Thüringer Lehrer fordern mehr Hilfe für Flüchtlingskinder

Erfurt. Angesichts wachsender Zahlen von Flüchtlingen bräuchten Thüringer Schulen laut Lehrer-Gewerkschaft dringend mehr personelle und finanzielle Hilfe für die Integration von Flüchtlingskindern in den Schulalltag.

Angesichts wachsender Zahlen von Flüchtlingen bräuchten Thüringer Schulen laut Lehrer-Gewerkschaft dringend mehr personelle und finanzielle Hilfe für die Integration von Flüchtlingskindern in den Schulalltag. Foto: Alexander Volkmann

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Thüringens Lehrerschaft schlägt Alarm. "Angesichts wachsender Zahlen von Flüchtlingen brauchen Schulen dringend mehr personelle und finanzielle Hilfe für die Integration von Flüchtlingskindern in den Schulalltag", fordert Michael Kummer, Sprecher des Landesverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Mangelnde Deutschkenntnisse behindern die Teilnahme der Kinder am Unterricht und am Schulalltag stark, so der GEW-Sprecher. Mit den oftmals traumatischen Erlebnissen in den Heimatländern und der Flucht sei das für die Schüler besonders prekär. Dies stellt die Lehrer vor Herausforderungen, bei denen sie sich häufig allein gelassen fühlen.

In einer "Gothaer Erklärung" fordert die GEW von der Landesregierung ein Sofortprogramm zur Unterstützung von Flüchtlingskindern. Zu den dringlichsten Maßnahmen wird darin eine Sofortinvestition von 1,5 Millionen Euro zur Sprachförderung durch darin qualifizierte Pädagogen aufgelistet.

Die Stellen für Sozialarbeiter, Psychologen und Lehrer für Deutsch als Zweitsprache müssten erhöht werden.

Außerdem fordert die Gewerkschaft die Bildung von Netzwerkschulen, damit die Kinder besser und in Gesamtheit Unterricht erhalten.

Künftig Sprachausbildung an der Universität Jena

Im Kultusministerium stimmt man der Notwendigkeit von Mehraufwendungen in diesem Bereich zu. Die bestmögliche Integration von Flüchtlingskindern ist ein zentrales Thema, so Ministeriumssprecher Gerd Schwinger.

Über die Summe kann man derzeit noch nichts sagen, dies sei den Haushaltsverhandlungen vorbehalten. Die Qualifizierung von Lehrkräften wird aber ausgebaut, sagte der Sprecher. Erst im Dezember 2014 sei die erste Weiterbildung für Sprachlehrer abgeschlossen worden. 15 qualifizierte Lehrkräfte stehen seit Kurzem zur Verfügung. Künftig werden an der Jenaer Universität Lehramtsstudenten auch Deutsch als Zweitsprache als Drittfach studieren können.

Zu wenig und zu langsam, kritisiert dagegen der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbandes, Rolf Busch, solche Erklärungen. Angesichts der wachsenden Flüchtlingszahlen seien 15 Lehrer für Deutsch als Zweitsprache nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch die Zahl der Psychologen und Schulsozialarbeiter sei zu gering.

Die Integration von Flüchtlingskindern gehört zum Berufsethos der Lehrer, so Busch. Doch angesichts knapper Personaldecken sind die Pädagogen vielerorts mit diesem Anspruch überfordert. "Wir brauchen mehr Mittel und auch eine Koordinierung der Maßnahmen auf Augenhöhe mit der Basis in den Lehrerzimmern", so Busch. Es könne nicht dem Zufall überlassen werden, auf welche Umstände Flüchtlingskinder in Thüringer Schulen stoßen.

Fachkräfte für deutsche Sprache an Thüringer Schulen:

Laut Thüringer Bildungsministerium lernen derzeit rund 4000 ausländische Schüler an Thüringer Schulen. Eine Schulpflicht gilt für alle Kinder bis 16 Jahre.

Für die Ausbildung von Lehrern, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten, liegen nach Angaben des Thüringer Instituts Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm) aktuell 70 Anmeldungen vor.

Im Einzugsbereich des Schulamtes Mittelthüringen unterrichten derzeit an drei Schulen speziell ausgebildete Lehrer Intensivkurse. An zwei weiteren Schulen steht die Einrichtung solcher Kurse kurz bevor.

Die Reportage: Erfurter Schule als Vorbild für gelungene Integration

Elena Rauch über die Lehrerforderung nach mehr Hilfen für Flüchtlingskinder.

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