Lok-Doktor von Treffurt kümmert sich um streikende Eisenbahnen

Die Zunft der Lokomotiv-Doktoren ist überschaubar, auch wenn das Fehlen eines akademischen Titels nicht notwendig ist. Doch der Zusatz Doktor ist meist in der Berufsbezeichnung zu finden. So auch bei Michael Wevering, dem "Lok-Doc" aus Treffurt.

"Lok-Doc" Michael Wevering zeigt eine E-Lok. Foto: Heiko Kleinschmidt

"Lok-Doc" Michael Wevering zeigt eine E-Lok. Foto: Heiko Kleinschmidt

Foto: zgt

Treffurt. Eigentlich stammt der 45-Jährige aus Niedersachsen. Doch die Liebe führte den gelernten Elektriker vor elf Jahren in die thüringische Werrastadt. Allerdings nicht als Elektriker, sondern als Fachmann für Lokomotiven und Wagen von Modelleisenbahnen.

Wer glaubt, in der Friedrich-Ebert-Straße 38 auf einen Lokschuppen zu stoßen, der wird enttäuscht. Aber einige Regalwände mit unzähligen kleinen Fächern für die Schrauben und Ersatzteile, die beeindrucken doch etwas. Denn für Reparaturen, Umrüstungen und die Digitalisierung von Modelleisenbahnen samt Zubehör ist einiges erforderlich. Wenn dies auch oft recht winzig ist.

Sein Reparaturhandwerk eignete sich Michael Wevering als Angestellter in einem Modellbahnfachgeschäft selbst an. Denn es blieb nicht aus, dass Technik auch repariert werden muss. Und da gute Modellbahnen nicht preiswert zu haben sind, lohnt es sich, Defektes Instand zu setzen.

Nicht nur deutschlandweit ist der Treffurter "Lok-Doc" bekannt, auch in Österreich und der Schweiz findet sich seine Kundschaft. Der Postversand macht dies möglich. Bei Michael Wevering kommen alle Spuren auf den Werkstisch: Von der Spur Z bis hin zur Gartenbahn.

"Eine Modellbahn ist ein wenig wie ein Auto", meint Michael Wevering. Sie muss gewartet und gepflegt werden. Eine Lampe wechseln, das könne ein jeder. Aber wenn die Mehrzugsteuerung streikt, dann ist es besser, den Fachmann ranzulassen. Denn: Zwar gibt es noch altbewährte Mechanik unter den winzigen Fahrzeugkarosserien, aber auch dort hielt Elektronik Einzug. Es wird Rauch erzeugt, da blinken Lichter, die Geräusche bei der Anfahrt sind zu hören und auch die Ansagen auf einem Bahnsteig. Dies alles wird mittlerweile in einer Modelllokomotive erzeugt.

Wo die Leidenschaft für Modellbahnen bei Michael Wevering herkommt, da hat wohl ein wenig sein Onkel einen Anteil. Der war Fahrdienstleiter bei der Bahn, und das Schrankenwärterhäuschen nur 500 Meter von der Wevering-Wohnung entfernt. So verbrachte dereinst der Junge manche Stunde im Stellwerk. Später baute Wevering seine eigene Modellbahnanlage. Bis zu vier Züge fuhren darauf gleichzeitig. Repariert werden Loks, Wagen und sämtliche Gleisanlagen. Erforderlich ist ein ordentliches Uhrmacherhandwerkszeug. Größte Maschine ist eine Fräse. Sie schafft Platz unterm Lokgehäuse für zusätzliche Elektronik. Die Wünsche der Kundschaft hat die Modelle recht empfindlich werden lassen. Auch bei der Mechanik. So bricht schnell mal eine Kupplung ab. Mittlerweile gibt es bei den Herstellern eine Rückbesinnung auf robustere Ausführungen.

Ersatzteile fertigt Michael Wevering nicht an. Das ist sehr aufwendig. Die Hersteller liefern noch viele Jahre selbst nach dem Auslaufen von Modellen die erforderlichen Ersatzteile. Und dann bieten verschiedene Börsen die Möglichkeit, fündig zu werden.

Die meisten Modellanlagen widmen sich derzeit der sogenannten Epoche 3: Das ist die Zeit von 1945 bis 1970. Die Zugtechnik vollzog da einen Wandel von der Dampflokomotive über die Dieselloks bis hin zu elektrisch angetriebenen Zugmaschinen.

Zeit für die eigene Modellanlage findet Michael Wevering im Moment nicht. Doch er schaut sich gern andere an. Besonders beliebt beim Treffurter Lok-Doc ist das "Miniatur Wunderland" in Hamburg, das auch als größte Modelleisenbahn der Welt einen Ruf hat.

Zu den Kommentaren