Maite Kelly beschwört bei ihrem Konzert in der Messehalle Erfurt die Liebe

Erfurt  Der 39-jährige Schlagerstar überzeugt mit einer mitreißenden Bühnenshow das Publikum in Erfurt.

Maite Kelly – mit ihrer Show bewies sie einmal mehr ihr außergewöhnliches Talent.

Maite Kelly – mit ihrer Show bewies sie einmal mehr ihr außergewöhnliches Talent.

Foto: Holger John

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Sie seilt sich nicht von der Decke ab, turnt nicht auf einem Trapez herum und räkelt sich auch nicht lasziv auf einer Liegestatt: Maite Kelly ist einfach da. Ein Multitalent mit riesengroßer Stimme (bis zu fünf Oktaven), viel Humor und einer noch größeren Portion Selbstironie. Und genau dafür, für dieses Sicht-selbst-nicht-zu-ernst-nehmen, liebt ihr Publikum sie ganz besonders. Deshalb ist an diesem Samstagabend auch die Erfurter Messe – dritte Thüringer Station binnen weniger Wochen nach dem Tourauftakt in Suhl und Gera – mit über 2500 Zuschauern so gut wie ausverkauft.

Wobei: Durch die Halle geflogen wäre sie schon ganz gern, erzählt der zweitjüngste Kelly-Spross augenzwinkernd. Schließlich täten das heute quasi alle weiblichen Popstars weltweit, um große Arenen zu füllen, habe ihr Team gesagt. Und ihr auch versprochen, sie mit vier statt nur mit zwei Seilen zu sichern. Mithin so gut, dass man auch einen Elefanten durch den Saal fliegen lassen könnte. „Ich habe ein ehrliches Team.“ Letztlich sei diesem Unterfangen aber von Amts wegen der Riegel vorgeschoben worden. Denn der Behördenmensch, der grünes Licht hätte geben müssen, habe ihr bedeutet, dass sie allenfalls an schweren Eisenketten über den Köpfen des Publikums herumturnen könnte... „Deshalb lassen wir heute nur die Lieder fliegen“, so die Sängerin.

Und das Publikum frisst ihr sofort aus der Hand: Springt nicht nur von den Sitzen, kaum dass sie – schwarz gekleidet vor blutroter LED-Wand – auf der Bühne erscheint, sondern akzeptiert auch ohne Murren das Fotografier- und Filmverbot, das Maite Kelly noch vor ihrem ersten Auftritt aus dem Off verfügt.

Aber das hat nicht nur den Vorteil, dass keine Handys den Blick auf die Bühne, die Sängerin, ihre fantastische sechsköpfige Band und zwei geniale Tänzer verdecken. Die Zuschauer lassen sich auch wirklich ein auf die Geschichten von großer Liebe, großem Schmerz und großer Sehnsucht. Sehnsucht etwa nach Kellys viel zu früh verstorbener Mutter oder dem Vater – mit „Every Baby“ nimmt die Sängerin das Publikum mit in die Hoch-Zeit ihrer musikalischen Großfamilie –, Sehnsucht aber auch nach den drei Töchtern Agnes, Josephine und Solene, die ihre erfolgreiche Mama indes nie länger als drei Tage am Stück entbehren müssen („Ich bin immer für dich da“).

Doch neben den leisen Tönen beherrscht Maite Kelly natürlich auch die lauten. Wünscht sich mit tatkräftiger Unterstützung aus Tausenden Kehlen „den längsten One Night Stand der Welt“, beschwört die Liebe und immer wieder die Liebe, und widmet sich humorvoll der Tatsache, dass „Sex sells“. Deshalb reißt sie sich zwar den goldfarbenen Astronautenanzug, mit dem sie nach der Pause zum alten NDW-Hit „Codo – Ich düse, düse im Sauseschritt“ die Bühne entert, vom Leib. Doch darunter kommt ein roter Jumpsuit zum Vorschein, in dem sie zu „Sex Bomb“, dem alten Tom Jones und Mousse T.-Kracher, derart gekonnt über die Bühne fegt, dass auch der Letzte versteht: Sexiness hängt nicht von Größe 34 ab.

Als das Konzert, das Linda Hesse eröffnet hat, nach gut zweieinhalb Stunden ausklingt, angeln die Fans dann doch als erstes wieder nach ihren Smartphones: Um Maite Kelly auf den sozialen Netzwerken unverzüglich mit Komplimenten zu überschütten.

Tourabschluss ist am Mittwoch, 1. Mai, in Dresden, nur noch wenige Restkarten

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