Sonderausstellung "Glauben und Handeln" in Jena: Zwischen mystischen Feiern und Waffenmesse

Jena.  Die Fotoschau des Erfurters Julian Röder im Jenaer Stadtmuseum findet vorerst ohne Besucher statt.

Der Fotograf Julian Röder vor einer seiner Fotografien, mit denen er den internationalen Kunsthandel kritisch begleitet.

Der Fotograf Julian Röder vor einer seiner Fotografien, mit denen er den internationalen Kunsthandel kritisch begleitet.

Foto: Michael Groß

Mit ihr sollte das Jenaer Stadtmuseum nach längerer Sanierung eigentlich am 5. Dezember wiedereröffnet werden - die Sonderausstellung "Glauben und Handeln" des Fotografen Julian Röder. Der Fotokünstler hat auch bereits gemeinsam mit Museumschef Erik Stephan und seinem Team die Ausstellung im historischen Haus "Göhre" am Markt komplett aufgebaut. Doch erst einmal umsonst.

Denn wie jedes andere Museum bleiben auch das Stadtmuseum und die dort beheimatete Galerie der Jenaer Kunstsammlung wegen Corona geschlossen. "Aber immerhin, wir können sofort loslegen, wenn es denn wieder möglich sein wird", sagt Stephan. Er verweist darauf, dass die ständige Ausstellung zur Stadtgeschichte zum Großteil wieder aufgebaut sei und neben der Foto-Ausstellung auch noch eine weitere Sonderschau des in Deutschland lebenden vietnamesischen Malers Nguyen Xuan Huy inzwischen auf Besichtigung wartet. Sofern der Museumsbetrieb wieder starten darf.

Doch zurück zu Julian Röder und seiner Fotokunst. Der 39-jährige gebürtige Erfurter, der in Berlin lebt, präsentiert in Jena Werke aus mehreren seiner Zyklen. Zum Beispiel von den Protesten am Rande internationaler Gipfeltreffen wie etwa 2001 in Genua. Es sind Bilder von Gewalt und Gegengewalt, die scheinbar rein dokumentarisch weder Gewinner noch Verlierer erkennen lassen, dafür aber dicke Fragezeichen hinterlassen. Ein anderer Zyklus stellt mystisch wirkende Fotografien unter dem Titel "Licht und Angst" vor. Dafür reiste Röder sogar 2016 nach Sibirien, wo er kultische Feiern der sogenannten Anastasia-Bewegung besuchte. Er knüpft damit auch an die Reformbewegung von Anfang des 20. Jahrhunderts an, so wie sie unter anderem in Jena vom Verleger Eugen Diederichs auf der Suche nach neuen naturverbundenen Lebensformen mit seinem Serakreis betrieben wurde. Der Fotograf zeigt sich hierbei als aufmerksamer Beobachter, der zwar fesselnde, aber keineswegs verklärende Fotos einfängt.

Weitere Zyklen zeigen Röder als kritischen Beobachter. So gelang es ihm mit seiner Kamera, auf die weltweit größte Waffenmesse nach Abu Dhabi zu kommen. Es entstanden Fotos, die abschreckend wie auch fast familiär und geradezu harmlos wirken. Ebenso interessant sind Röders Fotografien, die den internationalen Kunsthandel beleuchten und die Gefahr deutlich machen, dass Kunst zunehmend zum Spekulationsobjekt der Superreichen wird. Alles in allem: Röder ist mit seiner Kamera sehr aufmerksam der Globalisierung und deren politischen, kulturellen und religiösen Auswirkungen gefolgt. Es bleibt die Hoffnung auf baldige Eröffnung.

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