Walfried Posse zeigt in Tabarz Bilder und Objekte

Tabarz (Landkreis Gotha). Neue Ausstellung im Kulturzentrum Kukuna: Der Leipziger Walfried Posse zeigt Bilder und Objekte - nicht abstrakt, aber sehr oft mit einer hintergründigen, freilich leicht zu entschlüsselnden spitzbübisch-philosophischen Botschaft:

Walfried Posse zeigt seine Werke derzeit in Tabarz. Foto: Dieter Albrecht

Walfried Posse zeigt seine Werke derzeit in Tabarz. Foto: Dieter Albrecht

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Landschaften, Stillleben, "kunstunwürdige" Details und immer wieder, aufeinander bezogen, Objekt und Kalligraphie. Ja, Posse liebt die Sütterlin-Handschrift. Wie er die Zeichnung eines Leuchters mit ihr verwebt - das ist genial.

Eine Schuttröhre vor maroder Hauswand bringt Farbe und Struktur ins Bild; "Ein Häuschen im Grünen" zeigt ein Gastronomiezelt unter Bäumen; "Ein schöner Rücken" demonstriert, wie praktisch Kunst sein kann: Da hat doch jemand mit einem gerahmten Bild ein Kellerfenster abgedichtet.

An den spätimpressionistischen Pointillismus erinnert die "Sommerwiese". Und eine eigenartig unwirkliche, aber keineswegs bedrohliche Stimmung erzeugen die "Bäume an der Mauer von Rauer": Windgezaust stehen sie vor gespannten Telegrafendrähten, die Farben spielen von Braun bis in intensive, vielfach abgestufte Grüntöne, die letztlich dominieren.

Posses Malerei gibt augenzwinkernd Denkanstöße, ist aber nie provozierend-aggressiv. Da ist eher Liebe, Verständnis für Unvollkommenes, Altersweisheit...

In seiner Objektkunst beweist Posse verschmitzten Humor, und manchmal blitzt auch so etwas wie eine dadaistische Neigung auf. So etwa bei dem mit Sand gefüllten Blumentöpfchen und dem Hinweis "Nichts. Gesät am 15. 3. 99".

Die "Bürokratenschaukel" ist ein Wiegemesser, auf dessen Rücken sich allerlei Stempel um den besten Platz zu balgen scheinen. Wehe dem Bürger, der dieser "Schaukel" zu nahe kommt!

Häufiges, nicht erst von Posse gebrauchtes Motiv ist das Zifferblatt ohne Zeiger, zum Beispiel auf einer - Sanduhr! Manchmal nimmt Posse eine Redewendung in Eulenspiegel'scher Manier beim Wort, etwa "einen Stein im Brett haben". Was sieht man? Einen Stein, eingearbeitet in ein Brett, was sonst?

Tiefgründig, poetisch und sensibel

Selbst vor Objekten macht die Kalligraphie nicht halt: Ein Schuhspanner ist überzogen mit Schrift. Unter anderem lesen wir: "Nie wurde ich zur Fußnote der Geschichte." Wer denkt sogleich, wenn er zwei Holzhämmer erblickt, an Mann und Frau? Posse schon. Sein eckiger Zimmermanns- und sein runder Steinmetzhammer stellen, nebeneinander platziert, ein perfektes Handwerker-Ehepaar dar.

Und wer käme auf die Idee, Bilderrahmentorsi einzurahmen - quasi Rahmen im Rahmen im Rahmen ...? Posse! Im Zentrum eine gemalte Leiste, die gemalte Haken trägt - und einen echt eingeschlagenen Nagel. Welche eine Posse!

Wir begegnen weder sturer Materialbesessenheit noch abgehobener Geistigkeit, sondern einem in seiner Leichtigkeit unberechenbaren Wechselspiel zwischen beidem. Nicht zufällig sprach deshalb Laudator Kai Trautvetter, Weggefährte des Künstlers, von "lyrischem Realismus". Tiefgründig, poetisch, sensibel seien die Bilder, satirisch-philosophisch die Grafiken und Objekte - "skurril, hintersinnig, immer voller menschlicher Wärme".

Das ist weder eindimensional-banal noch streng verschlüsselt. Ein wahres Kunst-Stück. Und einfach schön!

Geöffnet täglich 10 bis 17 Uhr. Eintritt frei, Spenden erbeten.

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