Kraftvolle Wiedergeburt des romantischen Liedes in Arnstadt

Arnstadt. Weibliches Trio "Flamink" stieß im gut gefüllten Gewölbekeller der Ruine Neideck auf ein begeistertes Publikum.

Die Arnstädter Jazzmeile machte im Neideck-Keller mit dem Ensemble "Flamink" Station. Antonia Hausmann, Imogen Gleichauf und Cindy Weinhold waren zu Gast. Foto: Hans-Peter Stadermann

Die Arnstädter Jazzmeile machte im Neideck-Keller mit dem Ensemble "Flamink" Station. Antonia Hausmann, Imogen Gleichauf und Cindy Weinhold waren zu Gast. Foto: Hans-Peter Stadermann

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Nein, Jazz wollen sie ihre Musik nicht genannt wissen, doch glücklicherweise besaß die Musik der drei in der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar ausgebildeten Musikerinnen alle Frische und Improvisationslust, die auch den Jazz kennzeichnet. Darüber hinaus gelangen Cindy Weinhold (E-Piano und Gesang), Antonia Hausmann (Posaune), und Imogen Gleichauf mit der Bearbeitung von Liedern von Liszt, Clara (!) Schumann und Brahms sowie Eigenkompositionen ein beeindruckendes Crossover von romantischem Lied und modernen Klängen.

Mit ihrer von Pop- und Liedermachergesang zu Scatgesang und Rap reichenden Stimme entstaubte Cindy Weinhold in immer respektvoller Weise das romantische Liedgut. Die originelle Besetzung von E-Piano, Posaune und Schlagzeug erwies sich im Übrigen als überraschend gut geeignet, die romantische Wehmut und Gefühlsstärke der Musik und Texte rüberzubringen.

Wenn die Posaune, die durchaus auch schon mal zu virtuosen Eruptionen a la Albert Mangelsdorff ausholen konnte, allzu melancholisch wurde, gelang es der klanglich vielschichtigen und temperamentvollen Schlagzeugerin kraftvoll und virtuos wie Sheila E, der langjährigen Schlagzeugerin von Prince, die Lebensgeister wieder zu wecken.

Auch die Eigenkompositionen wie zum Beispiel die Huldigung an die zum "Vogel des Jahres 2013" gekürte Bekassine, auch Sumpfschnepfe genannt, wurden originell und augenzwinkernd vorgetragen. Das Zusammenspiel der drei "Mädels" war einerseits wunderbar jazzig, andererseits berührte auch der intime dreistimmige Gesang, der ganz den Geist einer verträumten Romantik atmete.

Dies alles und der sympathische Umgangston innerhalb des Trios und der lockere Umgang mit dem Publikum führten dazu, dass der berühmte Funke alsbald übersprang.

Beeindruckend war auch die Tontechnik, der es gelang, die vielschichtige Musik so klar und ohne jeden Klangbrei erklingen zu lassen, wie man es zum Beispiel von den Produktionen von Prince gewohnt ist. Zu der letztlich trotz aller Ausflüge bis in den Free-Jazz hinein doch im Innersten unterkühlten Musik passte übrigens bestens der vom Veranstalter, der "Interessengemeinschaft Jazz", angebotene Rotwein, ein trockener aus deutschen (pfälzischen) Landen, der genial das romantische deutsche Lied kulinarisch widerspiegelte.

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