Rolling-Stones-Bassist Darryl Jones: "Die Stones sind vor allem Blues"

Darryl Jones, der bei den Rolling Stones die Bassgitarre spielt, kommt mit den Black Stone Raiders am Freitag nach Gotha. Im TA-Gespräch erzählt er von Miles Davis, den Beatles und davon, was ihm Mick, Keith und Co. bedeuten.

Karten für das Konzert der Black Stone Raiders gibt es bei vielen Vorverkaufsstellen in Thüringen. Foto: PR

Karten für das Konzert der Black Stone Raiders gibt es bei vielen Vorverkaufsstellen in Thüringen. Foto: PR

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Die Rolling Stones können 2012 ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Pünktlich zum Jubiläum tritt ein langgedienter Stones-Musiker in Thüringen auf. Darryl Jones löste Bill Wyman 1993 an der Bassgitarre ab und ist seitdem als Begleitmusiker ständiger Studio- und Bühnen-Kollege von Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts und Ron Wood. Am Freitag um 20.30 Uhr spielt Darryl Jones mit seiner Band, den Black Stone Raiders, im Pub "The Londoner" in Gotha; auf dem Programm: Rock, Blues und Funk in hoher Qualität. Mit Frauke Adrians sprach er über seine musikalischen Wurzeln, seinen Mentor Miles Davis - und die Rolling Stones.

Mr. Jones, Sie waren schon mit vielen Blues-, Jazz- und Rockstars auf der Bühne und im Studio. Wann haben Sie sich entschieden, Ihre eigene Band zu gründen?

Die Black Stone Raiders sind eine Art Kooperative - ich bin nicht der Bandleader, sondern leite die Gruppe zusammen mit dem Gitarristen Jean Paul Bourelly und dem Schlagzeuger Will Calhoun. Jean Paul und ich sind seit unseren Teenagerjahren in Chicago gute Freunde. Bisher hatten wir aber nur selten Gelegenheit, gemeinsam aufzutreten. Als wir uns vor einem Jahr wiedertrafen, beschlossen wir zusammenzuarbeiten. Er schlug Will als dritten Mann vor - und Will hatte mich erst kurz zuvor zu Hause besucht. Vielleicht hatte da die Vorsehung die Hand im Spiel. Seitdem sind wir zu dritt.

Mit welcher Art von Musik sind Sie in Chicago aufgewachsen? Hauptsächlich mit dem Soul und dem Blues, für die die Stadt berühmt ist?

Ich bin in einem Zuhause mit zwei Radios groß geworden. Mein Vater hörte zum Beispiel den frühen Miles Davis, Oscar Peterson und insbesondere Count Basie. Meine Mutter liebte alle möglichen Musikrichtungen, aber am häufigsten liefen bei ihr Aretha Franklin, Curtis Mayfield und Marvin Gaye, jede Menge Soul also. Auch die frühen Beatles- und Stones-Hits wurden von den schwarzen Radiosendern gespielt, ich erinnere mich, dass ich sie gehört habe, als ich noch ganz klein war.

Und welche Musik haben Sie zuerst auf dem Bass gespielt?

Mein Lehrer hat mir Songs von Jimi Hendrix beigebracht, von den Staples Singers, Led Zeppelin, Sly and the Family Stone und vielen anderen. Ich besuchte eine Highschool, die einen Schwerpunkt auf Musik und andere Bühnenkünste legte. Da kam ich mit allem von Bach bis Beethoven in Berührung und von Duke Ellington bis Lee Morgan und Quincy Jones.

Wie kam es, dass Sie schon mit 21 Jahren in Miles Davis' Band aufgenommen wurden?

Ich bin mit Miles' Neffen Vince Wilburn in der Musikszene von Chicago aufgewachsen; Vince und ich haben oft davon geträumt, mit Miles zusammenzuspielen. Als er 1983 einen Bassisten suchte, hat er Vince gefragt, ob er jemanden kennt, und Vince hat mich vorgeschlagen. Ich habe dann in New York bei Miles vorgespielt, und er hat mich genommen.

Wie hat die Zusammenarbeit Sie geprägt?

In seiner Band habe ich gründlicher als je zuvor gelernt, was es heißt, in einem Ensemble zu spielen. Es kommt darauf an, immer aufmerksam zu sein und den anderen Musikern genau zuzuhören. Miles Davis hat die Musik, die wir abends auf der Bühne gespielt haben, sehr gewissenhaft studiert. Er hatte ständig Ideen, wie man es noch besser machen kann. Oft wird gesagt, er sei ein Genie gewesen, und ich glaube, das stimmt - ich kenne aber auch niemanden, der ernsthafter arbeitet als er. In all den Jahren davor und danach habe ich nie jemanden kennengelernt, der die Musik so sehr liebt wie er. Das war eine wertvolle Lektion.

Stimmt es, dass Ihre erste Bassgitarre die Kopie von Paul McCartneys Höfner-Bass war? Haben Ihnen die Beatles so viel bedeutet?

In Wahrheit war es wohl bloß die Kopie der Kopie eines Beatles-Basses. Kein besonders gutes Instrument! Und es war nur Zufall, dass es das Modell war, auf dem auch Paul McCartney spielte. Damals war mir Jimi Hendrix viel wichtiger als die Beatles, obwohl viele ihrer Songs zu meinen frühesten musikalischen Erinnerungen gehören. Ich glaube, das erste Lied, das ich von ihnen gehört habe, war "I wanna hold your hand".

Und wie war es mit den Stones? Erinnern Sie sich, wann Sie die Band und ihre Musik kennengelernt haben?

"Satisfaction" kam irgendwann ins schwarze Radio, ich kann mich erinnern, dass ich das gehört habe - da war ich wahrscheinlich vier oder fünf. Aber erst als "Angie" ein großer Hit wurde und in unserem Lieblingssender lief, wurde ich auf die Stones aufmerksam. Und erst nachdem ich nach New York gezogen war und Charley Drayton und Steve Jordan mir Keith Richards vorgestellt hatten, mit dem sie damals spielten, begann ich mich wirklich für die Band zu interessieren.

Sie sind seit fast 20 Jahren fester Begleitmusiker bei den Stones. Gerüchten zufolge will die Band in diesem Jahr auf eine kleine Tournee gehen, um ihr 50-jähriges zu feiern. Sind Sie dabei?

Die Gerüchte kenne ich, aber ich weiß nicht mehr darüber als jeder andere - und solange ich keinen Anruf bekomme, messe ich dem Ganzen keine Bedeutung bei. Darüber zu spekulieren bringt nichts.

Was bedeuten Ihnen die Rolling Stones - und welche Bedeutung hat die Band Ihrer Meinung nach in der Geschichte der Rockmusik?

Für mich bedeuten die Stones vor allem Blues. So habe ich sie immer gesehen, von dort aus habe ich mich ihnen genähert. Purer Blues ist meiner Meinung nach ebensosehr ein Gefühl wie eine Musikrichtung. Wenn man Musik gleich welcher Art mit Gefühl anreichert, mit Liebe, dann impft man sie mit Blues. Vor ein paar Monaten hat Keith mir gesagt, er sei stolz, dass die Stones mit ihrer Musik und ihrer Konzentration auf amerikanische Bluesmusiker dafür gesorgt haben, dass der Blues ein so großes Publikum hat.

Ich würde sagen, dass die Stones in dieser Hinsicht entscheidende Bedeutung haben. Außerdem mag ich die Songs, die sie seit 50 Jahren zur Musikgeschichte beitragen. Ihre Musik ist bahnbrechend, sie ist ansteckend und zugleich respektlos. Dafür bewundere ich die Stones - und auch dafür, dass sie nie einen Hehl daraus gemacht haben, welche Art Musik sie am stärksten beeinflusst hat.

Was gefällt Ihnen besonders daran, mit den Rolling Stones zusammen zu spielen und mit ihnen auf Tournee zu gehen?

Mit den Stones zu spielen, macht so viel Spaß, wie man sich nur vorstellen kann. Was ich an ihnen nicht leiden kann? Nicht, dass mich das sonderlich stört - und vielleicht haben Sie es ja noch gar nicht bemerkt -, aber die Stones sprechen mit einem seltsamen Akzent.

Der Gitarrist Darryl Jones

  • geboren am 11. Dezember 1961 in Chicago
  • seit dem sechsten Lebensjahr Musikunterricht bei seinem Vater, einem Schlagzeuger; später stieg er auf die Bassgitarre um
  • in den 1980er-Jahren Mitglied der Miles Davis’ Band; Studioaufnahmen mit Herbie Hancock, Sting und Peter Gabriel
  • Debüt bei den Rolling Stones auf dem Album Voodoo Lounge (1994)

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