Springstille: Mit zwei PS und viel Herzblut

Jens Nattermann sagt, er war der jüngste Pferderücker der DDR. Heute gehört der 40-Jährige zu den letzten, die das Holz mit den großen Kaltblütern aus dem Wald holen - ganz ohne Maschinen, sechs Tage die Woche und auch im Winter.

Jens Nattermann aus Springstille ist einer der letzten Holzrücker, die ganzjährig mit dem Pferd Holz aus dem Wald holen. Foto: Sascha Willms

Jens Nattermann aus Springstille ist einer der letzten Holzrücker, die ganzjährig mit dem Pferd Holz aus dem Wald holen. Foto: Sascha Willms

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Springstille. "Hören Sie mal auf die Vögel, der Frühling ist endlich da", lacht Nattermann im Karrental bei Grumbach (Schmalkalden-Meiningen) erleichtert. Dieser Winter hat ihn geschlaucht, sagt er, zeigt auf das steile Waldstück vor sich und treibt sein Pferd mit "Hiah" hinauf. Etwa 200 Meter schnaubt Hans den Berg hinauf, Nattermann hinterher. Auf dem Weg nach unten hängen einige Baumstämme in der rasselnden Kette, die der Rücker hinter dem Pferd hastig zwischen den Bäumen durch fädelt. "Bei minus 15 Grad wird das zur Qual." Doch was oben der Forstarbeiter umgelegt hat, muss raus aus dem Wald. Einige Dutzend Mal geht das so an einem Tag, der für ihn und seine Tiere früh um vier beginnt.

Zuhause ganz in der Nähe in Springstille, wo er im Mai das zwanzigjährige Jubiläum seiner Selbstständigkeit feierte, füttert er dann die Tiere, frühstückt mit den Söhnen Till, Raoul und seiner Lebensgefährtin. Dann spannt er seine Pferde Lukas und Hans vor den Wagen. Sie gehören zur Familie, sind sein Ein und Alles. Vierzig Minuten dauerte heute die Fahrt ins Revier. Seinen Schlepper nimmt er nur für weiter entfernte Einsatzorte. Ein Arbeitsgespann mit zwei Pferden spart im Jahr rund 3000 Liter Kraftstoff, hat Nattermann in einem Buch gelesen. Außerdem zerstört er mit den Tieren den Untergrund nicht, schlägt weder Schneisen in den Wald noch braucht er Stahlketten auf dem Boden, wie die riesigen Erntemaschinen und Rückeschlepper. Die Bestände, aus denen er Holz holte, haben Kyrill besser überstanden als die maschinell beackerten, sagt Nattermann stolz.

Voll ökologisch sei seine Arbeit, ideal für ein Biosphärenreservat. Doch während die Pferde mit dem Naturschutz in Bayern wieder an Bedeutung gewinnen, sei das in Thüringen schwierig. Zu langsam, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Dabei schaffen zwei Gespanne schon die Arbeit eines Rückeschleppers. Nattermann will weiter machen. Der Großvater hatte Pferde, der Vater und sein Bruder hat auch welche. "Es ist ein Knochenjob, den nicht jeder machen kann, aber mir liegt er im Blut." Und er will Werbung machen für seine Art, Holz aus dem Wald zu holen. Nach dem ersten Pferderücker-Tag, den er 2009 in Springstille mit veranstaltete, soll es am 4. September eine Neuauflage mit einer Meisterschaft im Holzrücken geben. Jens Nattermann wird natürlich auch rücken.