128 junge Spanier mit Versprechungen nach Thüringen gelockt

Erfurt. Fast ohne Deutschkenntnisse und 2000 Kilometer von der Heimat entfernt: 128 junge Spanier im Alter zwischen 18 und 35 Jahren fühlen sich in Erfurt im Stich gelassen.

Luciano Mera Palermo ist einer der vielen jungen Spanier, die mit vielen Versprechungen nach Thüringen gelockt wurden. Foto: Marco Schmidt

Luciano Mera Palermo ist einer der vielen jungen Spanier, die mit vielen Versprechungen nach Thüringen gelockt wurden. Foto: Marco Schmidt

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Man habe ihnen in der Heimat einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz und gute Unterkünfte versprochen, sagte Luciano Mera Palermo am Montag unserer Zeitung. Der 30-Jährige kommt aus Madrid und spricht für die Gruppe der jungen Spanier, die sich getäuscht und verraten fühlt. Es sei von Zweibett-Zimmern mit Bad, Heizung und Internet die Rede gewesen. Jetzt wohne man zu zehnt auf einem Zimmer.

Nur sieben junge Spanier begannen nach ihrer Ankunft in Erfurt einen Deutschkurs, aber auch sie wurden von der Firma wieder hinausgeworfen, weil der Kurs nicht bezahlt worden sei, sagte Mera Palermo. Auf die versprochenen Ausbildungs- und Arbeitsverträge warten bislang auch die meisten vergebens. Nur dank des Eingreifens der spanischen Botschaft in Deutschland hätten die ersten Spanier jetzt Lehrverträge unterschrieben.

In Spanien habe das Unternehmen Sphinx Consulting SL aus Madrid auf großen Präsentationen für die Arbeit in Thüringen geworben. Gerade in der Gastronomie würden Lehrlinge gesucht, habe es geheißen. Über ein spezielles Förderprogramm der Bundesregierung seien Zuschüsse zu den Umzugs- und Anreisekosten möglich.

In Wirklichkeit hätten viele von ihnen die 150 Euro für den einmonatigen Deutschkurs in der Heimat selbst bezahlen müssen. Auch das Flugticket nach Frankfurt und die Bahnfahrt nach Erfurt wurden aus eigener Tasche beglichen, sagte Mera Palermo. Nun bezahle man die Unterkunft und habe kaum noch Hoffnungen, das Geld wiederzusehen.

Denn inzwischen habe die Botschaft, die man in der Not eingeschaltet hat, ihnen erklärt, dass sie Anträge auf Zuschüsse und Fördermittel in der Heimat hätten stellen müssen.

Diese private Initiative sei kein seriöses Geschäftsgebaren, so Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD). Bei solchen Vorhaben sei es notwendig, im Vorfeld mit allen zuständigen Stellen Kontakt aufzunehmen und die Unterkünfte zu klären.

Sven Knierenschild, Chef der Sphinx Consulting, spricht dagegen von Missverständnissen. Er habe die jungen Leute nach Thüringern vermittelt, hier sei seine Geschäftspartnerin Kerstin Schmidt, zuständig. Sie leitet eine private Zeitarbeitsfirma und sieht keine Probleme. "Die Spanier werden alle in nächster Zeit Lehrverträge bekommen, von Arbeitsvermittlung war dagegen nie die Rede", sagte Schmidt.

Leitartikel: Imageschaden für Thüringen

Der spanische Fernsehsender laSexta berichtet über das Thema