Bauhaus-Uni ist internationale Hochschule des Jahres

Mit 190 Partnerhochschulen weltweit, davon 142 in Europa, steht Weimars Bauhaus-Universität in Kontakt. Auch deshalb wurde die Bauhaus-Universität Anfang November in Berlin mit dem Titel "Die internationale Hochschule 2011" ausgezeichnet.

Stolz auf die Auszeichnung: Mario Wolf (links) und Nils Schuett (3. von links) betreuen internationale Studenten wie Weiwei Wang (2. von links) und Max Liao (Mitte) aus China, Catherine Mirallas Hernandez (2. von rechts) aus Spanien und Preanka Hasan (rechts) aus Bangladesch.  Foto: Theresa Feihe

Stolz auf die Auszeichnung: Mario Wolf (links) und Nils Schuett (3. von links) betreuen internationale Studenten wie Weiwei Wang (2. von links) und Max Liao (Mitte) aus China, Catherine Mirallas Hernandez (2. von rechts) aus Spanien und Preanka Hasan (rechts) aus Bangladesch. Foto: Theresa Feihe

Foto: zgt

Weimar. Muriel Helbig hat die ganze Welt im Regal. Die Fächer sind voller Ringordner, auf deren Rücken Flaggen aus allen Erdteilen grüßen: Brasilien, Japan, Indien, Südafrika, China - zwei dicke Ordner für das Reich der Mitte -, Kanada, Thailand, Australien, Südkorea, Chile, die USA, Vietnam. Europa ist vollständig vertreten, kein Land zwischen Portugal und Russland, Island und der Türkei, das keine Verbindungen zur Bauhaus-Universität Weimar hätte. Mit 190 internationalen Partnerhochschulen, davon 142 innerhalb Europas, steht Weimars Uni in Kontakt.

Deshalb, aber längst nicht nur deshalb, wurde die Bauhaus-Universität Anfang November in Berlin mit dem Titel "Die internationale Hochschule 2011" ausgezeichnet, der zum zweiten Mal vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) und dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft vergeben wurde.

Muriel Helbig ist Dezernentin für internationale Beziehungen, sie leitet das International Office der Uni. In ihrem Büro mit den vielen Ordnern laufen die Fäden des Kontinente umspannenden Hochschulnetzes zusammen, hier sind alle Informationen versammelt, die Studenten brauchen, wenn sie für ein oder zwei Semester ins Ausland gehen möchten - oder wenn sie aus dem Ausland zum Studieren nach Weimar kommen: von A wie Austauschprogramme bis Z wie Zugangsvoraussetzungen.

Mit ihren 190 Partnerhochschulen pflegt die Bauhaus-Uni vielfältige Kontakte. Mal bestehen Verbindungen zwischen einzelnen Wissenschaftlern und Künstlern, mal haben ganze Universitäten, etwa die in Buffalo im US-Bundesstaat New York oder die im chinesischen Tongji, ihre Lehrpläne mit denen der Weimarer Universität abgestimmt.

Das Minimum an Kooperation ist der Studentenaustausch. "Dieser Bereich wächst massiv", sagt Muriel Helbig. 2010 wollten 60 Prozent mehr Weimarer Studenten einen Teil ihres Studiums im Ausland absolvieren als im Jahr zuvor. Das hat manchmal mit sanftem Druck zu tun - es gibt Studiengänge, bei denen ein Auslandsaufenthalt Pflicht ist -, aber auch mit "Mobilitätsfenstern", Zeiträumen im Studium, in denen ein Auslandssemester möglich ist, ohne dass der Student Unaufholbares in Weimar verpasst. Zudem wird offenbar immer mehr Studenten klar, welche Chancen ein Auslandsaufenthalt bietet, wie wichtig Sprachkenntnisse sind und der Blick über den Tellerrand.

Die Bauhaus-Uni nimmt ihrerseits selbstverständlich Studenten aus den Partnerländern auf; manche kommen für ein Semester, andere wollen ihr gesamtes Studium in Weimar absolvieren. 16 Prozent der gut

An der Universität wird auch zweisprachig gelehrt

4000 Studenten stammen aus dem Ausland, der Anteil liegt über dem Bundesdurchschnitt von 12 und deutlich über dem Thüringen-Schnitt von 7 Prozent. Die größte Gruppe ausländischer Langzeitstudenten bilden die Chinesen, "dabei sind die Hürden für sie sehr hoch", so Muriel Helbig. Die Prüfungen, die sie absolvieren müssen, ehe sie zum Studium in Deutschland zugelassen werden, schrecken junge Chinesen nicht ab - daran sind sie von Kindheit an gewohnt.

An der Bauhaus-Uni wird vieles zweisprachig gelehrt, die Studenten sollten den Seminaren entweder auf Deutsch oder auf Englisch folgen können. Europäische Medienkultur wird auch auf Französisch angeboten, Doktorarbeiten auf Spanisch sind möglich. Der Studiengang "Natural Hazards and Risks in Structural Engineering" läuft komplett auf Englisch ab; er ist für Bauingenieure gedacht, die in Erdbebengebieten oder ähnlich gefährdeten Regionen bauen.

Andererseits sieht man im International Office wenig Sinn darin, um jeden Preis auf Englisch zu lehren - etwa, wenn es um philosophische deutsche Grundlagentexte geht. Nicht um jeden Preis, das gilt auch für die Aufnahme ausländischer Studenten. "Je mehr, desto besser" gilt nicht: "Jeder soll Bedingungen vorfinden, unter denen er gut studieren kann."

Weltoffenheit sei weder Selbstzweck noch Prestigeprojekt, betont Helbig. Mit der Bewerbung um den Titel "Internationale Hochschule" rannte sie offene Türen ein, an keiner Fakultät musste erst überlegt werden, warum und wodurch man denn international sei: "Wir sind's einfach, das durchdringt alles." 70 Leute halfen beim Antrag, Studenten steuerten einen Film bei, in dem Kunle aus Nigeria, Ran aus China, Preanka aus Bangladesch und ihre Kommilitonen in acht Sprachen für ihren Studienort werben: "Wir sind Bauhaus."

Die Begeisterung, mit der Professoren, Mitarbeiter und Studenten sich für ihre Uni einsetzen, habe im Wettbewerb den Ausschlag gegeben, "das hat uns einen Tick besser gemacht als die anderen", ist Muriel Helbig überzeugt. Die Konkurrenten, 27 zum Teil erheblich größere Hochschulen, konnten ebenfalls viele internationale Projekte vorweisen. Aber in Weimar ist die Identifikation mit dem selbst gewählten Profil besonders stark. "Wir leben und lieben Internationalität", zitiert Muriel Helbig Rektor Karl Beucke. Das sieht Max G. Huber, Juryvorsitzender und Vizepräsident des DAAD, wohl genau so: "International zu sein, ist an der Bauhaus-Universität Weimar keine Pflichtaufgabe, sondern eine Herzensangelegenheit", lautet sein Fazit.

Der Titel "Internationale Hochschule 2011" ist mit 50.000 Euro dotiert. Muriel Helbig möchte das Geld in den Topf für internationale Projekte fließen lassen, damit es denen zugute kommt, die die Auszeichnung erarbeitet haben. "Die Summe reicht nicht, um eine Stelle zu finanzieren, aber vielleicht könnten wir einen Top-Wissenschaftler für ein Semester nach Weimar holen." Oder Fachzeitschriften abonnieren, oder Dokumente übersetzen lassen. Vorschläge werden an der Uni gesammelt.

Noch mehr als über das Preisgeld freut sich Muriel Helbig über die Gratulationen aus aller Welt: von Partnerhochschulen, Ex-Studenten, befreundeten Dozenten. "Eine Professorin hat mir gesagt, sie sei glücklich, dass der Preis nach Thüringen gegangen ist - gerade jetzt." Gerade jetzt, da Thüringen oft in einem Atemzug mit brutalem Fremdenhass genannt wird, sei diese Ehrung eine Ermutigung und ein Zeichen: "Wir sind bunt."