Junge Sänger sorgten für anerkennendes Staunen

Arnstadt (Ilm-Kreis). Das Doppelkonzert zum Welttag des Jazz im Neideckkeller zeigte höchste musikalische Kunst.

Erik Leuthäuser (Gesang), Lars Födisch (Kontrabass) und Bertram Burkert (Gitarre) brachten viele Jazz-Standards aus den 30ern zu Gehör. Foto: Britt Mandler

Erik Leuthäuser (Gesang), Lars Födisch (Kontrabass) und Bertram Burkert (Gitarre) brachten viele Jazz-Standards aus den 30ern zu Gehör. Foto: Britt Mandler

Foto: zgt

Der Jazz lebt in der Jugend weiter, zumindest, was die Musiker angeht. Dies bewiesen am „Welttages des Jazz“, die jugendlichen Gruppen „Nachtfarben“ und „Erik Leuthäuser Band“. Obwohl die beiden Formationen kaum unterschiedlicher aufspielen konnten, zeigte die gemeinsame Jam-Session am Ende, dass letztlich beide Bands von den gleichen jazzigen Fundamenten getragen werden.

Herrlich groovende Klangtapete

Zuerst betraten am Donnerstagabend „Nachtfarben“ die Bühne. Martin Bosch (Bass), Clemens Litschko (Schlagzeug), Markus Rom (Gitarre), Malte Sieberns (E-Piano) und Anastasiya Volokitina (Gesang) spielten eine erfrischend moderne Musik voller rockigem Drive und modernen, oft recht meditativen Sounds, die eine umwerfende und herrlich groovende Klangtapete hervorriefen. Man fühlte sich an die gute alte Zeit mit der Deutschrocklegende Can erinnert, aber auch an manche Jazzrock- oder Funkformation. Die Sängerin improvisierte schier unglaublich, als wollte sie den Free Jazz neu erschaffen und erinnerte damit unter anderem an die begnadete Julie Driscoll, als sie seinerzeit vom Jazzrock zum Free Jazz und zur Zusammenarbeit mit Schlagzeuger Tony Oxley übergewechselt war. Und ähnlich wie Oxley alle Stile beherrschte, erwies sich auch der Schlagzeuger der „Nachtfarben“ als beglückende Überraschung, der mit seinem vielseitigen und meisterlichem Stil vom ersten Moment an das fachkundige Publikum hinriss.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Begeisterung und Verblüffung so groß, dass nach Aussage des Bürgermeisters Alexander Dill ein Besucher in der Pause in breitestem Thüringisch ausrief: „Das ist ja der Hammer, diese Kegel!“ Und so wartete man nach dem fulminanten Einstieg der „Nachtfarben“ gespannt den zweiten Teil. Die „Erik Leuthäuser Band“ , ein Trio mit Erik Leuthäuser (Gesang), Lars Födisch (Kontrabass) und Bertram Burkert (Gitarre) spielten eine sehr viel klassischere Spielart des Jazz, die aber dennoch den Reiz des Neuartigen besaß. Dies lag vor allem an dem knapp 20-jährigen Sänger, der sowohl den Scatgesang beherrscht als auch sogenannte „Vokalesen“, welche bekannte Instrumentalsoli singen oder „soft rappen“. Man fragte sich verwundert und begeistert, wie ein solch junger Mensch die Fähigkeit erworben hat, Jazz-Standards aus den 30er Jahren so perfekt, liebe- und temperamentvoll zu bearbeiten. Eins ist gewiss: Der mit seinen 89 Jahren immer noch unglaublich aktive Altmeister des Swing-Gesanges Tony Bennett hätte seine Freude an diesem Auftritt gehabt.

Als Höhe- und Schlusspunkt geriet die gemeinsame Jam-Session zu einer weiteren Überraschung. Hier zeigten die vordergründig so unterschiedlichen Bands ihren starken gemeinsamen Nenner, der in der prächtigen und zupackenden Version des Sängers von „What´s goin´on“ von Marvin Gaye gipfelte. Als rührender Höhepunkt bewies die Sängerin, die auf Wunsch ihrer Mutter „The man I love“ von George Gershwin interpretierte, dass sie sich auch im klassischen Jazzgesang wie ein Fisch im Wasser bewegen kann. Was blieb, war die Empfindung, dass der Jazz so ewig leben wird wie die Musik von Johann Sebastian Bach.

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