Thüringer Schulanfänger lernen keine Schreibschrift mehr

Erfurt. 16.600 Thüringer Kinder sind seit einer Woche neu in der Schule. Im Deutsch-Unterricht beginnen viele mit dem M, einige mit einem anderen Buchstaben. Gemeinsam haben sie alle, dass sie das Schreiben in der Druckschrift erlernen - alle Buchstaben, groß und klein.

Die Schrift in der Grundschule ist oft ein Thema unter den Eltern. Archiv-Foto: Alexander Volkmann

Die Schrift in der Grundschule ist oft ein Thema unter den Eltern. Archiv-Foto: Alexander Volkmann

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"Nach dem Druckschrift-Lehrgang beginnen wir mit der Schreibschrift", erklärt Sandy Hausmann. Sie führt eine zwei-te Klasse an der Grundschule Großfahner und weiß aus Erfahrung: "Einige Kinder bleiben dann in der Schreibschrift, einige in der Druckschrift, manche mischen. Für mich ist das in Ordnung, wenn ein Kind es schafft, flüssig und klar in der Form zu schreiben."

Es gibt aber auch andere Erfahrungen.

An der Grundschule in Kranichfeld sind viele Eltern erstaunt darüber, dass mitten in der Schuleingangsphase, die die Klassen eins und zwei umfasst, abrupt die Schrift geändert wird. Elternsprecherin Anke Schmidt schreibt: "Selbst jetzige Erstklässler, welche bereits mit der Schreibschrift angefangen haben, bekommen sie von Seiten der Schule nicht weitergeführt."

Die Druckschrift ist aus Büchern bekannt

Der Thüringer Lehrplan lässt durchaus offen, ob Kinder die Schreibschrift erlernen müssen. Er besteht aber auch nicht darauf, die Schreibschrift wegzulassen.

"Er legt es in das Ermessen der Lehrer, die ihre Schüler genau kennen, sinnvolle Angebote und Übungen zu machen, mit denen jedes Kind bis zum Ende von Klasse vier eine individuelle Handschrift erlernen kann." Das sagt Ute Eckert als zustän-dige Referentin beim Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm).

"Die Druckschrift ist als Erstschrift verbindlich, denn sie ist die Begleitung zum Lesen, und sie ist den Kindern in Bilderbüchern und im Alltag bereits vor der Schule oft begegnet", begründet Ute Eckert das.

Alle folgenden Schriftarten könnten auf dem Weg zu einer eigenen Handschrift dann bereichern. Das sei meist die Schreibschrift, aber die Kinder sollten verschiedene Schriftarten kennenlernen, auch Sütterlin.

Die Schrift in der Grundschule ist oft ein Thema unter den Eltern. "Sie spaltet auch die Lehrer", weiß Andreas Jantowski, Direktor am Thillm. Es gebe viele verschiedene Erfahrungen. Allerdings gebe es keine empirischen Studien dazu, was als Schuleingangsschrift besser und was schlechter sei. Unbestritten sei das Schreiben in Druckschrift leichter zu erlernen.

Mit der Handschrift von Klasse vier wechseln die Kinder in Thüringen auf die fortführenden Schulen. Die Lehrer dort wissen, wie wichtig die Schrift ist, und legen Wert darauf, dass eine gute Handschrift erhalten bleibt.

Anke Hamm, Lehrerin am Evangelischen Ratsgymnasium in Erfurt, sagt: "Wir geben nicht nur in Aufsätzen, sondern in allen Klassenarbeiten eine Formnote und bewerten "damit "die leserliche Form. Die gelingt in der Schreibschrift deutlich besser."

Thüringer Lehrplan-Kriterien für das Schreiben in der Grundschule

Die Erstklässler erlernen alle Groß- und Kleinbuchstaben in der Druckschrift. Im Anschluss werden sie mit weiteren Schriften vertraut gemacht. In aller Regel ist es die Schreibschrift für Groß- und Kleinbuchstaben. Das liegt im Ermessen der jeweiligen Lehrer, die sich an der Schule mit den Kollegen austauschen und zu den Schulmaterialien einigen.

Als Kompetenz-Ziele stehen im Lehrplan für die Schüler am Ende der Klasse zwei: flüssiges, formklares und leserliches Schreiben in der Druckschrift und am Ende der Klasse vier: eine gute, lesbare, individuelle Handschrift.

Leitartikel: Die Schreibschrift ist abgeschrieben

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