Alzheimer-Kongress in Weimar: Die Gesellschaft muss sich auf Demenzkranke einstellen

Weimar  Der Alzheimer-Kongress in Weimar berät zu wissenschaftlichen Fortschritten und Hilfen bei der Alltagsbewältigung.

Die Hände einer Demenz-Patientin.

Die Hände einer Demenz-Patientin.

Foto: dpa

Die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft (DAlzG) sieht die Öffentlichkeit nicht genügend vorbereitet auf die Zunahme von Demenzkranken. „Die Menschen werden immer älter, damit steigt das Risiko. Bei den 65- bis 70-Jährigen sind zwei Prozent betroffen, bei den 90-Jährigen über 40 Prozent, trotzdem ist Demenz weiter ein Tabu“, sagt DAlzG-Geschäftsführerin Sabine Jansen beim Alzheimer-Kongress in Weimar. Die Krankheit sei nicht heilbar, es müsse daher mehr Angebote geben, durch die Betroffene länger in ihrem Lebensumfeld selbstständig bleiben können.

1997 startete erstmals ein Kongress nur zum Thema Alzheimer. Seitdem diskutieren Mediziner, Vertreter von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen sowie seit 2006 auch Erkrankte alle zwei Jahre über wissenschaftliche Fortschritte und Hilfen bei der Alltagbewältigung. Gesprächsthemen in Weimar sind „Demenz und Autofahren“, „Leben und Teilhabe in der Kommune“ oder Aggressionen gegen Pflegende.

Neu auf der Agenda stehen diesmal Migranten mit Demenz. „Von denen, die als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, sind 1,8 Millionen 65 oder älter. Traditionen, Sprachbarrieren und Scham führen dazu, dass sich Betroffene isolieren, Hilfsangebote ablehnen oder diese nicht kennen“, so Jansen. Broschüren brächten wenig, derzeit arbeite man mit mehrsprachigen Filmen.

Früherkennung sei möglich

Eine Demenz beginne bereits 10 bis 20 Jahre bevor Symptome auftreten, sagte Prof. Alexander Kurz von der Uniklinik München. 90 Prozent der Demenzerkrankungen werden durch Ablagerungen (Amyloide) in Nervenzellen verursacht, zehn Prozent durch Gefäßerkrankungen. Welche Gehirnregion erkranke, bestimme über das klinische Erscheinungsbild. Früherkennung sei möglich, Kurz warnte aber vor einer frühen Stigmatisierung der Betroffenen. Stoppen lasse sich der Verlauf nicht, allenfalls verzögern. Hilfreich sind neben Medikamenten vor allem körperliche und geistige Aktivitäten. Hoffnung setzt Kurz in neue Amyloid-Antikörper gegen die Ablagerungen. Ein Allheilmittel seien sie aber nicht. Vorbeugen gegen Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht senke das Demenzrisiko merklich.

Wie sich Symptome einer Demenz anfühlen, simulieren Therapeutin Monika Wilhelmi und ihr Sohn Leon mit ihrem Projekt „Hands-on Dementia“. Dafür verfremdeten sie insgesamt 13 Alltagssituationen wie das Zubereiten eines Frühstücks oder das Anziehen.

Leitartikel

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