Ensemble "Saxofonquadrat" bot viel bejubeltes Konzert

Das Berliner Ensemble "Saxofonquadrat" besteht aus den vier Saxofonisten Clemens Hoffmann, Sopran, Clemens Arndt, Alt, Christian Raake, Tenor und Hinrich Beermann, Bariton.

Die vier Musiker von "Saxofonquadrat" boten in der ehrwürdigen Oberkirche traditionelle und jazzige Stücke. Foto: Christoph Vogel

Die vier Musiker von "Saxofonquadrat" boten in der ehrwürdigen Oberkirche traditionelle und jazzige Stücke. Foto: Christoph Vogel

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Arnstadt. Man merkte es den Musikern bereits von den ersten Tönen an, dass sie alle eine klassische Musikausbildung und langjährige Erfahrungen im Jazzbereich mitbringen. So fest mit beiden Beinen in den nach wie vor unterschiedlichen Musikbereichen stehend, konnte das "Contrapunct" betitelte Konzert nur gelingen.

Bereits der Einstieg sehr wirkungsvoll, indem das muntere Quartett von der Orgelempore die Zuhörer bespielte. Obwohl das im Jahre 1841 erfundene Saxofon noch relativ jung ist, begann das Konzert mit einem Stück aus der Renaissance, einem "Kyrie" von Heinrich Isaak, der den meisten wohl als Komponist des zu Recht äußerst populären Volksliedes "Innsbruck, ich muss dich lassen" bekannt sein dürfte. Weiter ging es mit einem Stück von Gesualdo di Venosa, das sich zwischen Spätrenaissance und Frühbarock bewegte und damit wunderbar auf den Stil des Altares und Taufbeckens der Oberkirche Bezug nahm.

Im Altarraum folgte als erster Höhepunkt das "Streichquartett Nr. 8 c moll" von Dimitri Schostakowitsch. Dieses Anfang der 60er-Jahre entstandene Werk war ausdrücklich den Opfern von Krieg und Faschismus gewidmet. Entsprechend dieser ernsten Thematik herrschten extreme Gegensätze im Tempo und Klang vor.

Aus Bachs "Kunst der Fuge" wurden "Contrapunctus I, IV und IX" ausgewählt und jazzig vorgetragen. Die Transparenz der komplizierten Musik, ohnehin durch das Verteilen der Stimmen auf verschiedene Instrumente hervorgerufen, wurde noch dadurch verstärkt, dass sich die jeweils spielenden Musiker wie ein Sufi-Tänzer um sich drehten.

Nach der Pause gab es improvisierte Musik, die dem Jazz-Fan die Freudentränen in die Augen treiben konnte. Es begann mit zwei prächtigen Kompositionen des Gruppenmitgliedes und Tenoristen Christian Raake: zunächst "Chaser", das im Titel ironisch auf die Fuge anspielte, sodann den lebhafteren, leicht dämonischen "Geisterwalzer", dem "Canon" von Charles Mingus, dem großen Bassisten, Bandleader und Freiheitskämpfer, folgte. Jetzt spielten sich die Musiker herrlich frei. Besonders der Bariton spielte so eruptiv und stürmisch, wie man es seit dem Free Jazz eines Peter Brötzmann kaum mehr gehört hat.

Überdies bewegten sich die Saxofonisten genauso ungezwungen im Raum wie sie spielten und so wurden die Zuhörer von allen Seiten prächtig beschallt, so dass besonders die langen Töne sich im Körper der Zuhörer abzuspielen schienen.

Ein wunderbares Klangerlebnis! Mit zwei Kompositionen von Astor Piazzolla – "Night Club" und "Fugata" schloss das Konzert, wobei natürlich noch eine Zugabe gebracht werden musste: ein wunderbar melodisches Stück vom südafrikanischen Pianisten Abdullah Ibrahim, vormals Dollar Brand, das herrlich in der Mitte zwischen arabisch-islamischer, afrikanischer und Jazzmusik angesiedelt war. Mit diesem weiteren hochkarätigen Konzert hat die Oberkirche ein weiteres Mal ihren hervorragenden Ruf als Konzertraum festigen können!

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