Fünf Frauen forderten die Stasi heraus: Film "Zivilcourage" in Erfurt

Erfurt. Beklemmend ehrlich schildert Gabriele Stötzer im Film "Zivilcourage" ihr Leben nach 1989: "Mein Lebenshöhepunkt, die Wende, war das Ende meiner Karriere als Künstlerin und Fraueninitiatorin. Es war alles zu Ende. 20 Jahre habe ich dann im Dunkeln gelebt..."

Das Foto, das auch im Film gezeigt wird, entstand während der Besetzung der Stasizentrale am 4. Dezember 1989. Im Gespräch mit dem Erfurter MfS-Chef, Generalmajor Schwarz (Bildmitte) sind unter anderem zu sehen: Tely Büchner (links sitzend), Gabriele Stötzer (früher Kachold, links stehend) und Kerstin Schön (rechts). Foto: Sascha Fromm

Das Foto, das auch im Film gezeigt wird, entstand während der Besetzung der Stasizentrale am 4. Dezember 1989. Im Gespräch mit dem Erfurter MfS-Chef, Generalmajor Schwarz (Bildmitte) sind unter anderem zu sehen: Tely Büchner (links sitzend), Gabriele Stötzer (früher Kachold, links stehend) und Kerstin Schön (rechts). Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Es ist eine der Stellen im Dokumentarfilm von Regisseur Diethard Klante, die die Leser unserer Zeitung besonders berühren. Einige wenige erhielten in der Erfurter Außenstelle für die Stasiunterlagen die Gelegenheit, den Film vor der heutigen Erstaufführung zu sehen. "Die Revolution frisst ihre Kinder", sagt der Erfurer Klaus-Dieter Kobolt später, an die Machtpositionen seien letztlich andere, meistens Männer, gelangt.

Klantes Film erzählt nicht von den Männern, sondern von den Frauen, die damals die Staatssicherheit in Erfurt herausforderten. Fünf Erfurterinnen zogen am Morgen des 4. Dezember 1989 los, um der Vernichtung von Stasiakten in der Erfurter Andreasstraße ein Ende zu setzen. Im Film berichten Kerstin Schön, Claudia Bogenhardt, Sabine Fabian, Gabriele Stötzer und Tely Büchner von ihren Beweggründen damals und ihrem Werdegang danach.

Damals sprachen sie Freunde an, sie warben in Betrieben für ihr Anliegen und alarmierten den Stadtrat. Mit vielen anderen begehrten sie schließlich Einlass ins Stasigebäude und ließen sich auch von Ausflüchten oder Drohungen nicht abwimmeln.

Am Abend des 4. Dezember aber waren die Frauen nicht mehr da. Sie mussten ihre Kinder abholen, die hochschwangere Tely Büchner fürchtete um ihr Baby. "Die Frauen hatten angefangen, am Ende des Tages aber hatten die Männer wieder alle Fäden in der Hand", konstatiert Gabriele Stötzer am Schluss des Filmes. Auch auf Fotos sind meistens Männer zu sehen.

Umso wichtiger fanden auch die Leser unserer Zeitung diesen Film, der den couragierten Frauen von Erfurt nach nunmehr 24 Jahren das verdiente Denkmal setzt. Gabi Stötzer bekommt zum Tag der Deutschen Einheit das Bundesverdienstkreuz.

Premiere des Filmes über die Stasibesetzung in Erfurt

Am Anfang waren es nur fünf Frauen, die am 4. Dezember 1989 in Erfurt den Mut hatten, die erste Besetzung einer Stasizentrale zu wagen. Wenige Stunden später standen 300 Bürger vor den Toren der Staatssicherheit. Was ist 24 Jahre später, aus Zivilcourage, Träumen und Hoffnungen der Frauen geworden?

Der Münchner Regisseur Diethard Klante holte die Akteurinnen von damals vor die Kamera. Sein 46-minütiger Film "Zivilcourage" wird am Tag der Deutschen Einheit, 10 Uhr, im Festsaal des Erfurter Rathauses erstaufgeführt. Anschließend kann diskutiert werden, der Eintritt ist frei.

Zivilcourage.Dokumentarfilm von Diethard Klante auf DVD, 46 Min., 8 Euro