Mühlhäuser Filmpalast zieht Bilanz nach Coronajahr

Mühlhausen  Kino-Chef Jürgen Deisting ist zuversichtlich, dass sich die Branche wieder erholt, sobald der Spielbetrieb wieder starten kann.

Jürgen Deisting ist der Leiter des Filmpalastes in Mühlhausen. (Archivfoto)

Jürgen Deisting ist der Leiter des Filmpalastes in Mühlhausen. (Archivfoto)

Foto: Doreen Hotzan

Zuerst im März und dann im November musste der Kinobetrieb 2020 für Monate wegen der Coronapandemie dicht machen. Während des vergangenen Jahres erlitt der Filmpalast Mühlhausen Einbußen von 200.000 Euro. Bisher habe die Kinogesellschaft, zu der das Mühlhäuser Kino gehört, 50.000 Euro Unterstützung vom Staat erhalten. Dieses Geld müsse unter neun Standorten in Sachsen und Thüringen aufgeteilt werden, sagt Jürgen Deisting, Theaterleiter des Filmpalastes Nordhausen und Mühlhausen.

Trotzdem sei jetzt „keine Zeit zu sterben“, wie es in dem gleichnamigen Bond-Blockbuster heißt, denn „das Kino erholt sich so, wie es sich nach jeder Krise erholt hat. Die Sehnsucht der Menschen nach bewegten Bildern auf großer Leinwand wird auch nach der Coronapandemie da sein“, ist sich Deisting sicher.

Kinofilme landen auf Plattformen von Streaminganbietern

Der Kinoauftakt zu Jahresbeginn sei vielversprechend gestartet. Nach der ersten Schließung im Frühjahr ging es dann nur schleppend bergauf, auch weil in dieser Zeit einige starke Filme fehlten, so Deisting. Im September lockte das Programm dafür wieder umso mehr mit Filmen, wie dem Zeitreise-Thriller „Tenet“ von Christopher Nolan oder dem romantischen Liebesdrama „After Truth“.

Im Oktober habe man so wieder 4000 Kinokarten verkaufen können, auch wenn neben dem neuen 007 weitere Hochkaräter, wie „Top Gun Maverick" oder das Musical "West Side Story", auf das nächste Jahr 2021 verschoben wurden. Andere Filme, die eigentlich auf der Leinwand Premiere feiern sollten, wanderten gleich auf die Plattformen verschiedener Streaminganbieter. Von dort aus können sie vom heimischen Sofa angesehen werden.

Als Konkurrenz sieht Deisting diese Dienste jedoch nicht. „Das ist wie Essen nach Hause bestellen. Kino ist wie Essen gehen. Das Filmerlebnis vor der Leinwand bewegt die Leute während der Vorstellung und danach viel länger, als ein weiterer Fernsehabend in Jogginghose auf dem Sofa.“ Die Bedeutung des Kinos als Ort, an dem man mit perfekt abgestimmtem Bild und Ton ohne Störungen für zwei Stunden in die Erzählungen einer anderen Welt abtauchen könne, werde zunehmen und immer ein kleiner Urlaub vom Alltag bleiben, so der Theaterleiter.

Mehrere zehntausend Euro ungedeckte Fixkosten

So lange der Spielbetrieb während der Pandemie stattfinden durfte, wurden Besucher durch Hygienekonzepte geschützt. Dass es nach dem zweiten Lockdown auch Einschränkungen geben werde, davon geht Deisting aus. „Für uns ist das vertretbar, solange das Impfprogramm nicht abgeschlossen ist.“ Momentan rechne er mit 20.000 Euro ungedeckten Fixkosten im Monat.

Es sei leider nicht möglich, während des Lockdowns alle Kosten herunterzufahren. Das Gebäude müsse weiter in Schuss gehalten werden, Technik veraltet und werde abgeschrieben und Verträge ließen sich nicht einfach pausieren. Das betreffe auch andere Branchen, die durch die Einschränkungen mit immensen Umsatzverlusten zu kämpfen haben. In diesem Jahr sei es deshalb umso wichtiger, vor allem regional zu unterstützen, wenn es den kleinen Jeansladen oder das Restaurant an der Ecke noch weiter geben soll.