Ruhla: Gefühlswelten mit Sprechgesang

Ruhla  Der Rapper „Cannachris“ hat mit einem Konzert in Ruhla die diesjährige Reihe „Kultur im Winkel“ eröffnet.

Der Rapper „Cannachris“ (rechts) mit Musikkollege „Saabuzza“ in Ruhla.

Der Rapper „Cannachris“ (rechts) mit Musikkollege „Saabuzza“ in Ruhla.

Foto: Susanne Reinhardt

Mit einem Rap-Konzert wurde am Freitag die neue Saison der Reihe „Kultur im Winkel“ in der Kirche St. Concordia eingeläutet. Die Kulturreihe, bei der von Frühjahr bis Advent verschiedene Genres präsentiert werden, ist 15 Jahre alt.

Fast alle Stühle im Seitenschiff der Winkelkirche waren besetzt, vom Vorschulkind bis zum Rentner. Ungefähr 60 Leute waren neugierig, was Gerhard Reuther, der evangelische Pfarrer der Kirchgemeinde und Kopf der Kulturreihe, diesmal auf die Beine gestellt hatte, um nicht nur niveauvoll zu unterhalten, sondern für zwischenmenschliche Projekte zu begeistern.

Mit „Cannachris“ alias Christian Kaiser holte er sich keinen Neuling ins Boot. Den Rapper, der aus Bad Salzungen stammt, heute aber in Ruhla wohnt, erlebten einige der Zuschauer schon vor ein paar Jahren in Konzerten. Schon damals hatte er eine Fan-Schar. In seinem neuen Konzert jedoch übertraf er die vorausgegangenen in Qualität und der Tiefsinnigkeit seiner Texte.

Allein oder in Begleitung seines Musikkollegen „Saabuzza“ aus Erfurt, alias Benjamin Burkhardt, verstand es der gelernte Heilerzieher, das Publikum mitzureißen. Seine Songs handelten vorwiegend von „Großen Gefühlen“, so wie der Titel seines neuen, wahrscheinlich aber ersten richtigen Albums.

So erzählt zum Beispiel der Rap „Ida“ von der Trauer um das ungeborene Kind oder „Untergehen“ vom Stolz auf die Heimat Thüringen. Begleitet von Drummer Bertram David und seinem Sohn Jan Lucas als Tontechniker und DJ, erzählte er auch von Liebe im Allgemeinen und zu Gott, was sich mit der hauptberuflichen Tätigkeit im diakonischen Werk verbindet.

Die Pause nutzten viele aus dem Publikum für Gespräche mit den Musikern. Dabei hörte man immer wieder Ausrufe wie „einfach geil“ und Bürgermeister Gerald Slotosch (parteilos) gab zu, stolz auf diese Errungenschaft zu sein.

Spende statt Eintritt für Projekt in Ruanda

Da für das Konzert kein Eintritt verlangt wurde, warben Künstler und Pfarrer für ein Projekt mit jungen Talenten aus sehr armen Familien in Ruanda, das vom Ökumenischen Weltkreis des Erbstromtales unterstützt wird. Eine Ausbildung soll ermöglicht werden. Auch in Ruanda ist „Cannachris“ aktiv, es gibt bereits gemeinsame CD-Mitschnitte mit dem dortigen Reggae-Musiker „Ras Ergiz“. Beide Alben gab es beim Konzert, ein Teil des Erlöses daraus soll ebenfalls in das Projekt „Künstler für Kinder“ fließen.

Für die Gäste war es ein langer, sehr unterhaltsamer Abend, der nach Meinung aller unbedingt wiederholt werden müsse. Im Wartburgradio sollen einige Songs der Rapper zu hören sein.

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