Eine sich selbst verzaubernde Magie

Böhlen (Ilmkreis). Ein Konzert mit Falk Zenker und Nora Thiele wird im Musiksaal der Böhlener Fabrik zu einer Gedankenreise.

Nora Thiele und Falk Zenker entführten in Böhlen auf eine Gedankenreise. Foto: Karl-Heinz  Veit

Foto: zgt

Sonntagabend im Musiksaal der Sommerakademie in der Fabrik: Die Kursanten des aktuellen Kurses "Bildnerische Experimente-Malerei", etliche Böhlener und einige Gäste aus Ilmenau wollen sich ein Abspannen und ein Auftanken von Kraft für Neues gönnen. Da kommt das Konzert des Gitarristen Falk Zenker mit der Perkussionistin Nora Thiele genau richtig. Der Konzerttitel "Gedankenreise" verspricht ein kleines Abenteuer, das man - ohne sich vom Fleck rühren zu müssen und ohne Gefahr, von Mücken gestochen und lärmenden Mitreisenden belästigt zu werden - entspannt genießen kann.

Die Augenlust wird zunächst mit dem Blick auf das Instrumentarium befriedigt. Allerlei Schlagwerk, Gitarre, Zither, Heulschläuche und unscheinbare Tontechnik versammeln sich auf dem Podium und lassen Vorfreude auf die "Gedanken- und Klangreise" aufkommen. Nora Thiele und Frank Zenker betreten die Szene. Es klänge schnöde, jetzt zu sagen, "das Konzert beginnt", oder "die Musiker setzen erste Akzente" mit ihrem Spiel. Was die beiden Musiker vom ersten Ton an mit sicherem Griff in die Saiten, dem virtuosen und Fingerspiel auf Trommeln, Becken und all den anderen Klanggerätschaften zelebrieren, kommt einer sich selbst verzaubernder Magie sehr nahe. "Er" gibt den Ton an und "Sie" schlägt mit unbeschreiblich viel Gefühl den Takt. So stellen sich die beiden Musiker vor.

Keiner mag es glauben, dass die Gedankenreise vor 700 Jahren beginnt. In mittelalterlicher Zeit, als Troubadoure - jene provenzalischen Minnesänger und schmachtenden Liebhaber - von Hof zu Hof zogen und Musik machten. Es sind die "Estampies" - erstmals um 1300 aufgeschriebene 8 Musikstücke - von denen das Duo zwei in die Jetztzeit holt. Es sei damals Popmusik gewesen, erzählt Falk Zenker nach dem ersten Stück. Die zeitlose Schönheit von Musik in der Einheit von Klang und Harmonie hat sich erhalten. Sie ist für die Zuhörer erlebbar, weil zwei feinfühlige Musiker an diesem Abend für ihr Wiedererwachen sorgen.

Es folgt ein Gedankensprung in die Gegenwart und ins Musikschaffen von Jörg Zenker. "September am Meer" nennt er das Stück, das all das musikalisch adaptiert, was ein Abend mit Blick auf eine ruhige See bei säuselndem Wind zu bieten hat. Wie hört sich "Grasgeflüster" an? Die Zuhörer durften es beim Spiel auf der afrikanischen Grasharfe erleben. Der Blick nach innen mag bei manch einem Dürers "Rasenstück" in Erinnerung gerufen haben. Sich den Duft nach Gras und Heu beim Liegen auf der Wiese vorzustellen, war ein Leichtes.

Anderthalb Stunden währte die Gedankenreise - und mit ihr das musikalische Abenteuer.

Zu den Kommentaren