Kettembeils schrieben in Nordhausen Theatergeschichte

Ein Exponat im neuen Stadtmuseum "Flohburg" ist Kettembeils "Berliner Hof-Theater". Ein Heringer erbaute in der Nordhäuser Rautenstraße auf eigene Kosten im Jahre 1817 eine Bühnenstätte. Im Stadtmuseum erinnern zwei in Öl auf Leinwand gemalte Porträts eines Ehepaares an ein Stück Nordhäuser Theatergeschichte.

Im Stadtmuseum erinnern zwei in Öl auf Leinwand gemalte Porträts eines Ehepaares an ein Stück Nordhäuser Theatergeschichte. Foto: Dr. Peter Kuhlbrodt

Im Stadtmuseum erinnern zwei in Öl auf Leinwand gemalte Porträts eines Ehepaares an ein Stück Nordhäuser Theatergeschichte. Foto: Dr. Peter Kuhlbrodt

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Nordhausen. Das Bild des Christian Gotthard Kettembeil stellt einen bereits älteren Mann dar, der eine graue Perücke trägt und mit einem grünen Tuchrock mit goldener Tresse und Messingknöpfen bekleidet ist. Daneben seine Ehefrau Johanne Sophie Conradine, eine geborene Sickel (1778-1850) mit braunem Haar und weißer Haube, in einem roten Kleid mit rosa Halskrause. Christian Gotthard Kettembeil wurde 1773 in Heringen geboren. Sein Vater Heinrich Gotthard August (1735-1796) war in Heringen kurfürstlich sächsischer Advokat und Bürgermeister. 1781 legte er jedoch sein Amt als Bürgermeister nieder und zog nach Nordhausen, wo er 2. Sekretär im Collegium Seniorum wurde - ein Gremium, das aus allen sechs Bürgermeistern, den zwei regierenden und denen, die nicht "am Regimente" waren, bestand.

Der Vater starb am 7. Januar 1796. Nach dem Ende der Reichsfreiheit gehörten die beiden Söhne des verstorbenen Sekretärs zu den wichtigsten Nordhäuser Bürgern. Im Jahre 1804 wurde Gotthard als Kaufmann und als Königlicher Spezial-Stempelsteuer-Rendant genannt, während sein Bruder Ludwig Tribunalrichter war und die einzige Zeitung der Stadt und des Kreises, das "Nordhäusische Wöchentliche Nachrichtsblatt", herausgab. Der rastlos tätige Gotthard erbaute in der unteren Rautenstraße 312 auf eigene Kosten im Jahre 1817 ein Theater und vor dem Theater nach der Straße zu das Gasthaus "Berliner Hof", das er am 24. Juni 1818 eröffnete. Sein Theater wurde bald "Berliner Hof-Theater" genannt.

Am 16. August 1818 fand hier die erste Theateraufführung statt eines heute nicht mehr bekannten Stückes statt. Als Zweites wurde die Oper "Der Wasserträger" von Luigi Cherubini aufgeführt. Das neue Theater war ein Fachwerkbau, zu dem man von der Straße aus durch eine Toreinfahrt gelangte. Es besaß eine geräumige Bühne, ein halbkreisförmiges Parterre mit Seitenlogen, einen ersten und einen zweiten Rang und fasste 500 bis 600 Personen. Im Jahre 1843 verkaufte Kettembeil den "Berliner Hof" samt Theater an den Kaufmann August Schreiber. Das "Schreibersche Theater", wie es nun genannt wurde, musste 1881 für immer geschlossen werden, da es den Anforderungen des Brandschutzes nicht entsprach. Der "Berliner Hof" war damals auch Sitz der ältesten Nordhäuser Vereine, der "Casino-Gesellschaft" und der "Harmonie-Gesellschaft". 1826 kaufte Kettembeil von August Friedrich Blödau, einem Weinhändler und Besitzer des "Riesenhauses", einen Garten auf dem Petersberg. Er richtete dort ein Gesellschafts- und Kaffeehaus ein und nannte es "Bellevue". Hier betrieb er auch eine Blumenzucht, und es soll ihm gelungen sein, eine neue Kakteenart zu ziehen, die er Kaktus Kettembeilii nannte. Er betrieb ferner Bienen- und Seidenraupenzucht und schrieb Anleitungen dafür. In Aschersleben kaufte er 1839 eine Porzellanfabrik, und zwei Jahre später übernahm er die Brauhäuser des hiesigen Brauvereins vor dem Hagen und im Dom. 1846 wird er im Adressbuch als Betreiber einer Wattefabrik genannt. Am 4. Oktober 1850 ist Gotthard Kettembeil gestorben.

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