„Church meets Synagogue“: Gottvertrauen und Lebenslust

Arnstadt (Ilm-Kreis). Das Abschlusskonzert des Thüringer Orgelsommers setzte am Sonntag in der Bachkirche einen grandiosen Schlusspunkt.

Zum Abschlusskonzert des Thüringer Orgelsommers in der Bachkirche in Arnstadt spielten Hans-Joachim Dumeier und Irith Gabriely. Foto: Hans-Peter Stadermann

Zum Abschlusskonzert des Thüringer Orgelsommers in der Bachkirche in Arnstadt spielten Hans-Joachim Dumeier und Irith Gabriely. Foto: Hans-Peter Stadermann

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Das Konzert mit Irith Gabriely (Klarinette) und Hans-Joachim Dumeier (Orgel und Klavier) sollte gemäß den einleitenden Worten des „Vaters des Orgelsommers“ Gottfried Preller für die Verständigung zwischen den Religionen werben, vor allem zwischen dem Christentum und seiner „älteren Schwester“ (so Irith Gabriely), dem Judentum. Dies ist prächtig gelungen, und weit mehr, denn das stimmungsmäßig umwerfende Konzert entrückte in spirituelle Tiefen und ekstatische Höhen, wie man es sonst fast nur vom Gospel her kennt.

Bei allem Respekt vor Johann Sebastian Bach durfte dieser wie auch der zwischen Buxtehude und Bach stehende Nikolaus Bruhns in „Church Meets Synagogue“ nur eine bescheidene Nebenrolle spielen, natürlich auf der Wender-Orgel.

Es dürfte aber gewiss sein, dass auch „Johnny Bach“ an diesem Konzert seine Freude gehabt hätte, denn die als „Queen of Klezmer“ bekannte Klarinettistin verband in ihrem Spiel und ihrer Performance Unterhaltung und Gebet, Humor und Liebe derart virtuos und dicht, wie es auch Bach in seinen Kompositionen vermochte, die sämtlich ausdrücklich „soli deo gloria“, also zur Ehre Gottes, geschaffen wurden. Dies also wäre das Gemeinsame zwischen christlich geprägter und jüdischer Klezmer- und Synagogenmusik. Aber welch Unterschied im Temperament!

Hier reichte die Klarinette mühelos von tiefen, dunklen und warmen Tönen, die an das Geborgensein im Mutterleib oder in Gott gemahnten, hin zu schrillen Ausbrüchen bis in die höchsten Töne, die Ekstase und pure Lebensfreude ausdrückten.

Die Lieder und Tänze von Gott und vom Frieden oder von einer jüdischen Hochzeit wurden von der Klarinettistin humorvoll moderiert und theatralisch umgesetzt, indem Irith Gabriely ihr prachtvolles Instrument nicht etwa im Stehen spielte, sondern ständig durch die Bachkirche tänzelte.

Durch ihre Lockerheit erreichte sie sehr schnell, dass der temperamentvolle Funke auf das Publikum übersprang. Schon bald klatschte es rhythmisch mit und sang sogar ganze Passagen mit einer Unbändigkeit, die nicht zuletzt den zahlreich erschienenen Emigrantenfamilien – etwa 100 Flüchtlinge hatten die Einladung angenommen – geschuldet waren, die diesem Konzert als nette Geste ohne Eintritt beiwohnen durften.

Wenn auch die Klarinette im Vordergrund stand, war auch das Spiel des Organisten und Pianisten Hans-Joachim Dumeier außergewöhnlich und sehr erfreulich. Zunächst begleitete er seine Partnerin auf der romantischen Steinmeyer-Orgel und entlockte diesem Instrument klanglich robuste Rhythmen. Man merkte, dass die beiden Musiker, die bereits seit 1997 zusammen auftreten, bestens aufeinander eingespielt sind.

Noch brisanter wurde es, als der Organist zum im Chorraum der Bachkirche aufgestellten Klavier schritt. Auf diesem spielte er so virtuos und improvisierte so herrlich, dass von einer reinen Begleitung nicht mehr gesprochen werden konnte. Es war eher wie bei den Liedern von Schubert, wo das Klavier dem Gesang gegenüber ein gleichberechtigter Partner ist oder wie beim Jazz, wo eine solche Gleichberechtigung und Improvisation selbstverständlich sind. Mit solcher Virtuosität und Lebensfreude beider Musiker und der durch sie ausgelösten Begeisterung des Publikums erwies sich dieses Abschlusskonzert des Orgelsommers als großartige und perfekte Wahl.

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