Wie Siebtklässler Andreas Wisniewski erfährt, dass er ein „süßer“ Junge ist

Wutha-Farnroda  Das „Polenmobil“ macht zum zweiten Mal an der Regelschule in Wutha-Farnroda halt. Mehr Interesse für das Nachbarland geweckt

Rainer Mende vom Polenmobil erklärt in der Regelschule Wutha-Farnroda den Schülern der Klassen 7 und 8 Wissenswertes von und über Polen. Foto: Jensen Zlotowicz

Rainer Mende vom Polenmobil erklärt in der Regelschule Wutha-Farnroda den Schülern der Klassen 7 und 8 Wissenswertes von und über Polen. Foto: Jensen Zlotowicz

Foto: zgt

„Jak tam?“ Auf Polnisch bedeutet diese knappe Frage „Was geht?“ In der Kommunikation junger Leute ist das gebräuchlich. In Deutschland wie in Polen.

Andreas Wisniewski aus der Klasse 7 der Regelschule auf dem Mölmen war ein Jahr alt, als er mit seinen Eltern nach Deutschland kam, erzählt er in der Runde mit Carolina Ott und Rainer Mende, den beiden Pädagogen des „Polenmobils“. Andreas ist in Polen geboren, spricht zwar kein Polnisch, ist an seinem Geburtsland aber sehr interessiert. Er erfuhr von den Mobilbetreuern, dass in seinem Namen das polnische Wort für Kirsche (Wisnia) steckt und er also ein „Süßer“ sei.

Für Andreas Wisniewski war der jüngste Besuch des „Polenmobils“ an seiner Schule quasi eine Reise in die eigene Vergangenheit. In Deutschland leben weit über eineinhalb Millionen Menschen mit polnischen Wurzeln oder Vorfahren.

Zum zweiten Mal machte das Infomobil vor wenigen Tagen an der Schule in Wutha-Farnroda Station. Schüler der 6. bis 8. Klassen bekamen in einer Doppelstunde jeweils Einblicke in unser Nachbarland, in Landeskunde, Kultur und auf spielerische Weise in die Sprache.

Polnisch ist ob seiner zig verschiedenen Zischlaute nicht einfach zu sprechen, hat allerdings eine einfachere Grammatik als Deutsch, ergänzt Rainer Mende. Der Brandenburger hat in Warschau studiert und baut gemeinsam mit Carolina Otto nun deutsch-polnische Brücken in Schulen.

Dass die Regelschule in Wutha-Farnroda im Sog der Gemeindepartnerschaft eine Patenschaft mit einer Schule in Kaminica in Kleinpolen pflegt, hat wohl auch dazu beigetragen, dass das Polenmobil zum zweiten Mal in Wutha-Farnroda vorfuhr. Die Nachfrage nach dem in Darmstadt ansässigen Polenmobil des Deutschen Polen-Institutes, berichtet die Halb-Polin Carolina Cott, sei groß. Vor allem in den östlichen Bundesländern.

Die gesellschaftlichen und kulturellen Netzwerke zwischen beiden Ländern hätten sich in den vergangenen Jahren stark verdichtet, so dass sich nach dem Schulabschluss interessante berufliche Perspektiven für Schüler eröffnen könnten, sagen die Fachleute.

Die Regelschüler zeigten großes Interesse an dem, was Carolina Cott und Rainer Mende mit nach Wutha-Farnroda brachten – und das waren neben einer überdimensionalen geografischen Teppichkarte beider Länder jede Menge anderes Informationsmaterial. Aus der Gruppe der Sechst- bis Achtklässler werden sich auch jene 15 Schüler herausschälen, sagt Lehrerin und Fachberaterin Heidrun Randrianarisoa, die vom 17. bis 22. September zum Schüleraustausch ins polnische Kamienica reisen werden.

Für die Regelschule am Rotberg war der zweite Besuch der Mannschaft des Polenmobils eine gute Einstimmung auf die September-Tour. Ein paar Worte Polnisch bekamen die Schüler auch mit auf den Weg. Am Ende verabschiedeten sich Gäste und Schüler natürlich mit „Czesc“ (tschäschtsch). Dieses Wort wird im Polnischen sowohl für „Hallo“ als auch für „Tschüss“ gebraucht. Interesse und Neugierde für unser Nachbarland haben die jungen Betreuer des Polenmobils jedenfalls gesorgt, so der Tenor der Schüler. Deshalb darf es auch gerne heißen: Do nastepnego razu – bis zum nächsten Mal.