Kritik in Gedichtform am Zustand des Schlosses Reinhardsbrunn

Reinhardsbrunn  Die fünfte Reinhardsbrunner Poesienacht fand am Samstag statt mit einer gelungenen Mischung aus Lyrik, Musik und Tanz.

Die Friedrichrodaerin Karin Klaes beteiligte sich zum erstmalig an der Poesienacht.

Die Friedrichrodaerin Karin Klaes beteiligte sich zum erstmalig an der Poesienacht.

Foto: Matthias Wenzel

Poesiealben sind leider fast vollkommen aus der Mode gekommen. Desto erfreulicher ist es, dass ein „Reinhardsbrunner Poesiealbum“ in Buchform vorliegt. Diese von Martina Giese-Rothe und Peter Köllner herausgegebene und 2016 im Macholdt-Verlag erschienene Anthologie vereinigt die Ergebnisse der ersten vier Poesienächte.

Deren fünfte Auflage fand am Samstagabend wiederum im Informations- und Ausstellungszentrum im Klosterpark Reinhardsbrunn statt. Der Einladung von Martina Giese-Rothe und Andreas Paasche waren viele frühere Teilnehmer, wie Roland Scharff und Walter Dawidowicz aus Friedrichroda, Pfarrer Gregor Heidbrink aus Finsterbergen und Uwe Zerbst aus Gotha, gefolgt. Es gab aber auch Neulinge, wie beispielsweise die Friedrichrodaerin Karin Klaes.

Musikalisch eingestimmt wurden die Teilnehmer und Gäste durch die Mundharmonika-Freunde aus Friedrichroda. In ihrer anschließenden Begrüßung betonte Giese-Rothe, dass Poesie Wellness für die Seele sei, obwohl sie für einige eine schwere Kost darstelle.

Im Benediktinerkloster Reinhardsbrunn konnte man nach ihrer Aussage bereits seit 1085 die Seele baumeln lassen. Mit den Worten „Lyrik darf alles – Lyrik kann alles“ eröffnete sie die 5. Poesienacht und erteilte zunächst Roland Scharff das Wort. Der frühere Frauenarzt aus Friedrichroda begann mit dem Gedicht „Spirituelles Zentrum Reinhardsbrunn“, das er erst am 23. August zu Papier gebracht hatte. Am Ende wurde er gesellschaftskritisch, wie schon der Titel des Gedichtes „Bald wird wieder gewählt“ verriet.

Auch Giese-Rothe ging es in ihrem mit eigenen Fotos untermalten Gedicht um den „Geheimen Ort Reinhardsbrunn“. Kritische Töne schlug auch Walter Dawidowicz in seiner „kleinen Hommage an dieses Kleinod“ an. Das Schloss befinde sich leider nicht im Dornröschen-, sondern im Todesschlaf! Mit der rhetorischen Frage „Sind nur Ruinen interessant?“ endete er.

Der frühere Friedrichrodaer Bürgermeister Peter Köllner betonte, dass er keine Gedichte schreibe, sondern historische Recherchen durchführe. Deshalb stellte er seine Forschungsergebnisse und Thesen zur Heiligen Elisabeth und ihrem Gemahl, dem Thüringer Landgrafen Ludwig IV., vor. Dieser starb am 11. September 1227 auf dem Weg zum Kreuzzug im süditalienischen Otranto.

Seine Gebeine wurden 1228 über 1700 Kilometer nach Reinhardsbrunn transportiert, wo sie wohl kurz vor Pfingsten – so Köllners These – unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt wurden. Dies sei der letzte Aufenthalt der drei Jahre später in Marburg verstorbenen Witwe Elisabeth im Hauskloster der Ludowinger gewesen.

Nach einer musikalischen Einlage des 15-jährigen Alexander Huth und seinem Großvater Andreas Krause auf der Trompete schlug auch Andreas Paasche nachdenkliche Töne zum Schloss an. „Wir sind alle ohnmächtig, aber auch mächtig“, so sein Fazit. Man wolle weiter Druck machen und keine Friedhofsruhe aufkommen lassen.

Führung im Lichterschein ist ausgefallen

Mit seinem Gedicht „Wüstenmädchen“, das nach einem Erlebnis in Dubai entstanden war, hatte er die perfekte Überleitung zur Pausenunterhaltung durch die Gothaer Bauchtanzgruppe „Oriental Dreams“.

Nebenbei ließen die Teilnehmer der Poesienacht Ballons in den sächsischen Landesfarben (weiß und grün) mit Namensschildchen steigen. Nach der Pause kamen unter anderem Pfarrer Gregor Heidbrink, Peter Rehfeldt und Uwe Zerbst zu Wort. Die geplante historische Sonderführung im Lichterschein durch den Schlosspark musste wegen des aufgeweichten Bodens ausfallen.

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