Matschie über Seemann: Klassikstiftung ist kein Erbhof

Stillos, handstreichartig, mangelnde Transparenz: Die Art und Weise des Umgangs mit dem Klassikstiftungspräsidenten Hellmut Seemann hat dem Stiftungsratsvorsitzenden und Kultusminister Christoph Matschie (SPD) sehr viel Kritik eingebracht. Gestern stellte er sich der Thüringer Allgemeine in einem Gespräch.

Weimar im September: Hellmut Seemann (l.) und Manfred Ludwig, dessen Sammlung die Stiftung erwarb. Christoph Matschie (Mitte) freute sich mit. Foto: Marco Kneise

Weimar im September: Hellmut Seemann (l.) und Manfred Ludwig, dessen Sammlung die Stiftung erwarb. Christoph Matschie (Mitte) freute sich mit. Foto: Marco Kneise

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Herr Matschie, warum eigentlich wollen Sie den Vertrag von Präsident Hellmut Seemann nicht verlängern?

Das ist nicht mein alleiniger Wille. Alle drei Zuwendungsgeber der Weimarer Klassikstiftung, also Bund, Land und Kommune, waren sich nach Wochen intensiver Diskussionen einig, dass wir nicht verlängern. Ein Vertrag ist eine Aufgabe auf Zeit. Und wenn ein Vertrag 10 Jahre läuft, dann ist es keine Selbstverständlichkeit, dass er automatisch verlängert wird.

Natürlich nicht, aber das ist kein wirkliches Argument, die Zusammenarbeit zu beenden.

Herr Seemann hat Verdienste und wichtige Impulse gesetzt, das will ich ausdrücklich sagen. Aber alle drei Zuwendungsgeber waren sich auch darin einig, dass es in der Amtszeit des Präsidenten deutliche Managementprobleme und fachliche Versäumnisse gab. Der große Anspruch war da, aber umgesetzt wurde er nur teilweise.

Was werfen Sie dem Präsidenten konkret vor?

Ich erinnere an die Aussagen der Strukturkommission oder an die Debatten zum Standort des neuen Bauhaus-Museums. In wichtigen Fragen hinkte der Präsident immer wieder Entwicklungen hinterher, anstatt voranzugehen.

Was sagen Sie zum Pro-Seemann Brief der Weimarer Stiftungsdirektoren, die doch wohl die Arbeit ihres Chefs gut einschätzen können?

Persönlich an mich gerichtete Briefe kommentiere ich nicht öffentlich.

Wollen Sie kommentieren, was durch die Debatten geistert: dass Sie nämlich parteipolitisch entschieden hätten?

Das ist Unsinn. Parteipolitische Fragen spielten überhaupt keine Rolle. Wir haben ausschließlich die fachliche Arbeit bewertet. Kulturinstitute sind keine Erbhöfe, schon gar nicht die Klassikstiftung. Sie brauchen von Zeit zu Zeit neue Impulse. Deswegen ist die Amtszeit in der Regel zeitlich begrenzt. Neue Ideen und neuer Schwung werden auch in Weimar benötigt. Es sind enorme Aufgaben von der Stiftung zu bewältigen. Dafür stehen bis zum Jahr 2017 insgesamt 156 Millionen Euro zu Verfügung.

Gerade mit Blick auf die Aufgaben: Haben Sie nicht jetzt, zur Unzeit, Unruhe in die Stiftung gebracht. Mancher sagt gar, sie sei dadurch beschädigt worden.

Was heißt zur Unzeit? Der Vertrag des Präsidenten läuft aus und der Stiftungsrat musste entscheiden, wie es weitergeht. Und neun Monate sind eine ausreichende Zeit, einen neuen Präsidenten zu finden. Die Stiftung wird dadurch nicht beschädigt. Auch in anderen Kulturinstitutionen gibt es Wechsel. Das ist der Normalfall.

Wie ist Ihr Zeitplan?

Die Ausschreibung für den gesamten deutschsprachigen Raum wird noch im Oktober mit dem Stiftungsrat abgestimmt. Herrn Seemanns Vertrag endet am 31. Mai 2011. Bis dahin haben wir einen neuen Präsidenten, der neuen Schwung nach Weimar bringen soll, diesen bedeutenden Ort der europäischen Kultur.

Und wenn sich Hellmut Seemann für dieses Amt bewirbt?

Das muss er selbst entscheiden.