jedoch sei die wichtige Frage, wer diesen Bonus finanziert, nur ungenügend bedacht worden. Zwei Drittel sollen die Pflegekassen tragen, den Rest die Träger oder Länder: „Der Vorschlag des Bundeskabinetts kann so von sehr vielen Trägern von Pflegeeinrichtungen nicht finanziert werden.“

DRK-Landesvorstandschef: Bundespolitik vorgeprescht, will aber nicht aufkommen

Die gleiche Auffassung vertritt der Landesvorstandschef des Deutschen Rotes Kreuzes, Peter Schreiber. „Unsere Planungen in den Pflegeheimen sind nicht darauf ausgelegt, Überschüsse zu erwirtschaften.

Die Träger müssten den Bonus über die Entgelte refinanzieren.“ Die Bundespolitik sei vorgeprescht mit der Aussicht auf die Zahlung, versuche nun aber, möglichst nicht dafür aufzukommen. Auch sei zunächst von allen Pflegekräften die Rede gewesen, aktuell aber nur noch ein Bonus für jene in stationären Einrichtungen vorgesehen. „Das ist nicht nachvollziehbar“, sagt Schreiber. Das Finanzierungskonzept müsse überarbeitet werden oder das Land die 500 Euro tragen.

Einnahmen bei Trägern weggebrochen

Durch die Corona-Pandemie breche bei sehr vielen Trägern der Altenpflege ein erheblicher Teil der Einnahmen weg, etwa durch Aufnahmeverbote für stationäre Einrichtungen oder die Schließung von Tagespflegeangeboten. Hinzu kämen Mehrkosten für Schutzausrüstung. Die Finanzierung der Prämie dürfe nicht den Eigenanteil der Pflegebedürftigen erhöhen, sagt Albrecht. Zugleich sei die Auszahlung eine wichtige Motivation für Pflegekräfte, zumal mit keinem schnellen Ende der Krise zu rechnen sei.

Zudem mahnen sowohl Albrecht als auch Schreiber an, endlich klar über die Zukunft der Pflege zu sprechen. Allein Symbolpolitik helfe nicht.

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