Ilm-Kreis: 100 Jahre Volkshochschule sind ein Grund zum Feiern

Ilm-Kreis  Arnstadt Bürgermeister nimmt 1919 die Sache persönlich in die Hand. Jubiläumsfest mit einem Markt der Möglichkeiten.

Die Volkshochschule Arnstadt-Ilmenau blickt auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück. Kreative Betätigung gehört zu den Angeboten. Mandy Hallbauer (links) und Rüdiger Hahn von der Schulleitung laden mit Landrätin Petra Enders (Mitte) am 18. Mai zu einem großen Fest ein. 

Die Volkshochschule Arnstadt-Ilmenau blickt auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück. Kreative Betätigung gehört zu den Angeboten. Mandy Hallbauer (links) und Rüdiger Hahn von der Schulleitung laden mit Landrätin Petra Enders (Mitte) am 18. Mai zu einem großen Fest ein. 

Foto: Antje Köhler

„Herzlichen Glückwunsch“, schreibt Landrätin Petra Enders (Linke) an die Tafel im Kreativraum der Volkshochschule in der Straße „Am Bahnhof“ in Arnstadt. Hier stehen Schüsseln und Vasen aus Ton in den Regalen, ebenso Bilder. Sie geben einen Eindruck von den vielen Möglichkeiten der künstlerischen Betätigung in diesem Haus.

Als vor 100 Jahren an vielen Orten in Thüringen Volkshochschulen (VHS) gegründet wurden, gehörte die in Arnstadt zu den ersten. Oberbürgermeister Harald Bielfeld nahm die Sache persönlich in die Hand. Innerhalb kürzester Zeit kam es zu einer Gründungsversammlung im Rathaus und am 12.Mai 1919 zur feierlichen Eröffnung in der Aula der Fürst-Günther-Schule am Schlossplatz. Was damals innerhalb von fünf Wochen auf die Beine gestellt wurde, wirkt bis heute nach.

In der Chronik werden Harald Bielfeld und Hans Keil als die ersten Direktoren ab 1919 genannt. Zu den ersten Kursen traf man sich meist wochentags von 19 bis 21 Uhr. Es ging um Sprachen, Kultur, musische Bildung. Am 30. Januar 1920 zog Ilmenau mit der VHS-Gründung im Lindentheater nach. Albert Bayer war der erste Direktor, Sprachunterricht ein Schwerpunkt. So enthielt der erste Arbeitsplan Kurse in Englisch, Russisch, Französisch. Auch das Kulturleben wurde bereichert, so veranstaltete die Schule in Ilmenau in Zusammenarbeit mit den Theatern Weimar und Sondershausen-Arnstadt Aufführungen und Vorträge.

Früher gab es Kurse zu Hellseherei

In den Anfangsjahren fanden auch recht kuriose Veranstaltungen wie zu Thesen zum Weltuntergang oder zum Hellsehen statt, nennt Petra Enders in einem Pressegespräch einige Beispiele. Zur Vorbereitung des Jubiläumsjahres wurden nicht nur historische Kurshefte zusammengetragen, sondern für eine Ausstellung im Schlossgarten-Theater auch Dokumente aus den Anfangsjahren.

Bis heute ist die Einrichtung ein Ort lebendigen Lernens – für jeden erreichbar und dank Förderung auch bezahlbar. „Der Ilm-Kreis als Träger sieht die Volkshochschule Arnstadt-Ilmenau mit ihren Außenstellen nicht nur als Pflicht, sondern auch als Auftrag, lebenslanges Lernen, die öffentliche Meinungsbildung, den Austausch und die Freiheit der Lehre zu unterstützen“, betonte die Landrätin. Neben den beiden Standorten in Arnstadt und Ilmenau gibt es die drei Außenstellen in Stadtilm, Gräfenroda und Großbreitenbach.

In den verschiedenen Bereichen finden sich zahlreiche Angebote, die bereits von Anfang an in den Kursbüchern standen wie Wandern, Kochen, Sport, Kunst, Sprachen und Umwelt.

Zur Geschichte der Volkshochschule gehören aber auch die Jahre der politischen Vereinnahmung, betonte Direktor Rüdiger Hahn. So wurde die VHS in Arnstadt 1930 von NS-Gefolgsleuten gekapert, die nun fast ausschließlich Kurse wie Rassenmessungen und deutsche Erlösungslehre veranstalteten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand die Volkshochschule Arnstadt-Ilmenau als Institution des Landkreises, im November 1945 wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Man habe die Einrichtung allerdings in den 1950er-Jahren „zur sozialistischen Schule der Werktätigen degradiert“, kritisiert Hahn. Berufliche Qualifizierung habe im Mittelpunkt gestanden, erst in den 1980er-Jahren gewann die kreative Betätigung wieder an Bedeutung. Gingen die Kreise Arnstadt und Ilmenau und damit auch ihre Volkshochschulen viele Jahre getrennte Wege, sind sie längst wieder vereint. Der Traum, die ehemalige Fachhochschule Kunst in der Lindenallee zum Arnstädter VHS-Sitz auszubauen, liegt momentan auf Eis. Aus Bundesmitteln wird es keine Förderung geben. „Wir müssen uns neu orientieren“, erklärte Petra Enders und setzt ihre Hoffnungen nun auf die Städtebauförderung.

Der 100. Geburtstag soll gebührend gefeiert werden – und das ein ganzes Jahr lang. Auf die schon erwähnte Ausstellung folgt am 18. Mai im Schlossgarten in Arnstadt ein „Markt der Möglichkeiten“, der demonstriert, wie bunt und vielseitig die Angebote der Einrichtung sind.

Das Programm zum Jubiläum

Die Gründung der Volkshochschule Arnstadt wurde am 12. Mai 1919 gefeiert. Genau 100 Jahre später, am Sonntag, 12. Mai 2019, 11 Uhr, wird im Theater Arnstadt eine Ausstellung zur Geschichte der Bildungseinrichtung eröffnet. Angeboten wird ein Markt der Möglichkeiten auf dem Theatervorplatz und im Schlossgarten am 18. Mai, von 10 bis 13.30 Uhr, mit Überraschungen, Mitmach- und Kreativangeboten wie unter anderem mit Glasfusing, Schmuckherstellung, Keramik, Klöppeln, orientalischem Tanz, Gesundheitsangeboten, Lesungen des Poesiekurses, Wirbelzauber-Tanzgruppe, Naturheilmittel und Olitäten. Kinder-Uni ist auf Tour: Professor Scharff zeigt Experimente am Samstag, 18. Mai, 14.30 Uhr, im Theater.

Festakt und Empfang zu 100 Jahre Volkshochschule für geladene Gäste, 18. Mai, 17 Uhr, Theater Arnstadt. Vernissage zur Ausstellung „100 Jahre Frauenwahlrecht“ in der Volkshochschule Ilmenau, 6. Juni. Die Ausstellung „100 Jahre Volkshochschule Arnstadt-Ilmenau“ wird im Schulteil in Ilmenau gezeigt, Vernissage am 30. Januar 2020.