„So ein Zirkus!“: Nordhäuser Kunsthaus zeigt die Faszination der Manege

Chagall, Picasso, Dix oder Heckel – viele Künstler haben den Zirkus zum Motiv gemacht. Eine neue Ausstellung im Kusthaus Norhausen erzählt davon.

Leiterin Susanne Hinsching zeigt eines von 165 Zirkuswerken im Kusthaus. Foto: Thomas Müller

Foto: zgt

Nordhausen. Manchmal kann es dumm kommen. Wenn der Elefant am Ende die Frau am Seil durch die Manege führt. Dann stimmt etwas nicht. Oder es ist Kunst im Spiel.

Mit der neuen Ausstellung „So ein Zirkus!“ ist dem Kunsthaus ein Coup gelungen. Nichts läuft derzeit so gut wie Schauen, die sich ganz einem Thema widmen. Zuletzt hatten die Mühlhäuser mit einer Exposition auf sich aufmerksam gemacht, die das Pferd in den Mittelpunkt stellte.

Susanne Hinsching reiste hingegen nach Dresden, durfte sich dort bei einem Sammler umschauen, der den Zirkus zur Leidenschaft erkor. Knapp 1000 Werke nennt Wolfgang Finkbein sein eigen. Künstler – von Chagall bis Picasso – liebten offenbar die Atmosphäre der Manege und brachten sie in vielfältigster Form auf Papier.

Inzwischen hängen aus dieser Sammlung 165 Exponate im Nordhäuser Kunsthaus, von sage und schreibe 86 verschiedenen Malern. Es dürfte die üppigste Schau sein, die bisher in der Rolandstadt zu sehen war.

Was, wenn die Show vorüber ist?

Und zugleich die bunteste, verschiedenartigste. „Ich muss zugeben, dass eine Ordnung im Haus diesmal besonders herausfordernd war“, lächelt Hinsching. Am Ende entschied sie sich dafür, die Räume thematisch zu ordnen. So ist auch hier ein Zimmer mit Pferden zu erforschen. Andere widmen sich den großen Raubtiernummern und den Akrobaten.

Ob in Bleistift oder bunten Ölfarben, alles ist vertreten. Und eine Schau über den Zirkus käme natürlich nicht aus ohne Clowns. Mal lachend, mal weinend. Otto Dix, Erich Heckel, Max Liebermann, Goya – über die Jahrhunderte entdeckten Künstler viele Seiten an dem Leben im Zelt. Die offensichtlichsten natürlich das Extrovertierte auf der Bühne und das Zurückziehen, wenn die Show am Abend vorüber ist.

Beeindruckend tiefsinnig stechen die Bilder heraus, die sich einmal nicht dem prallen Leben widmen, sondern dem einfachen Tun der Schausteller abseits der Manege. Weihnachten im kargen Wagen – wie sieht das eigentlich aus? Eine Antwort darauf gibt Heiner Wilhelm. 1948 entstand sein einfühlsames Bild. Dagegen platzen die Darstellungen eines Chagall förmlich aus dem Rahmen, farbenfroh wie sie sind.

Dank seiner Vita – Wolfgang Finkbein kam in Quedlinburg zur Welt, betrieb in Gotha ein Atelier und lebt heute in Dresden – finden sich unter den Werken auch viele, die nach 1945 in Ostdeutschland entstanden.

Einen Zyklus von Ernst Has-sebrauk in Kohlezeichnung (1905-1974) hat die Kunsthaus-Leiterin ausgesucht. Harald Metzkes griff nicht nur einmal auf das Zirkus-Motiv zurück.

Abstraktes und Realistisches vereint

Vor über 40 Jahren erwarb Finkbein sein erstes Bild aus der bunten Welt der Jonglage und Dressur. Seitdem hat ihn der Zirkus nicht mehr losgelassen. Wer die Schau im Kunsthaus sieht, weiß, warum. Die Faszination springt schnell über, aus vielen Werken sprühen Witz und Ironie. Dabei vereinen sich so ziemlich alle Kunst-Epochen, fließen Abstraktes und Realistisches zusammen. Von der Popart im Foyer bis zum Matisse im Kunst-Keller. Das Haus ist voll.

Leben wird es wieder am Samstag. Um 16 Uhr verwandelt sich die Villa tatsächlich in eine Manege. Dann werden Akrobaten des Nordhäuser Zirkus‘ Zappelini ihre Kunststücke zeigen. Sammler Finkbein hat sich selbst angesagt. Die Laudatio hält Prof. Roland Berger, Autor eines umfänglichen Buches über den Zirkus in der bildenden Kunst.

Die neue Schau öffnet Samstag um 16 Uhr und ist bis 12. November dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.