Aktuelle Zahlen zur sozialen Lage Studierender vorgestellt

Akademiker bleiben weiter unter sich, zeigt die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes. Ein Armutszeugnis für die Sozialpolitik für Studenten, nennt das die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften.

Fast jeder Zweite bleibt zum Studieren in Thüringen. Foto: Sascha Fromm

Fast jeder Zweite bleibt zum Studieren in Thüringen. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Erfurt/Berlin. Von 100 Abiturienten, das zeigt die Erhebung, bleiben 45 zum Studium in Thüringen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 66 Studierenden, die ihrem Heimatland treu bleiben, für die neuen Länder liegt er bei 70. Die Studenten im Freistaat sind vor denen aus Sachsen die zweitärmsten Deutschlands. Ihre monatlichen Einnahmen liegen mit durchschnittlich 712 Euro um 100 Euro unter dem Bundeswert. Studierende in Hamburg belegen mit 969 Euro den ersten Platz. Ein Viertel aller Studierenden muss mit weniger auskommen als dem BAföG-Höchstsatz von 648 Euro. Dabei sind die Unterschiede in der Höhe ihrer Einkünfte nicht an die soziale Herkunft gebunden. Die im Schnitt 50 Euro Differenz zwischen der Herkunftsgruppe „hoch“ und „niedrig“, nennen die Statistiker marginal.

Vor allem Kinder von Akademikern gehen an die Hochschulen. Binnen 19 Jahren stieg ihr Anteil von 36 auf 51 Prozent. In den letzten vier Jahren hat sich der Trend zumindest nicht weiter fortgesetzt. Überraschenderweise kommen gerade in den neuen Ländern fast zwei Drittel der Studierenden aus der gehobenen und hohen sozialen Herkunftsgruppe; in den alten Ländern nur 58 Prozent.

Gestützt auf die Zahlen wird die Sozialpolitik für Studenten angegriffen. „Deutschland bleibt Weltmeister bei der sozialen Auslese“, kritisiert GEW-Vorstand Andreas Keller. Die Bundesregierung müsse alle Hebel bewegen, um die Hochschulen „sozial zu öffnen“. Der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften nennt die Um-frage einen Beweis dafür, „dass Studiengebühren eine Mobilitätshürde sind“. „Thüringen ist mit der Abschaffung des Verwaltungsgebühren auf dem richtigen Weg zum Abbau finanzieller Hürden“, kommentiert Wissenschaftsminister Christoph Matschie (SPD) die Studie. Er kritisiert zugleich das jetzt von Schwarz-Gelb verabschiedete nationale Stipendienprogramm, für das die Hochschulen je die Hälfte des Geldes bei privaten Spendern einwerben müssen. Weil das in Bayern oder Baden-Württemberg leichter sei, warnt Matschie vor fatalen Wirkungen für hiesige Hochschulen.

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