Uniklinikum-Experte: Pandemie führt nicht zu Babyboom in Thüringen

Jena.  Der erste Lockdown hat nicht zum erwarteten Babyboom in Thüringen geführt. Wie der Jenaer Geburtsmediziner Ekkehard Schleußner sagte, wurden im Vergleich zu 2019 sogar weniger Kinder geboren.

Für den generellen Geburtenrückgang macht der Direktor der Klinik für Geburtsmedizin die Unsicherheiten in Pandemie-Zeiten verantwortlich.

Für den generellen Geburtenrückgang macht der Direktor der Klinik für Geburtsmedizin die Unsicherheiten in Pandemie-Zeiten verantwortlich.

Foto: Stefan Sauer/dpa (Symbolfoto)

Einen Anstieg der Geburtszahlen durch das Coronavirus und dem damit verbundenen Lockdown hält Professor Ekkehard Schleußner vom Uniklinikum Jena (UKJ) für unwahrscheinlich. "Unsichere Zeiten, wie es die Corona-Pandemie zweifelsohne ist, führen nicht zu mehr Geburten. Stattdessen schieben Paare ihren Kinderwunsch auf, soweit es möglich ist", sagte der Direktor der Klinik für Geburtsmedizin am UKJ laut Mitteilung von Mittwoch. Dies habe sich etwa in den 1990er Jahren gerade in den neuen Bundesländern gezeigt, wo zur Wendezeit die Geburtenzahlen deutlich, teils um mehr als die Hälfte, zurückgingen und erst langsam wieder anstiegen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Bislang seien seines Wissens nach auch keine erhöhten Geburtszahlen erfasst worden. "Es gab keinen Babyboom im Herbst", so Schleußner. Im Vergleich zum Jahr 2019 seien sogar insgesamt weniger Kinder geboren worden. "Allein in Thüringen sank die Anzahl der Geburten um fast sechs Prozent. Das sind im Jahr 2020 mit 14.950 Geburten fast 1000 Geburten weniger als im Jahr zuvor", so Schleußner mit Bezug auf eine Befragung von Thüringer Geburtskliniken und -stationen. Hausgeburten etwa sind dabei aber nicht berücksichtigt.

Viel sei darüber spekuliert worden, ob die Pandemie und die damit verbundenen Aufforderungen und Auflagen, zuhause zu bleiben, zu einem Anstieg bei den Geburten führen könnten. (1446 Geburten), hieß es. Doch der Zuwachs sei vor allem im Frühjahr zu verzeichnen gewesen. Das bedeute, dass die Kinder deutlich vor dem Lockdown gezeugt worden sind.

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