Weimarer Absolventen stellen Projekte bei Summaery 2012 vor

Die "Summaery 2012" lädt vom 12. bis 15. Juli zum Besuch auf den Weimarer Campus und weit darüber hinaus ein. Hier werden einige Projekte der Abschlussarbeiten der Universität Weimar vorgestellt - beispielsweise die Entwicklung eines neuartigen Informationssystems für Touristen.

Jelena Djokic und Michael Hengst haben eine App für mobile Telefone entwickelt, die eine Führung durch die historische Altstadt ermöglicht. Foto: Thomas Müller

Jelena Djokic und Michael Hengst haben eine App für mobile Telefone entwickelt, die eine Führung durch die historische Altstadt ermöglicht. Foto: Thomas Müller

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Weimar. Die "Summaery2012", die Jahresschau der Bauhaus-Universität Weimar, zeigt vom 12. bis 15. Juli die aktuellen Projekte und Abschlussarbeiten aus den vier Fakultäten Architektur, Bauingenieurwesen, Gestaltung und Medien. Unter dem Motto "Brücken schlagen" sind auf dem Campus und im Weimarer Stadtgebiet Ausstellungen, Präsentationen und Veranstaltungen zu erleben. Vorab stellen wir insgesamt acht ausgewählte Projekte vor, die auf verschiedene Art und Weise Brücken schlagen:

Mit der Zeitmaschine am Goethehaus

Im interdisziplinären Projekt "Zeitmaschinen" haben Informatiker und Gestalterinnen eine App entwickelt und designt, also ein Anwendungsprogramm für Mobiltelefone ("Smartphones"). Die App "Vademecum" erkennt durch den integrierten virtuellen Kompass und eine innovative Zeigemetapher Sehenswürdigkeiten Weimars und gibt blitzschnell Informationen zu Gebäuden und deren Geschichte.

Dieses Informationssystem haben Jelena Djokic, Lu Jin, Sabine Schulz und Michael Hengst aus den Studiengängen Mediengestaltung, Medieninformatik und Visuelle Kommunikation in gemeinsamer Arbeit entwickelt. Die Idee dazu lieferte der Weimarer Architekt Dietmar Gummel. Er bat die Studenten, von ihm gesammelte geografischen Daten in eine interaktive App zu verwandeln.

Medieninformatiker Michael hat zunächst die Daten in eine Karte übertragen. Mit Hilfe eines virtuellen Kompasses können sich Nutzer dann durch die Stadt navigieren. "Das Schwierigste aber war die von uns entwickelte Zeigemetapher. Sie musste nah an menschlichen Verhaltensmustern orientiert sein. Anwender sollen einfach ihr Handy auf das Gebäude ausrichten und das Gerät erkennt dann die Sehenswürdigkeit. Ich musste dafür viele Berechnungen ausführen", beschreibt Michael die Herausforderungen der Programmierung.

Mit einer Handbewegung erkennt die App nun beispielsweise das Goethehaus und liefert sofort umfangreiche Informationen zu Architektur, Veranstaltungen, Personengeschichte und Öffnungszeiten. Ein Zeitstrahl an der Seite ermöglicht außerdem die unkomplizierte Reise in die Vergangenheit.

"Welche Navigation verwenden wir für dieses Feature am besten und wie können wir das adäquat darstellen? Das waren wichtige Fragen für uns Gestalter", resümiert Mediengestalterin Jelena. Ganz fertig ist die App trotzdem noch nicht. Bisher sind in den Prototyp erst sechs Gebäude integriert. Dabei warten noch jede Menge Koordinaten. Langfristig soll die App erweitert werden und auch im App-Store verfügbar sein.

"Vademecum" kann zur "OpenLab Night" in der Bauhausstraße 11 erkundet werden: am 13. Juli 16 bis 22 Uhr.

Plattenbauten an der Universitätsbibliothek

Júlia Palao Arimon aus Spanien und Sebastian Prince aus Kolumbien kommen nach Weimar, um Medienkunst/Mediengestaltung zu studieren. Was sie vorfinden, ist das nahezu perfekte Klassik-Idyll. Doch nicht unweit der Innenstadt stoßen sie auf die Plattenbausiedlung im Westen.

Ihre Idee? Die Platte muss in die Innenstadt - damit Bürger, Studierende und Touristen konfrontiert werden mit den zwei Wirklichkeiten Weimars.

Im Projekt "I am a Wild Type" an der Professur Gestaltung medialer Umgebungen bei Ursula Damm gestalten die Studenten eine Installation, die mitten ins Zentrum eine lebendige Fensterfront aus Weimar West projiziert. Eine Performance gab es bereits, nun schlagen die Studenten zur "Summaery", am 12. Juli, mit Einbruch der Dunkelheit, erneut eine Brücke von der Universitätsbibliothek nach Weimar West.

In ihrer Arbeit "Windows-Fenster: a view through glass" installieren die Medienkunst-Studenten einen Plattenbau mitten in der Stadt. Die fensterlose graue Fassadenfront des Bibliothekneubaus dient als Projektionsfläche für zahlreiche Fenster aus dem entfernten Stadtteil. Damit wird nicht nur die Fläche neu belebt, sondern auch zum Symbol der Gegensätzlichkeit Weimars. "Fenster sind die Schnittstelle zwischen der inneren und der äußeren Welt der Menschen", beschreibt Júlia die Anordnung. Damit gibt die Installation einen öffentlichen und intimen Einblick in die zweite Realität Weimars. Die filmischen Aufnahmen, die als Grundlage für die Projektion dienen, haben unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. "Die Menschen aus den Neubaugebieten waren eigentlich sehr aufgeschlossen", resümieren die Künstler. Auch an der Bibliotheksfassade gab es bereits eine Aufführung - mit ebenso verwunderten und erfreuten Gesichtern.

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