Mieten für Studenten in Thüringen liegen unter dem Bundesdurchschnitt

Erfurt.  Studenten müssen in Thüringen weniger für Miete ausgeben als in anderen Bundesländern. Corona lässt die Preise aber steigen.

In Erfurt und Jenamüssen Studenten wesentlich weniger WG-Miete zahlen als ihre Kommilitonen im Bundesdurchschnitt. (Archivfoto)

In Erfurt und Jenamüssen Studenten wesentlich weniger WG-Miete zahlen als ihre Kommilitonen im Bundesdurchschnitt. (Archivfoto)

Foto: Marco Schmidt

In Jena und Erfurt müssen Studenten wesentlich weniger WG-Miete zahlen als ihre Kommilitonen im Bundesdurchschnitt – 300 statt 400 Euro für ein Zimmer. Am teuersten sind die begehrten Betten in München, Hamburg und Stuttgart – dort werden 650 Euro sowie jeweils 500 Euro verlangt.

Somit müssen Studenten mehr Geld fürs Wohnen ausgeben als bisher. „Nicht trotz, sondern gerade wegen der Corona-Pandemie setzt sich dieser Trend fort“, erläutert Stefan Brauckmann, Direktor des Moses-Mendelssohn-Instituts, das mit dem Immobilienportal WG-gesucht.de die Preise in allen Hochschul-Standorten mit mindestens 5000 Studierenden untersucht hat.

Untersuchung bringt überraschendes Ergebnis

Mit überraschendem Ergebnis: „Da Seminare und Vorlesungen fast ausschließlich als digitale Veranstaltungen angeboten werden und viele ausländische Studierende in ihren Heimatländern bleiben müssen, haben wir mit einem Rückgang der Nachfragen und Preise gerechnet.“ Doch an vielen Unis nehme die Zahl der Studierenden zu, weil es den Schulabgängern wegen Corona an Alternativen wie Auslandsaufenthalten oder Praktika mangele, so Brauckmann. „Viele junge Menschen wollen dennoch das Elternhaus verlassen und Erfahrungen sammeln.“

Zimmer in Wohngemeinschaften sind ein aussagekräftiger Indikator für die Entwicklung an den studentischen Wohnungsmärkten: „WG-Zimmer liegen in der Regel preislich zwischen dem geförderten Wohnheimplatz und einer allein bewohnten Kleinwohnung. Mehr als ein Drittel der Studierenden, die nicht bei den Eltern wohnen, leben in einer WG“, erklärt Brauckmann.

Für Ralf Schmidt-Röh vom Studierendenwerk Thüringen mit Sitz in Jena sind die Thüringer Zahlen keine Überraschung: „Bei vielen Rankings möchte man gern weit vorn stehen, bei dieser Studie freut man sich ja, weiter hinten zu stehen“, sagt der Geschäftsführer zum 69. Platz von Jena angesichts der 97 untersuchten Universitätsstädte. Erfurt ist mit weiteren Städten wegen der entspannten Wohnungsmarktlage gar nicht erst gelistet. Zudem lägen die Mieten des Studentenwerks rund 20 Prozent unter denen der privaten Vermieter, versichert Schmidt-Röh. „Im Durchschnitt kostet ein Zimmer 210 Euro.“

Private Vermieter orientieren sich an Preisen des Studierendenwerks

Viele private Vermieter in Thüringen würden sich bei ihren Mieten an den Preisen des Studierendenwerks orientieren, von daher sei das Ergebnis der Studie keine Überraschung. Zudem widerlege sie das Vorurteil, dass „Jena das München des Ostens sei“. Allerdings komme nur noch ein Drittel der Studenten in Thüringen aus Thüringen, sagte Schmidt-Röh. Wolle man die Zahl der Studenten im Land konstant halten, müsse man junge Leute aus anderen Bundesländern und dem Ausland nach Thüringen locken. Günstige Mietpreise seien dafür ein wichtiger Standortvorteil.

Corona habe aber auch dem Studierendenwerk zugesetzt: „Da viele Universitäten radikal auf das Internet-Studium umgestiegen sind, stellt sich vielen Studenten die Frage, ob sie überhaupt ein Zimmer mieten müssen. Online können sie ja auch zu Hause studieren“, erklärt Schmidt-Röh. Das wirke sich auf den studentischen Wohnungsmarkt aus und freue die Neuankömmlinge: „Die Bewerberzahlen im Herbst waren so hoch wie immer. Und alle haben ein Zimmer gefunden.“ Aktuell vermittelt das Studierendenwerk Thüringen 8000 Zimmer.