Lux-Festspiele in Ruhla haben begonnen

Schnelle Pulsschläge, letzte leise Glockenklänge - in Ruhla spielte das Akademische Orchester Erfurt Zeitmusik. In der Winkelkirche St. Concordia gab es am Samstag das erste Konzert in diesem Jahr.

Musik für die Stadt der Uhren: Auftaktkonzert in der Concordia-Kirche. Foto: Susanne Reinhardt

Musik für die Stadt der Uhren: Auftaktkonzert in der Concordia-Kirche. Foto: Susanne Reinhardt

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Ruhla. Die Lux-Festspiele 2012 sind eröffnet: Am Samstag gab es das erste Konzert in diesem Jahr, das gemeinsam mit dem Ruhlaer Uhrenhersteller Gardé, der Kirchgemeinde, dem Gewerbeverein und dem Akademischen Orchester Erfurt in der Winkelkirche St. Concordia zu Ruhla veranstaltet wurde.

Das Konzert läutete zugleich ein Jubiläum ein: Seit 120 Jahren werden in Ruhla Uhren industriell produziert.

Schon vor 150 Jahren gründete Christian Thiel mit seinem Bruder Georg die Firma Gebrüder Thiel, ein kleines Unternehmen für Metallwaren. 30 Jahre danach entstand daraus die örtliche Uhrenindustrie. Die aktuellen und einstigen Geschäftsführer der Firma Gardé, frühere und heutige Mitarbeiter des Uhrenwerkes wurden von Christian Schomburg, Vorsitzender des Gewerbevereins, besonders begrüßt. Der für Ruhla wohl bedeutendste Wirtschaftszweig habe viele Blütejahre, aber auch Krisen erlebt, betonte er. Und deshalb stand das erste Konzert im Rahmen der Lux-Festspiele unter der Rubrik "Zeit".

Die Konzertleitung hatte Generalmusikdirektor Sebastian Krahnert. Das Publikum in der gut besetzten Kirche hörte eine U(h)raufführung, wobei das "h" im Wort bewusst gewählt war. Ralf Wienrich, unter anderem durch Filmmusiken zum "Polizeiruf" oder zur Krimiserie "Bella Block" bekannt, schrieb das Stück "Zeitdilatationen". Darin wechselten sich verschieden schnelle Zeitwahrnehmungen ab, Pulsschläge, die Musik schwoll an und wurde wieder langsamer und leiser, bis zum letzten Glockenschlag, zum letzten Ticken einer Uhr.

Man konnte meinen, man erlebt den Beginn eines Tages, das Getöse einer Stadt in der Mittagszeit und den Ausklang und das letzte Rauschen am Abend.

Oder war etwa ein ganzes Leben damit gemeint?

Um die Zeit, genauer "Die Uhr" ging es im zweiten Teil des Abends, als unter anderem die gleichnamige Sinfonie von Joseph Haydn gespielt wurde.

Im Seitenschiff war eine Sonderausstellung zur örtlichen Uhrenindustrie zu sehen. Es wurden drei Sonderuhren gezeigt - zu den Lux-Festspielen, dem 350. Jahrestag der Concordia-Kirche und zum Jubiläum 150 Jahre Gebrüder Thiel.

Auch eine romandicke Chronik wurde vorgelegt, die am Dienstag der Öffentlichkeit im Uhrenmuseum präsentiert werden soll.

Höhepunkt wird im kommenden Jahr die Aufführung der Oper "Der Schmied von Ruhla sein", die der aus Ruhla stammende Komponist Friedrich Lux einst auf die Bühnen der Welt brachte. Aber auch viele andere kulturelle Events erwarten kulturinteressierte Menschen in Ruhla. Die Veranstalter hoffen aber ebenso auf Besucher von anderswo - auch bei den monatlichen Veranstaltungen in der Kirche, die unter der Begriff "Kultur im Winkel" stattfinden.

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