Wie die „Thüringer Allgemeine“ zu ihrem Namen kam

Der neue Name steht 1990 für den radikalen und glaubwürdigen Neuanfang.

Im Vergleich: Die Thüringer Allgemeine und Das Volk.

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Als diese Zeitung am Montag, dem 15. Januar 1990, erstmals mit dem Signet der unabhängigen „Thüringer Allgemeine“ im Titel erschien, war dies zugleich das Ende von DAS VOLK. Nicht jedem erschien dieser Namenswechsel plausibel. Immerhin war es das Volk, das sich gerade seiner Kraft besonnen und die Wende nach 40 Jahren DDR erzwungen hatte. Konnte es einen treffenderen Titel geben? Andere unterstellten, die Redaktion habe sich hinter einem neuen Namen verstecken und so aus der Verantwortung für die Vergangenheit stehlen wollen.

Hier die erste Titelseite der TA vom 16. Januar 1990 herunterladen

Tatsächlich war der Schritt den Redakteuren nicht leicht gefallen. Noch war nicht abzusehen, dass es später geradezu eine Welle von Umbenennungen geben würde. Letztlich aber war klar: Nur so war der Neubeginn wirklich radikal und glaubwürdig zu vollziehen. Nach über 40 Jahren, in denen DAS VOLK dieses nie wirklich repräsentiert hatte, konnte man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

Andere Namensvarianten schieden aus

Warum aber ausgerechnet „Thüringer Allgemeine“, wollten Leser wissen. „Wie hätte das Blatt sonst heißen sollen“, so die Gegenfrage der Redaktion, veröffentlicht am 17. Januar 1990. Ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit schloss jedwede Anlehnung an parteijournalistisches Erbe aus.

Traditionsreiche Namen wie etwa der des 1873 als erste Arbeiterzeitung Thüringens in Weimar erschienenen „Thüringer Volksboten“, der ebenso der SPD nahe stand wie die „Tribüne“ oder das (Gothaer) „Volksblatt“, kamen also nicht in Frage. Ebenso schieden Bezeichnungen wie „Neue Zeitung“ oder „Neue Thüringer Zeitung“ aus, die in den 20er-Jahren von der kommunistischen KPD herausgegeben worden waren.

Ebenfalls keine Chance hatten in Thüringen durchaus gebräuchliche Titel wie „Tageszeitung“ (Suhl), „Waldbote“ (Steinach, Ohrdruf) oder „Tagespost“ (Eisenach), die alle mehr oder weniger lokal beschränkt erschienen. Die neue Unabhängige nämlich sollte - bei aller Erneuerung - größte Tageszeitung Thüringens, eben die Nr. 1 sein und bleiben.

In der Tradition namhafter "Allgemeiner Zeitungen"

Gegen den Titel „Thüringer Allgemeine“ gaben zu Rate gezogene Zeitungswissenschaftler zu bedenken, dass in Erfurt seit 1849 schon einmal eine Zeitung erschienen war, die sich nach 1919 und bis in die 40erJahre hinein THÜRINGER ALLGEMEINE ZEITUNG nannte.

Unbeirrt hielt die Redaktion dennoch an ihrer Entscheidung für THÜRINGER ALLGEMEINE fest. Es war ein neuer, so in Thüringen noch nicht da gewesener, zugleich aber eingängiger Name. „Ganz bewusst“, so die Redaktion in einer Begründung gegenüber ihren Lesern, „stellen wir uns damit aber auch einer Art der Berichterstattung, wie sie namhafte ,Allgemeine Zeitungen’ im besten Sinne repräsentieren.“

Als Teil der Mediengruppe Thüringen innerhalb der Funke Mediengruppe ist die „Thüringer Allgemeine“ heute fester Bestandteil der deutschen Zeitungslandschaft. Ihre Beiträge und Kommentare werden landesweit von Sendestationen und Zeitungen zitiert, ihre Mitarbeiter sind gefragte Gesprächspartner oder Moderatoren bei Tagungen und Foren.

Mit jeder Ausgabe steht die Redaktion zu ihrem vor dreißig Jahren gegebenen Wort, nämlich „vollständig, wahr, objektiv und sachlich über wichtige Ereignisse unseres Thüringer Alltages und darüber hinaus des Weltgeschehns zu berichten“ - egal, ob auf Papier, dem Bildschirm, dem Smartphone oder auch als Podcast auf die Ohren.

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