Vor 30 Jahren erkämpften die TA-Redakteure ihre Unabhängigkeit

Am 15. Januar 1990 wurde die erste Ausgabe der Thüringer Allgemeine produziert. Redakteure setzten die SED-PDS vor die Tür.

Die Thüringer Allgemeine fand reißenden Absatz.

Die Thüringer Allgemeine fand reißenden Absatz.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Vollversammlung der Redakteure und Verlagsmitarbeiter beschloss Unabhängigkeit. – Die Zeitung erscheint als
Thüringer Allgemeine.“ Mit diesen Schlagzeilen informierte die Redaktion unserer Zeitung vor 25 Jahren ihre Leser über den Gang in die Unabhängigkeit. Die Thüringer Allgemeine war damit die erste Tageszeitung in Ostdeutschland, die sich in den Tagen der friedlichen Revolution aus der ideologischen Umklammerung durch die SED bzw. PDS löste. Entstanden war die Thüringer Allgemeine vor 25 Jahren aus der SED-Bezirkszeitung „Das Volk“. Deren Redakteure brachen im Herbst 1989 mit ihrer Rolle als Agitatoren und Propagandisten der Einheitspartei.

Hier die erste Titelseite der TA vom 16. Januar 1990 herunterladen

Die Erfurter Zeitung war die erste im Osten, die ein Interview mit einem Vertreter des zunächst verbotenen Neuen Forums veröffentlichte. Von Mitte November an erschien Das Volk mit dem Abendprogramm von
ARD und ZDF. Begleitet war der Kampf um mehr journalistische Freiheiten von wochenlangen heftigen
Auseinandersetzungen sowie harschen Drohungen durch den Herausgeber, die SED bzw. PDS. Der Staatspartei gehörten in der DDR 16 der größten Zeitungsverlage sowie 26 Druckereien. Die Redaktionen hingen nicht nur ideologisch und finanziell am Tropf der Partei. Diese teilte auch das Druckpapier zu. Unverhohlen wurde mit dem Entzug der Kontingente gedroht.

Redaktion trotzte den Drohungen der SED-PDS

Nach einer turbulenten Woche, in der die alte Chefredaktion entmachtet worden war, setzten die Redakteure am 13.
Januar 1990, einem Samstag, in einer Urabstimmung die SEDPDS als Herausgeber vor die Tür. Unterstützung erhielt die Redaktion von Verlagsmitarbeitern und Druckern. In einer Erklärung hieß es, der Schritt in die Unabhängigkeit sei unumgänglich, um der Verantwortung für die Zeitung und für die Interessen der Leser gerecht werden zu können.
Die erste unabhängig produzierte Zeitung erschien am 15. Januar 1990. Der alte Name „Das Volk“ war mit dem neuen Titel „Thüringer Allgemeine“ überdruckt worden. Viele Freiwillige unterstützten die unabhängige Zeitung beim Straßenverkauf. Der Schweizer Journalist Roy Spring, der die Ereignisse miterlebte, schrieb darüber: „Es war ein kleiner Schritt für
einen Journalisten, aber ein großer für den Journalismus.“

Seitdem fühlt sich die Zeitung dem seinerzeit an die Leser gegebenen Versprechen verpflichtet, objektiv, sachkundig, wahrheitsgetreu und lesernah zu informieren und so zur pluralistischen Meinungsbildung beizutragen. Früh warb die Thüringer Allgemeine für die Wiedererstehung des Landes Thüringen. Zudem war sie die erste Zeitung überhaupt, die 1990 mit der Aufarbeitung der bis dahin streng tabuisierten sowjetischen Nachkriegslager begann. Eine der aktuellen Herausforderungen sind neue Lesegewohnheiten nicht zuletzt durch Digitalisierung und Internet. Fakten, Erklärungen und
Hintergründe sollen die Leser auf vielen Kanälen und Wegen erreichen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren