Roger Bonnard hat Freude an Farbe, Form und Linienkunst

Creuzburg. "La Coleur en Liberte" heißt die aktuelle Ausstellung des Kunstfördervereines Creuzburg:. Sie zeigt 40 Werke neuer Malerei und Grafik von Roger Bonnard in der Galerie des Museums in der Burg Creuzburg über dem Werratal.

Der Weimarer Maler und Grafiker Roger Bonnard vor einem Gemälde in seiner Heimatstadt.Foto: Thomas Müller

Der Weimarer Maler und Grafiker Roger Bonnard vor einem Gemälde in seiner Heimatstadt.Foto: Thomas Müller

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Der Titel schwingt hinüber zur Nationalität des Künstlers, der 1947 in Rouen geboren wurde, und zur französischen Kunst, mit welcher die Farbe in Freiheit in die Moderne einzog, Monet, Matisse oder der Namenspatron Pierre Bonnard, der die Farbe verherrlichte und die Form vereinfachte. Aber der in Weimar und Sainte-Maure lebende Bonnard zeigt in seinen Bildern, wie er den von ihm empfundenen Gegensatz von deutschem "Geist" und französischem "esprit" auslegt.

In die deutsche Wahlheimat führte den Dreher und Dolmetscher Bonnard die Liebe. Ab 1981 studierte er in Dresden bei Horst Schuster und Gerhard Kettner, bei dem er sein Diplom in Malerei und Grafik ablegte und der ihm abriet, deutsche Kunst machen zu wollen.

Als Franzose bewundert Roger Bonnard Farbe und Form, doch mit einbezogener Linienkunst führt er deutsch-französische Ausdrucksformen fruchtbar zusammen. "Zuerst ist die Fläche da, dann kommt die Linie", so sagt Bonnard und schwelgt in der Schönheit der roten, gelben, grünen und blauen Farben mit ihren wolkenhaften Formen und unendlichen Farbmodulationen.

Mit transparentem Acryl ließ Bonnard die durchleuchtenden Schichten aufs Papier fluten. Das aufgeklebte Seidenpapier wirft Fältchen auf und bringt die Struktur der Abstraktion zu einer Bildwelt von ungemeiner Dichte. Die schwarz gefassten, tiefblau spiegelnden Flächen im "Gewässer", 2008, deuten, wie die Seerosenbilder Monets, auf die frühere französische Paradieswelt hin, laden zur meditativen Versenkung ein.

In die weichen, auslaufenden Flächen, ob Leib oder Landschaft, lässt er zarte weiße oder dunkle Umrisslinien laufen, die Körperformen oder Gewächse oder Dinge andeuten.

Oft setzt Bonnard in die ungegenständlichen Farbfelder Zahlen. Das bringt über den Kontrast von Malfläche und Linie den Gegensatz von sinnlicher Leidenschaft zum Rationalen, denn die Zahl verkörpert mathematisches Bewusstsein.

Damit sind "Bauch- und Kopf-Maler" vereint, geben die Bilder einen Inbegriff der Ausgewogenheit im Menschen. Dennoch assoziieren die Zahlen weitere Empfindungen und Bedürfnisse, wird die höchste Form der Vernunft hintertrieben von magischem Denken. Im Bild "2 x 7. Himmel" wünscht sich der Maler den doppelten siebenten Himmel für Liebe und Kunst.

Leibansichten als Sinnbilder der Liebeslust

Zeigt der "Kuss" ein Liebespaar? In die Farbglut, die das Blatt erfasst, sind die Linien zweier seitlichen Kopfansichten angenähert, die Gleichheit der Münder, Nasen und geschlossenen Augen deutet auf eine Spiegelung und das Bestreben des sich selbst liebenden Narziss, sich zu küssen.

In zahlreichen kleinen, quadratischen Aquatintaradierungen aus dem Jahre 2002 feiert der Grafiker das erotische Thema. Ähnlich Auguste Rodin oder Gustav Klimt begeistert er sich in seinen realistischen Zeichnungen am weiblichen Akt. In der Malerei erscheinen ungenierte, doch farbverhangene Leibansichten in erotischen Bedeutungsperspektiven als Sinnbilder der Liebeslust.

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