De-Phazz treffen auf Stüba: Thüringer Orchester auf dem Jazz-Lounge-Sofa

Jena.  Die Lounge-Band De-Phazz trifft auf die Stüba-Philharmonie: Für Ende des Jahres ist in Jena ein Release-Konzert für das gemeinsame Album geplant.

Die Stüba-Philharmonie und das Lounge-Jazz-Projekt De-Pazz am Rande ihrer Aufnahmen im Juli 2019 in der Landesmusikakademie Hessen.

Die Stüba-Philharmonie und das Lounge-Jazz-Projekt De-Pazz am Rande ihrer Aufnahmen im Juli 2019 in der Landesmusikakademie Hessen.

Foto: Basile Cremer

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Dieses Album dürfte es gar nicht geben. Nicht deshalb, weil Popmusik im klassischen Gewand verboten gehörte oder weil ein sinfonisches Orchester nun einmal in keine Lounge passt, sondern einen Konzertsaal braucht. Nein, dieses Album war einfach nicht geplant.

Geplant war: ein neuer Meilenstein auf dem Crossover-Weg, den die thüringische Stüba-Philharmonie seit vielen Jahren beschreitet. Das aus ausgebildeten Musikern bestehende Laienorchester, 1999 in Stützerbach (Stüba) gegründet und heute im Erfurter Zughafen verortet, hat mit Clueso gespielt und mit den Pentatones, mit Anna Mateur und zuletzt mit Alin Coen.

Auf die Alin-Coen-Tour wurde das 1997 in Heidelberg gegründete Lounge-Projekt De-Phazz von Produzent Pit Baumgartner aufmerksam, das seitdem in sich verändernden Besetzungen zur ersten Adresse für souligen Elektrojazz in Deutschland wurde. Für den Sommer 2019 verabredete man mit der Stüba-Philharmonie eine kleine Tour, die in Köln und Münster beginnen sollte. In der Woche davor wollte man gemeinsam proben, in der hessischen Landesmusikakademie.

Als es soweit war, waren die beiden Konzerte aber abgesagt worden. Und so begann, was Pit Baumgartner „das eigentliche Abenteuer“ nennt. An einem Juli-Wochenende spielten De-Phazz und Stüba unter der Leitung des Dirigenten Paul Momberger zehn Stücke ein. Das Album „de capo“ entstand, das aus der Not viel mehr als eine Tugend machte. Es ist gerade veröffentlicht worden. Zwei Release-Konzerte finden zum Jahreswechsel in Jena und Hamburg statt.

Pit Baumgartner wusste nicht, was da auf ihn zukommt. „Ich wusste nur, was ich nicht will: eine Night-of-the-Proms-Platte.“ Der Mixprozess war aufwendig, so viele Tonspuren und „Tonnen von Daten“ hatte er noch nie auf dem Computer. Mit seinem Tonmischer aber ließ er schließlich das Orchester zwischen Kickdrum und dem Gesang von Pat Appleton, Barbara Lahr, Karl Frierson und Cherry Sanders sehr gut hörbar werden.

Die De-Phazz-Songs werden von der Stüba-Philharmonie nicht verziert oder zugekleistert. Der Orchesterklang durchwebt sie mit feinen Strukturen und unterstützt sie mit dramatischen Phrasen. Das hat mal mehr sinfonischen, mal mehr Bigband-Charakter.

Das liegt an den vorzüglichen Arrangeuren Tim Jäkel, Johannes Winde und Stefan Berger von Stüba-Seite, die insgesamt acht der Songs bearbeiteten. Die Erfolgsstücke „The Mambo Craze“, „Jazz Music“ und „No Jive“ galten als gesetzt, die übrige Auswahl hatte Baumgartner dem Orchester überlassen. Hauptsache songorientiert und auf dem Popweg unterwegs.

Fünfzehn Alben hat De-Phazz bislang herausgebracht. Aus Versehen sozusagen folgt nun das sechszehnte, mit dem die Stüba-Philharmonie ihrerseits ihr zwanzigjähriges Bestehen feiern darf. Zuletzt war ihr Clueso-Projekt auf Tonträger verewigt worden.

Das vereinsgetragene Orchester, aus Spaß an der Freude geboren, hat sich die Gründungsidee bis heute erhalten. Jährlich plant es ein sinfonisches, ein Kammermusik- und eben ein Crossoverprojekt. Kooperationen wie die mit De-Phazz sind sehr in seinem Sinne, es liegen laut Vereinssprecher Jens Kobe auch viele Anfragen dafür vor. „Solche Projekte bedeuten aber eben auch einen unglaublichen Aufwand, zeitlich und finanziell. Kein Musiker kriegt dafür Geld, er soll aber auch nicht draufzahlen müssen.“

Stüba spielt Bach, Mendelssohn-Bartholdy oder Prokofjew, die Totenmessen von Mozart, Brahms oder Fauré auf dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, es spielt Rio Reiser mit Anna Mateur und führt musikalische Puppenspiele auf.

Dabei zeigt sich das Orchester nicht beliebig, aber vielseitig. Und es passt dann doch bequem auch auf ein großes Jazz-Lounge-Sofa.

Release-Konzert am Sonntag, 29. Dezember, 20 Uhr, im Volkshaus Jena.

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