#langenichtgehört

Anti-Kriegssong als Klickgarant

Lieder über den Krieg und über Kindheitserinnerungen. Christian Werner über das Album „No need to argue“ von The Cranberries.

Alben zum Wiederhören

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Foto: Christian Werner

Die Familie von Cranberries-Sängerin Dolores O‘Riordan hat die Gruppe vielleicht vor einem Dasein als One-Hit-Wonder bewahrt. „Ode to my Family“ heißt die zweite Single aus dem zweiten Album „No need to argue“. Das Lied über Kindheitserinnerungen der Musikerin beschert der irischen Band Mitte der Neunziger-Jahre eine weitere Chartplatzierung.

Die erste Single des Albums, „Zombie“, war ein Überhit, zu dem 1994 nicht nur Headbanger die Haare schüttelten. Klar, es gab schon „Linger“ vom ersten Album. Das war aber ein Achtungserfolg im Angesicht der Dauerpräsenz von „Zombie“. Wie beliebt der Song immer noch ist, zeigt die aktuelle Coverversion von Miley Cyrus mit 6,5 Millionen Aufrufen bei Youtube. Das Original kommt auf über eine Milliarde Klicks.

Song mit einem politischen Thema

„Zombie“ ist ein Ausnahmesong – nicht nur, was seine Reichweite betrifft. Er machte die Cranberries mit einem Schlag zur politischen Band. In dem Lied geht es um den nordirischen Konflikt mit direktem Bezug zum Osteraufstand von 1916 in Dublin, als die Iren die Unabhängigkeit von den Briten erreichen wollten. Auch die in den Neunzigern aktuellen Krisenherde Bosnien und Ruanda klingen an. Damit wandeln die Cranberries auf den Spuren einer anderen irischen Band: U2.

Auch stilistisch geht die Gruppe mit dem Stück neue Wege. Das harte Gitarrenriff ist bis zu dem Zeitpunkt eher kein Markenzeichen der vier Musiker aus Limerick. Der Rest von „No need to argue“ bleibt dem soften Gitarren-Rock mit Folkelementen treu. Einige Albumkäufer sind vor 26 Jahren überrascht, als sie sich auf die ungleich rockigere Kaufempfehlung in Heavy Rotation bei MTV verlassen.

Inzwischen, mehrere Alben später, weiß man: An ihrem Sound arbeiteten die Cranberries weiter, er wurde indes oft radiotauglicher (siehe „Animal Instinct“ oder „Just my Imagination“). Für die Indie-Disco taugte die Band höchstens am Anfang ihrer Karriere.

Das zeigt auch die Wiederveröffentlichung des remasterten Albums, erweitert (zwei CDs/LPs) um B-Seiten, 19 unveröffentlichte Songs mit Demo-und Live-Versionen. Die Klasse von O’Riordan als Sängerin zeigt exemplarisch „(They long to be) Close to you“, einem Cover der Carpenters – typisch für die Band: er ist zweistimmig eingesungen.

Die US-amerikanische Gruppe Bad Wolves wollte im Jahr 2018 „Zombie“ mit Dolores O’Riordan neu aufnehmen. Doch bevor die Musiker sich zu einer Aufnahmesession im Studio treffen konnten, starb die Sängerin mit 46 Jahren in London.

Reinhören!

Wir haben die Playlist zum Krisen-Modus. Hören Sie unsere Auswahl an Songs für die Heimarbeit, zur Kurzweil oder für andere Ablenkungen in Selbstquarantäne. Die Titel werden mit jeder neuen Folge unserer Kolumne erweitert. Und hier erfahren Sie, warum die Songs ausgewählt wurden.