Sänger Clueso gab Doppel-Konzert im großen Wohnzimmer

Erfurt. Insgesamt fast 17.000 Menschen feierten mit dem Musiker Clueso und seiner Band am vergangenen Wochenende in der Erfurter Messehalle.

Der Erfurter Sänger Clueso hat am Samstagabend großen Spaß in der ausverkauften Erfurter Messehalle. Foto: Marco Kneise

Foto: zgt

Erfurt Es geht alles sehr schnell. 10.000 Leute kommen aus der Kälte, sind aber heiß: auf Clueso und Band. Die betreten die Bühne, werden empfangen von begeistertem Grölen und Kreischen. "Wir als Band genießen das, hier anzukommen in Erfurt, in der Heimatstadt", ruft Clueso. Die Fans genießen es auch.

"Sag mal wie schnell verging schon wieder die Zeit", singt der 34-Jährige und fordert dann: "Lasst uns gemeinsam ein bisschen feiern, gebt uns etwas Energie!" Sie wird ihnen gegeben. Die Halle tanzt, zu "Mitnehm".

Bald heißt es, mit dem Erfolgstitel vom neuen Album: "Komm lasst uns freidrehen." Eine Viertelstunde alt ist das Konzert, die Party voll im Gang. Clueso überrascht: "Das ist ‘ne geile Energie! Ich dachte, ihr seid vollgefressener vom Weihnachtsfest."

Denkste! Eher scheinen alle ausgehungert zu sein. Immerhin vergingen drei Jahre, bis die Clueso-Truppe jüngst ein neues Album vorlegte; "Stadtrandlichter" ist das erste auf dem eigenen Label "Text und Ton". Zwei Jahre lang mied Clueso die Clubbühnen und Konzerthallen.

Als Gäste sind Niedecken und Lindenberg dabei

"Eigentlich kann sich das kein Künstler leisten, so lange nichts von sich hören zu lassen", heißt es im Begleitheft zur Tournee. Clueso aber konnte. Er verkroch sich mit Musikern im Erfurter "Zughafen", gab sich gleichsam musikalischer Weiterbildung und neuen Experimenten hin.

Mit Wucht kehrte er zurück. "Stadtrandlichter" stieg in der Album-Hitparade sofort auf Platz 1, erhielt mit der "1Live Krone" den Musikpreis eines Kölner Radiosenders und gilt auf der Internetplattform "iTunes" als das beste Album 2014.

Zehn umjubelte Hallenkonzerte gab es in Frankfurt, Berlin, München, Köln, Leipzig oder Hamburg. Nun also das große Finale, der doppelte Auftritt im Wohnzimmer. Schnell ausverkauft war der Samstag. Zum Zusatzkonzert kamen am Sonntag noch einmal knapp 7000 Leute.

Sie alle sind: "So sehr dabei". Hundertfach wird das 2008 erschienene Lied tags darauf auf Cluesos Facebook-Seite zitiert.

Auf der Bühne wirkt Clueso als Kraftzentrum eines kreativen Netzwerkes. Clueso ist längst mehr als die Künstlerpersönlichkeit von Thomas Hübner. Clueso ist ein Unternehmen, eine Maschine aber nicht. Liedzeilen klingen wie die kollektive Ermutigung, sich in Frage zu stellen: "Lass uns nicht sicher sein." "Ich steh nicht gern im Stau." Im Akustik-Gitarren-Trio mit Christoph Bernewitz und Tim Neuhaus singt Clueso: "Immer wenn ich was neues ausprobier, lauf ich wie barfuß über Glas."

Kaum Zufall, dass Wolfgang Niedecken und Udo Lindenberg, die in Erfurt "Verdamp lang her" und "Cello" mit Clueso singen, väterliche Freunde wurden. Hier begegnen sich Künstler, die ihr eigenes Ding machen.

Den "Fans der ersten Stunde" und den Rapper-Wurzeln widmet Clueso mit Dirty M und Norman Sinn ein Medley: "Da wohnt so‘n Typ", "Die Sonne geht auf", "Love the people".

Eine starke Licht- und Videoshow begleitet das grandiose Konzert. Am Ende wird aus der Halle fast ein Techno-Schuppen: "Erfurt is out of space."

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